Kirchenkreis vor spannender Entscheidung

Erstellt am 13.01.2020

Von Hans-Albert Limbrock

SOEST-ARNSBERG. Das Sprichwort ist nicht neu; aber es fasst ganz gut zusammen, was viele der Wahlberechtigten vor der Synode am kommenden Samstag denken dürften: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Denn darin waren sich alle, die zur Vorstellungsrunde der drei Kandidaten in die Soester Johanneskirche gekommen waren, einig: Wählbar sind alle drei.

Und das macht es vor der Entscheidung, die im Gemeinsamen Kirchenzentrum in Meschede getroffen werden muss, so spannend. Dr. Christian Klein, Dr. Albrecht Philipps und Dr. Manuel Schilling präsentierten sich den gut zweihundert Interessierten in jeweils 45 Minuten, stellten sich dabei zunächst vor und formulierten danach ihre Ideen und Visionen, wie sie den Kirchenkreis Soest-Arnsberg mit seinen 28 Kirchengemeinden und über 100.000 Gemeindegliedern führen wollen.

Auffallend dabei: Alle hatten vollkommen unterschiedliche Methoden für ihre Präsentation gewählt. Während Dr. Schilling zu Bauklötzen griff, um sich und seine Vorstellungen zu verdeutlichen, ließ Dr. Philipps Bilder im Hintergrund laufen und Dr. Klein schlüpfte zum Abschluss seiner Ausführungen in das Trikot, das er beim Silvesterlauf getragen hat. „Nicht allein vorweg – Gemeinsam gut unterwegs“ stand darauf zu lesen.

„Wie die Soester ticken mögen, kann ich mir vorstellen“, hatte Manuel Schilling, der zurzeit Pfarrer in Minden ist, eingangs gesagt und sich als „Pfarrer mit Leib und Seele“ bezeichnet, der mit „Wort und Werk die Kirche der Zukunft“ bauen will. Wie das aussehen kann, demonstrierte der 52-Jährige ganz praktisch und griff zu Bauklötzen, die er mitgebracht hatte: „Man kann mit allem die Kirche der Zukunft bauen.“ Dabei setzt er vor allem auch auf die enge Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen: „Ohne Ehrenamt gibt es keine Kirche.“

Dr. Christian Klein (57), einziger Bewerber aus dem Kirchenkreis, bringt sicherlich einen gewissen Heimvorteil ins Rennen: „Ich kenne die Stimmungen, Besonderheiten und die Menschen im Kirchenkreis“, machte der Pfarrer aus Wickede denn auch zu Beginn seiner Vorstellung deutlich und kündigte „schlüssige Konzepte“ für die unterschiedlichen Bereiche wie Jugend, Seelsorge oder Kindertagesstätten-Verbund an. Wichtig sei ihm vor allem, die Bedeutung von Kirche wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken: „Ich möchte eine bedeutsame und relevante Kirche. Wir dürfen nicht an Bedeutung verlieren.“

Dr. Albrecht Philipps (49) ist aktuell Oberkirchenrat im Amtsbereich der Union Evangelischer Kirchen in der EKD in Hannover. Zuvor war er unter anderem zwölf Jahre Gemeindepfarrer im münsterländischen Ochtrup. „Das westfälische Superintendenten-Amt ist eines der schönsten nach dem des Papstes“, formulierte er augenzwinkernd. Philipps betonte, dass Kirche in die Öffentlichkeit gehöre und dort auch Position beziehen müsse: „Ich möchte den Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften suchen. Kirche muss eine Vorreiterrolle einnehmen und darf auch unbequeme Wegstrecken nicht scheuen.“

Im Anschluss an jede Vorstellung hatten die interessierten Zuhörer dann die Möglichkeit, den Kandidaten noch Fragen zu stellen. Außerdem bestand nach den knapp drei Stunden in der Johanneskirche im benachbarten Gemeindehaus noch Gelegenheit zum weiteren Austausch, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde.

 

 

Drei, die Nachfolger von Dieter Tometten werden wollen (von links): Dr. Christian Klein, Dr. Manuel Schilling und Dr. Albrecht Philipps mit Uli Homann und Christian Peters vom Nominierungsausschuss. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Ließ die Zuhörer Bauklötze staunen: Dr. Manuel Schilling.

Hofft auf den Heimvorteil: Dr. Christian Klein.

Sieht Kirche in der Verantwortung: Dr. Albrecht Philipps.

Knapp zweihundert Interessierte verfolgten die Vorstellung der Kandidaten in der Johanneskirche.

Der weitere Verlauf

Am Samstag, 18. Januar, beginnt die Wahlsynode um 8.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Ab 10.30 Uhr werden sich die drei Kandidaten noch einmal kurz vorstellen und der Befragung aus dem Plenum stellen. Nach einer Aussprache beginnt dann die Wahl. Um gewählt zu werden, braucht man die absolute Mehrheit der 156 Wahlberechtigten. Beobachter gehen daher davon aus, dass es mit Sicherheit zwei Wahlgänge geben wird. Die Wahlsynode ist öffentlich.

Der neue Superintendent tritt sein Amt am 1. Juni an. Die Einführung und gleichzeitige Verabschiedung von Superintendent Dieter Tometten durch Präses Annette Kurschus ist für Freitag, 5. Juni, in der Wiesenkirche mit anschließendem Empfang im Blauen Saal des Rathauses geplant.