Das etwas andere Krippenspiel

Erstellt am 18.12.2020

 

Von Hans-Albert Limbrock

SOEST — Normalerweise gehen die Menschen an Heiligabend in ein Krippenspiel; vorzugsweise mit den (noch kleinen) Kindern. Eine schönere Art, weihnachtliche Vorfreude auf das zu zelebrieren,  was dann später noch kommen mag, ist kaum vorstellbar. So ist das normalerweise. Aber was ist in diesem Corona geprägten Jahr schon normal? So gut wie nichts.

Fast überall wurden die traditionellen Krippenspiele abgesagt. So auch in Soest und in fast allen Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg. Viele Menschen, dicht an dicht in den Kirchenbänken - da muss man kein studierter Virologe sein, um zu wissen, dass das keine sonderlich gute Idee ist.

Und so wurde das „Soester Krippenspiel“ - mutmaßlich die populärste Aufführung ihrer Art in der Region - ebenso vom Spielplan gestrichen wie zahlreiche andere in den Kirchen der Börde und des Sauerlandes. Ganz zu schweigen vom „Soester Gloria“. Selbst in den Wirren des großen Krieges hat es meist gereicht, um es hochoben auf dem Turm der altehrwürdigen Petrikirche aufzuführen und den Gläubigen so in finsteren Zeiten Trost und Zuversicht zu spenden.

Finster sind die Zeiten auch aktuell. Corona und kein Ende; zumindest bisher keines mit Happyend. Aber so ganz auf ein Krippenspiel verzichten, auf die frohe und Hoffnung bringende Botschaft? „Das geht doch nicht!“ haben die Soester Pfarrer gesagt, evangelisch und katholisch in wunderbarer ökumenischer Eintracht und sich eine ebenso sehenswerte wie wunderbare Alternative einfallen lassen: quasi ein Krippenspiel to go, wie das Neudeutsch heißen mag.

An verschiedenen Orten (Kirchen im Stadtgebiet) wurden Szenen der Weihnachtsgeschichte nachgespielt und zu einem Film zusammengefügt. Pfarrer Bernd-Heiner Röger, der das Stück geschrieben hat: „Keine Gaudi. Einfach eine andere Form, die wunderbare Geschichte von der Geburt des Gottessohnes zu erzählen.“

Uns so wurde aus Leona Holler Maria, aus Andreas Krüger Josef, Kai Hegemann, Thomas Gano und Matthias Menne wurden zu Hirten. Und Christian Casdorff sowie Detlev Gethmann mutierten sehenswert zu Ochs und Esel. Mit dabei auch Propst Dietmar Röttger, Dr. Christian Welck, Stefan Weyer, Friedemann Kölling und Michael Stiehler. Für die Musik sorgen die Kantoren Annette Arnsmeier (Petri-Pauli) und Stefan Madrzak (Patrokli).

„Gebe Gott seinen Segen für unser Jahrhundertwerk“, hat Pfarrer Röger vorab launig formuliert. Herausgekommen ist in jedem Fall ein sehenswertes Stück „Soester Krippenspiel“, das so hoffentlich nie wieder aufgeführt werden muss und wohl auch deshalb und bezeichnenderweise die Jahreszahl 2020 im Titel führt.

Zu sehen ab Heiligabend auf YouTube, Stichwort: Soester Krippenspiel 2020.

 

 

Matthias Menne, Thomas Gano und Kai Hegemann wurden vom Filmteam der Firma Pictoja (Möhnesee) als Hirten passend in Szene gesetzt. Foto: Leona Holler