Oratorium fällt aus

Erstellt am 11.12.2020

 

Von Frank Albrecht

ARNSBERG - So hatte sich Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar aus Arnsberg den musikalischen Abschluss des Jahres 2020 nun doch nicht vorgestellt: Nach wochenlangen Proben vor den Bildschirmen und für kurze Zeit auch in kleinen Gruppen hatte man gemeinsam die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach einstudiert und vorbereitet. Mit ersten Zweifeln wurde auf den 3. Advent geblickt, seit der Verlängerung der Corona-Schutzbestimmungen ist nun aber definitiv klar: Ein Oratorium vor Zuschauern wird es in diesem Jahr nicht geben.

„Das Bachsche Weihnachtsoratorium wird geliebt, von Sängern, Sängerinnen und auch vom Publikum“, sagt Chorleiter Gerd Weimar. Für viele Menschen gehöre es selbstverständlich zum Weihnachtsfest – so wie der Gottesdienst an Heilig Abend. Mit dem Ziel, es auch wirklich aufführen zu können, war über Wochen in Zeiten des Corona-Lockdowns auch die Motivation für die Mitwirkenden verbunden.

Eifrig hatte Chorleiter Gerd Weimar für eine Umsetzung des jährlichen Projektes mit dem Oratorienchor des Städtischen Musikvereins Arnsberg sowie dem Projektchor des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg überlegt, wie der Wunsch nach einer Aufführung umgesetzt werden könne.

„Natürlich hätten wir unter Einhaltung der während der Planungszeit bestehenden Corona-Schutzregeln nicht mit dem gewohnten großen Apparat arbeiten können“, gibt Weimar zu bedenken. Denn stets überzeugt beim Weihnachtsoratorium neben dem durch bis zu 100 Beteiligten starken Gesang auch der instrumentelle Teil, oft durch ein philharmonisches Orchester gesichert.

Unter der Berücksichtigung der vorgeschriebenen Abstände hätte man in den zur Verfügung stehenden Kirchen und Sälen maximal vierzehn Sängerinnen und Sänger auftreten lassen können. Konkret waren vier Soprane, vier Alt-Stimmen, drei Tenöre und drei Bässe ursprünglich für Aufführungen in St. Walburga Meschede und Liebfrauen Arnsberg geplant.

Nun also doch kein Weihnachtsoratorium, weil sämtliche Kulturveranstaltungen und damit auch Konzerte verboten sind. „Bis kurz vor dem zweiten Lockdown war noch alles offen“, erinnert sich Gerd Weimer, der die vollständige Absage bedauert – aber auch einen Gewinn für die Chorgemeinschaften aus der Vorbereitung darauf sieht.

„Wir haben von der Arbeit als Chöre profitiert“, bilanziert Gerd Weimar. Wenigstens im Bereich der Erwachsenen-Chöre wurde über Wochen während des Lockdowns die Stimmbildung über Videoschaltung realisiert. Nicht die beste, aber eine Lösung – so sieht es der Kirchenmusikdirektor mit Blick auf das bald ablaufende Jahr. „Ich glaube, dass sich solche oder ähnliche Digitalformate für die Zukunft in einem begrenzten Umfang eignen können“, so Weimar.

Um doch die von den Chören so herbei gewünschte und schmerzlich vermisste Gemeinsamkeit herstellen zu können, hat es vor dem 3. Advent auch eine digitale Weihnachtsfeier gegeben. „Wir haben dazu über 100 Einladungen verschickt“, erklärt Weimar. Erst daraufhin habe man dann ganz gezielt und per Post nette Briefe an die Teilnehmer verschickt.

Mit Teelicht und Glühweinbeutel wurden so alle für die Feier versorgt. Über ZOOM wurde vor den Bildschirmen gemeinsam gesungen, Weihnachtsgeschichten wie die von Loriot und „eine kleine Predigt“ des Chorleiters Weimar haben für eine schönes Gemeinschaftsgefühl an dem Tag gesorgt, an dem ohne Corona wieder mal gemeinsam geprobt worden wäre.

Ohne gemeinsames Erleben ist dagegen das Kinderchorprojekt „VokalTotal“ geblieben. „Seit März konnten wir nun schon keine Proben mehr durchführen“, beklagt Chorleiter Weimar. Dafür hatte man sich aber zur Adventszeit eine schöne Aktion ausgedacht. Pünktlich zum 1. Advent habe es für alle Mitglieder des Projektes einen ganz besonderen Adventskalender gegeben: Statt Schokolade für jeden Tag, beinhaltet der Adventskalender für die Kinder 24 verschiedene Lieder und dazugehörige Texte.

„Über einen QR-Code hinter jedem Türchen, können sich alle Kinder das Lied dazu aus dem Internet holen. Das hochwertige Geschenk für den Sänger-Nachwuchs war bewusst als Möglichkeit gedacht, den Kontakt zu den Kindern zu halten.“

In der Bilanz für das gesamte Jahr 2020 bleibt für Gerd Weimar hängen, dass man zwar nicht so habe proben und singen können, wie man es aus den Jahren zuvor gewohnt war. „Wir hatten aber auch keine Verluste bei den Mitgliedern in den Chören“, sagt Weimar. Bei den Kinderchören gebe es naturgemäß eine – u.a. altersbedingte – Fluktuation, die im Corona-Jahr aber auch weitgehend ausgeblieben sei. Allein schon die Alternativen für einen Wechsel hätten diesmal auf ganzer Linie gefehlt.

 

 

Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar aus Arnsberg kann in diesem Jahr, das von allen Seiten geliebte Weihnachtsoratorium nicht aufführen. Die Corona-Pandemie hat den Chören einen Strich durch die Rechnung gemacht. Foto: Frank Albrecht