Tomke und die Sinnfrage

Erstellt am 17.07.2020

 

Von Hans-Albert Limbrock

WESLARN – Wenn man das Abitur in der Tasche hat, wird in der Regel studiert: Medizin, Jura, vielleicht Lehramt oder „irgendetwas mit Medien“. Aber Theologie? Das mutet heute schon fast exotisch und auch ein wenig anachronistisch an; wie aus der Zeit gefallen. Tomke Willer (18 Jahre) kennt diese Vorbehalte: „Manche reagieren schon komisch, wenn ich sage, dass ich Theologie studieren will. Einige sind sogar regelrecht geschockt: ,Wie? Du und Theologie? Das ist ja krass.‘“

An solche Reaktionen ist die junge Frau aus Weslarn, die gerade am Archi-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat, inzwischen gewöhnt und stört sich nicht weiter daran: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden und ihn dann gehen.“

Dass ihr Weg einmal in Richtung Theologie-Studium führen würde, war so nicht zwingend abzusehen. Ab der Konfirmandenzeit hatte es sich allerdings abgezeichnet, dass theologische Fragen sie besonders interessieren. „Diese Zeit“, so Tomke, „hat mich schon sehr geprägt. Die Themen, mit denen wir uns da beschäftigt haben, haben mich fasziniert und zum Nachdenken gebracht.“ So sehr, dass sie auch nach der Konfirmation dabei geblieben und als Teamer eingestiegen ist: „Ich fand das superinteressant und es hat riesigen Spaß gemacht, da mitzumachen.“

Regelmäßig hat sie von da an in der Jugendkirche aber auch in ihrer Heimatgemeinde Weslarn mitgearbeitet. Parallel dazu hat Tomke Willer in der Hebräisch-Arbeitsgruppe an ihrer Schule mitgemacht. Religionslehrer Volker Kluft bietet dort bereits seit einigen Jahren recht erfolgreich Hebräisch als Kurs an. Die Schülerinnen und Schüler bekommen nach dreijährigem Lernen mit dem Hebraicum sogar einen richtigen Abschluss – ein guter Einstieg, um Theologie zu studieren, denn die „alten Sprachen“ Latein, Hebräisch und (Alt)Griechisch sind hier gefragt.

„Jede Sprache hat sicherlich ihre Schwierigkeiten, aber mir persönlich liegen die alten Sprachen. Ich habe da richtig Spaß dran“, erzählt Tomke Willer. Hinzu kommt ihr Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen und ihre Neugierde auf die großen Sinnfragen. Wenn man das alles zusammennimmt, kommt die Wahl ihres Studienfachs nicht wirklich überraschend.

Ob sie sich nach dem Studium vorstellen kann, Pfarrerin einer evangelischen Gemeinde werden zu können? Für die Antwort braucht sie einen Moment: „Ich glaube eher nicht. Aber das kann sich ja durch das Studium und auch während des Studiums noch verändern. Ich bin da total offen. In jedem Fall habe ich großen Respekt vor dem Beruf des Pfarrers oder der Pfarrerin.“

Mit der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal hat sie sich eine vergleichsweise kleine Hochschule ausgesucht – aber eine mit einem exzellenten Ruf, die den Studierenden viele Möglichkeiten bietet. „Für mich war es wichtig, erst einmal nicht so weit von zuhause weg zu sein. Und der recht kleine Campus hat mich gereizt, alles ist nah beisammen. Das gefällt mir.“

 

 

Tomke Willer aus Weslarn hat im Juni ihr Abitur am Archi in Soest gemacht und wird ab Oktober in Wuppertal Theologie studieren. Foto: Hans-Albert Limbrock