Masken sorgen für Irritation

Erstellt am 19.06.2020

Von Hans-Albert Limbrock

KREIS SOEST. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das trifft offenbar auch auf die Masken zu, die den Kindertagesstätten vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in diesen Tagen zur Verfügung gestellt wurden. Mit dieser Aktion begleitet das Ministerium die Wiedereröffnung der Kitas und will so einen Beitrag leisten, um das Corona Ansteckungsrisiko zu minimieren.

„Grundsätzlich ist es natürlich zu begrüßen, dass das Ministerium unsere Arbeit unterstützt“, sagt Charlotte Bierkamp, von der Kindergartenfachberatung im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg und ergänzt: „Die Art und Weise ist allerdings mehr als kritikwürdig.“ Aus diesem Grund hat sie sich bereits mit einem offenen Brief an die heimischen Landtagsabgeordneten gewandt.

Darin kritisiert Bierkamp: „Ich empfinde es als eine unzumutbare Vorgehensweise, wie mit der Sicherheit und den Zeitressourcen unserer Mitarbeiter umgegangen wird.“ Mindestens zehn Minuten, so die Fachfrau, dauere es, eine der gelieferten Masken nach der äußerst komplizierten Anleitung einsatzfähig zu machen: „Es handelt sich hier aber nicht um eine Maske, die zusammengesetzt werden muss, sondern um 80 bis 250 Masken pro Einrichtung. Das Zusammensetzen ist eine unglaubliche Fummelei.“ Insgesamt hat der Kindergartenverbund Nord – das entspricht dem alten Kirchenkreis Soest – 4500 Masken zugeteilt bekommen.

Außerdem sind die Masken erst zwei Tage vor Beginn des eingeschränkten Regelbetriebes zentral angeliefert worden. „Sie mussten erst verteilt und dann auch noch zusammengesetzt werden“, so Charlotte Bierkamp, die außerdem noch die Qualität in Frage stellt. Besser und zielführender sei es gewesen, den Einrichtungen finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen: „Dann hätten wir uns selber Masken besorgen können, die unserem tatsächlichen Bedarf entsprechen und auch die notwendigen Voraussetzungen für den täglichen Praxiseinsatz erfüllen.“

Beim Ministerium ist die Kritik der Kindertagesstätten inzwischen angekommen. In einem Schreiben an die Kommunalen Spitzenverbände der freien Wohlfahrtsverbände und die beiden christlichen Kirchen bedauert das Ministerium ausdrücklich, dass die Lieferungen zu vielen Nachfragen und Irritationen gesorgt haben: „Wir bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten, hoffen aber, dass insbesondere die einmalige, kostenlose Lieferung der FFP-Masken zur Unterstützung und Sicherheit vor Ort beiträgt. Diese außergewöhnliche Situation können wir nur gemeinsam meistern.“

Die Masken sind im Übrigen nicht für die Kinder gedacht, sondern ausschließlich für die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kitas. Die sollen sie aber nur in den Bring- und Abholsituationen oder bei Gesprächen mit Eltern tragen. Bierkamp: „Für Kinder ist es besonders wichtig, dass sie die Mimik der Erwachsenen sehen können. Deshalb werden während der Betreuungszeiten in den Kitas in der Regel keine Masken getragen.“ 

 

 

Julie Riede vom Kindergartenverbund im Evangelischen Kirchenkreis kümmert sich um die Verteilung der Masken an die zwanzig Einrichtungen. Foto: Hans-Albert Limbrock