Fastenzeit einmal anders

Erstellt am 06.03.2020

KREIS SOEST - Die närrischen Tage sind längst vorbei und einige Menschen, ob mit oder ohne religiösen Hintergrund, nehmen sich vor, „40 Tage ohne“ zu leben. Der Verzicht kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen. Bei manchen ist es Fleisch, bei anderen sind es Süßigkeiten. Alexa Krause, Fachkraft für Suchtprävention im Kreisgesundheitsamt, und Matthias Gronowski, Medienpädagoge im Medienzentrum des Kreises, machen auf zwei weitere Möglichkeiten des Fastens aufmerksam: Alkoholverzicht und „Digitales Fasten“.

Alexa Krause: „Was ein bereits vierwöchiger Alkoholverzicht bringt, haben Forscher der Universität Sussex in England untersucht. Die Teilnehmer der Studie gaben an, dass sie besser schliefen, mehr Energie hätten, Gewicht verlören und sich der Zustand ihrer Haut verbessert habe."

Die Erfahrungen seien leicht zu erklären. Alkohol habe nicht nur viele Kalorien, er kurble auch den Appetit an und verschlechtere den Fettstoffwechsel. Da Alkohol ein Zellgift sei, das viele Organe und Funktionen des Körpers belastet, führe eine Abstinenz zu einem fitteren Körper. Denn viele Organe könnten sich über kurz oder lang wieder regenerieren.

Alexa Krause: „Bereits die relativ kurze Zeit von einem Monat ohne Alkohol ist eine Wohltat für den Körper und die Auswirkungen sind deutlich zu spüren. Außerdem trinken viele nach der Abstinenz weniger." Wer keinen Alkohol trinke, müsse nicht auf leckere Getränke verzichten. Es gebe viele schöne Rezepte für alkoholfreie Cocktails.

„Wer mehrere Tage in der Woche überhaupt keinen Alkohol zu sich nimmt und am Wochenende zum Essen oder mit Freunden zwei bis drei Gläser Bier oder Wein trinkt, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Wer aber bereits nervös wird, wenn er auf sein Feierabendbier verzichten soll, sollte seinen Alkoholkonsum ernsthaft überdenken", warnt Alexa Krause.

Während der Verzicht auf Alkohol fast ein Klassiker während der Fastenzeit ist, kann eine moderne Form des Fastens der Verzicht auf die ständige Erreichbarkeit per Smartphone sein, das so genannte „Digitale Fasten". Matthias Gronowski: „Smartphones sind zu einem allgegenwärtigen Alltagsbegleiter geworden. Das macht das Leben in vielen Bereichen einfacher, kann sich aber auch schnell zum Stressfaktor entwickeln. Laut einer Studie der Uni Bonn schauen Menschen durchschnittlich etwa alle 18 Minuten auf das Handy. Das Problem ist, dass danach mehrere Minuten nötig sind, um die Konzentration zurückzuerlangen."

Ständige Erreichbarkeit, eine Flut an Informationen und die Angst, etwas zu verpassen, wenn das Handy ignoriert wird, führten schnell zu Ablenkung und Überforderung. Die Lösung könne aber nicht sein, zur Fastenzeit sechs Wochen komplett auf das Smartphone zu verzichten, um danach weiterzumachen wie bisher. „Die Fastenzeit kann einen Anlass bieten, den eigenen Umgang mit dem Smartphone bewusster wahrzunehmen, Routinen zu hinterfragen und zu verändern", bringt es Matthias Gronowski auf den Punkt.

 

 

Alexa Krause, Fachkraft für Suchtprävention im Kreisgesundheitsamt, und Matthias Gronowski, Medienpädagoge im Medienzentrum des Kreises, schlagen für die Fastenzeit Alkoholverzicht und „Digitales Fasten“ vor. Foto: Thomas Weinstock