Lockdown lähmt Diakoniearbeit

Erstellt am 28.08.2020

Von Julie Riede

SOEST Auf Einladung der Soester Bürgermeisterkandidatin Anne Richter und der Landratskandidatin Ilona Kottmann-Fischer besuchte die Fraktionsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt die Diakonie Ruhr-Hellweg in Soest. Im Anschluss besichtigte sie die Wiesenkirche.

In einem Gespräch mit Fachleuten für Beratung und Seelsorge waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unterschiedliche Beratungsbereiche Thema. Gesprächspartner für die Diakonie vor Ort waren Annette Drebusch, Maria Wulfinghoff und Matthias Buschmann. Von ihnen erfuhr die Grünen-Politikerin, dass auch im sozialen Bereich Grundprobleme wie Kurzarbeit und Verunsicherung während des Lockdowns vorherrschend waren.

So stand das von Diakoniemitarbeiter Matthias Buschmann betreute Projekt „Sommerland“ während des Lockdowns auf der Kippe, da nur noch wenige Stunden für das Projekt zur Verfügung standen. In den Trauergruppen von „Sommerland" können sich Kinder und Jugendliche aktiv mit einem schweren persönlichen Verlust auseinandersetzen. Mit Kurzarbeit sei dies unmöglich zu leisten.

Die Schwangerschafts- und Konfliktberatung konnte größtenteils „face to face“ aufrechterhalten werden, bei der Familienberatung behalf man sich zunächst mit einer telefonischen Beratung. Die Probleme bei der Diakonie und im sozialen Bereich, der gerade zur Zeit von Corona doch eine wichtige Stütze für die Menschen sein soll, waren in diesem Maße auch in der Politik vor Ort bisher nicht bekannt gewesen.

Lockdown, Maskenpflicht, die Verteilung von Hilfsgeldern – hier war man sich einig, dass es gerade wegen der großen Verunsicherung wichtig gewesen wäre, schnell zu handeln, selbst wenn Missbrauch von Corona-Geldern möglich sei, seien die Menschen darauf angewiesen gewesen. Vorrausschauend auf eine mögliche weitere Lockdown-Phase bzw. ein Erstarken der Pandemie solle man zurückblicken und reflektieren, so die örtliche Grünenpolitikerin Jutta Maybaum. Menschen seien einsam gestorben während des Lockdowns, dies sei ein Skandal, der in der politischen Debatte bisher sehr nebensächlich behandelt worden ist.

Daran schließe sich die Frage an: Wie könne man Menschen Sicherheit geben, wenn soziale Institutionen nicht richtig funktionieren? Diakonie und Kirche seien wichtige Ansprechpartner und ein Anker in einer Zeit der starken Verunsicherung. Aber auch Institutionen wie Gesundheitsämter und Arbeitsstellen in diesem Bereich bekämen nun die Chance, ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu zeigen.

Nach der Fachgesprächsrunde ging es weiter zur Wiesenkirche, wo Pfarrer Kai Hegemann den neuen Superintendenten Dr. Manuel Schilling mit der Politikerin bekannt machte. In einem kurzen Gespräch vor Ort sprach man über die Umstrukturierungen in den Gemeinden, mit dem Ziel einer weniger komplizierten Reglementierung sowie über die Gottesdienstumsetzung in der Kirchengemeinde während der Corona Zeit.

Nach dem Lockdown bestehe ein besonderes Interesse der Menschen, sich im Gebet einander anzunähern. Kirchliche Mitarbeiter hätten erzählt, dass nie mehr Gespräche geführt worden wären als jetzt, wo die Kirchen für die Menschen wieder geöffnet seien. Mit großer Achtsamkeit wolle man den Menschen in den Gotteshäusern wieder begegnen und für sie da sein, so Superintendent Dr. Schilling. Diakonie und Kirche seien für die Menschen da, sie wollen stabilisieren und Zuversicht entwickeln, nicht beschwichtigen. Wie könne man bestmöglich helfen, was könne man noch leisten, seien Kernfragen, denen man sich tagtäglich neu stelle, schloss Annette Drebusch von der Diakonie Ruhr-Hellweg das Gespräch.

 

 

Auch ein Besuch in der Wiesenkirche gehörte zum Programm von Katrin Göring-Eckardt. Hier wurde sie von Pfarrer Kai Hegemann und Superintendent Dr. Manuel Schilling begrüßt. Foto: Julie Riede