Gänsehaut im Gottesdienst

Erstellt am 27.08.2020

 

Von Kathrin Koppe-Bäumer

BRILON/MARSBERG – Im zweiten Teil des Berichts über die Klimawanderung stehen Nahrungsmittel und der Abschluss-Gottesdienst im Mittelpunkt:

Ein Höhepunkt jedes Wandertags war das von Dorothee Wenken servierte Essen. Aus nachhaltig produzierten, regionalen und saisonalen Produkten bereitete sie täglich mit ihrem Team einfache und schmackhafte Speisen zu. Küchenarbeit vor und nach dem Essen bleibt meist unsichtbar.

Wieviel Sorgfalt, Genauigkeit, Körperkraft und tägliche spontane Entscheidungen hinter dem Einkaufen, Lagern und rechtzeitigen Verbrauchen der kostbaren Lebensmittel steckte, erklärte sie kurz und prägnant vor den Mahlzeiten. Aus Gemüse-“Abfall“ und übrig gebliebenen harten Eiern bereitete sie die Suppe und den Brotaufstrich für den nächsten Tag vor.

Wieviel Zeit das Schnippeln und Verwerten beansprucht, begriffen die Wandernden an ihren Picknickplätzen. Mit Ehrfurcht verzehrten sie die schmackhaften Tomaten, den köstlichen Ziegenkäse, das bekömmliche Dinkelbrot. Sparsam standen Milchprodukte mit hohem CO2 –Fußabdruck auf der Speisekarte, Fleisch kam nicht vor. In Alme gab es geräucherte Forelle von vor Ort.

Dorothee Wenken wollte die Lebensmittel so nacheinander verbrauchen, dass nichts schlecht wurde. Sie hatte keinen Speiseplan von Montag bis Samstag gemacht, sondern fragte sich jeden Abend neu: Was muss am nächsten Tag verarbeitet werden? Dass sie dabei kaum Plastikabfall und Hausmüll verursachte, war ihr ein weiteres Ziel. „Ein halb gefüllter gelber Sack am Ende der Woche“, zog sie stolz das Abfallfazit. Jeden Tag applaudierte ihr die ganze Gruppe dankbar. Dorothee Wenkens Art zu kochen wird in manchen Kühen einziehen.

Nachhaltig werden auch die Beziehungen sein, die während der Woche einstanden sind. „Wir haben uns schon zu einer weiteren Wanderung zu den Himmelssäulen in Küstelberg verabredet“, erzählte eine Teilnehmerin. „Wir brauchen mehr Zeit mit diesen eindrucksvollen Bäumen“. Weitere Verabredungsmöglichkeiten wird es beim Nachtreffen im Oktober geben. „Es kann gut sein, dass wir demnächst einmal im Vierteljahr eine klimafreundliche Tageswanderung anbieten“, kann sich Simone Pfitzner vorstellen. „Aber erst steht die zweite klimafreundliche Wanderwoche im September auf dem Programm“, ergänzte ihre Kollegin Kathrin Koppe-Bäumer.

Dankbar feierte die Wandergruppe am Sonntag einen Abschluss-Gottesdienst in der Christuskirche in Bredelar. Ortspfarrer Markus Pape hatte den Altar mit Sommerblumen geschmückt. Gesungen wurde wegen Corona nicht, doch Simone Pfitzner und Kathrin Koppe-Bäumer musizierten die Lieder mit Flöte und Bratsche. Aus Naturmaterialien und Symbolen legten alle Teilnehmer*innen ein Bodenbild, das  Erfahrungen aus der Wanderwoche ausdrückte. Die Leiterinnen verknüpften biblische Gedanken mit Erlebnissen der Wanderwoche.

„Der Gottesdienst hatte Gänsehaut-Momente“, sagte eine Teilnehmerin. Die Gruppe dankte dem Leitungsteam mit persönlichen Geschenken. Für die Menschen in Beirut, die während der Wanderwoche die Folgen der schrecklichen Explosion zu spüren bekommen hatten, legten sie 160 Euro als Spende zusammen. Informationen über die einzelnen Wandertage auf: https://region-8.ekvw.de

 

 

Unter Einhaltung der Schutzbestimmungen verabschiedeten sich die Teilnehmer*innen vor der Christuskirche in Bredelar und verabredeten ein Wiedersehen. Fotos: Simone Pfitzner

Bergauf zum Uhu-Felsen über den Almequellen – die Klimawanderung forderte den Teilnehmer*innen einiges ab.