In Beton gegossene Emotionen

Erstellt am 05.02.2021

Von Dorothea Richter

ARNSBERG/UENTROP - Ein Meister seines Fachs ist er schon lange: Betonkünstler Arno Mester aus Uentrop bei Arnsberg. Fügt man seinem Nachnamen nur einen einzigen Buchstaben hinzu, besäße er diese Auszeichnung sogar schon im Namen: Arno Me(i)ster.

Wer den 72-Jährigen in seiner Werkstatt am Damberg erlebt, gewinnt schnell den Eindruck: Es sind nicht die Titel und Auszeichnungen, die den Künstler antreiben. Seine  Leidenschaft ist das Erschaffen von lebensgroßen Betonskulpturen, detailgetreu und lebensecht. Und das seit nunmehr 20 Jahren.

Sein Entwicklungsweg bis zur „Kunst in Beton“ sei ein langer, gibt Arno Mester einen Einblick in sein kreatives Tun, das bereits in den 60-er Jahren begann. Im kleinen Nichtinghausen bei Meschede aufgewachsen („als Kind war das für mich ein Eldorado“), wagte er als Jugendlicher den Schritt in die Großstadt Frankfurt und machte dort eine Ausbildung zum Schauwerbegestalter.

Später ist er dann wieder ins Sauerland zurückgekehrt und nach vielen Berufsjahren war da der Wunsch, sich ganz auf die Betonkunst zu konzentrieren. „Ich bezeichne mich als einen langsamen Menschen“, bekennt Arno Mester freimütig, „darum arbeite ich gern allein und kann dann mein eigenes Tempo beibehalten.“

Neben seiner großen künstlerischen Erfahrung besitzt Arno Mester vor allem eine positive und bescheidene Ausstrahlung, die Vertrauen bei seinem Gegenüber schafft. Seine Freundlichkeit, gepaart mit einer Portion Humor, ist geradezu ansteckend. Die Kunstwerkstatt am Damberg ist für ihn wie ein zweites Zuhause und eine wohltuende Atmosphäre für jeden, der hierherkommt.

Arno Mesters Betonfiguren sind ausschließlich Auftragsarbeiten. Für die ausdrucksstarke Wiedergabe einer Figur braucht der Künstler ein Modell, um die typischen Merkmale von Persönlichkeit, lebensnaher Körperhaltung und  individuellem Gesichtsausdruck herausarbeiten zu können.

Die wichtigsten Grundlagen für das Gestalten seiner Betonfiguren nach Maß entstehen durch den Gipsabdruck von Gesicht, Hinterkopf und Händen. Ebenso wichtig ist das Gespräch mit dem Auftraggeber, sowie das gegenseitige Kennenlernen. „Das ist immer wieder eine Herausforderung“, beschreibt der Rumbecker den Beginn einer Figur, „da geht es auch um Emotionen und den Blick auf das eigene Ich der Menschen, die gern ein `Double` von sich haben möchten.“

Arno Mester hält die Position des Modells mit der Kamera fest und kann sich dann während des ganzen Arbeitsprozesses immer wieder daran orientieren. Dabei hilft ihm nicht nur seine ehemalige langjährige Tätigkeit als Schaufenstergestalter, sondern vor allem sein gutes Einfühlungsvermögen für Ausdruck, Gestik und Mimik. Falten im Gesicht, Faltenwurf in der „Kleidung“, die Stellung der Füße und Hände, das alles sind Charakteristika, die seine Kunstwerke aus grauem Beton „lebendig“ machen.

Auch seine Mutter hat Arno Mester vor etlichen Jahren aus Beton geformt. Eine Erinnerung für ihn, aber auch für die Mitbewohner des Seniorenheims in Arnsberg, in dem die Mutter wohnte und sich dort ganz viel um die älteren Menschen gekümmert hat. Die Figur stand nach ihrem Tod noch eine ganze Zeitlang im Gemeinschaftsraum, „so hatten viele die Gelegenheit, sich von ihr zu verabschieden“. Besonders für die Demenzkranken sei das wichtig und wertvoll gewesen.

Bei seiner aktuellen Betonfigur, eine Dreier-Gruppe Schwangerer, lässt sich der Künstler von seiner Kindheit im Sauerland inspirieren. „Ich habe großen Respekt vor den Frauen, die damals in meinem Dorf waren. Das war ein hartes Leben, gleich nach der Geburt ihrer Kinder mussten sie sofort wieder aufs Feld und schwere Arbeit verrichten.“ Seine Hommage an die Frauen zeichnet sich  besonders durch die symbolische Form der großen Hände und Füße aus: „zupackend und bodenständig“.

Seit 13 Jahren gibt Arno Mester sein Wissen in Form von Kunstkursen weiter, die Leute kommen aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz. Seine Frau Petra Kaiser steht ihm zur Seite und gestaltet als ehemalige Kunstlehrerin mit interessierten Kindern und Jugendlichen kleine Figuren aus Knetmasse. „Wegen Corona ist das zur Zeit nicht möglich“, bemerkt er bedauernd, der Austausch und das Gestalten mit Menschen würden ihnen beiden sehr fehlen.

An eine angenehme Begegnung mit Joe Bausch, dem Werler Arzt und bekanntem Schauspieler aus dem „Tatort“, erinnert er sich  ebenso gern, der als Betonfigur einen Platz in seiner Kunstwerkstatt  gefunden hat.

Das absolute Highlight in seiner künstlerischen Laufbahn war für den Künstler, als acht seiner Betonfiguren bei dem Unterwasserprojekt „Menschen unterwegs“ auf den Grund des Sundhäuser See in Thüringen in einer Tiefe von 15 Metern versenkt wurden:. „Das sollte neben einer Werbekampagne für den dort ansässigen Tauchclub gleichzeitig auch ein Sinnbild für den steigenden Meeresspiegel sein. Wir müssen aufpassen - und es wird Zeit für uns, als Gesellschaft einen Weg zu finden, wie wir in Zukunft mit der Natur umgehen wollen.“

 

 

Ein Leben mit Beton: Arno Mester hat sich als Künstler ganz der Arbeit mit Beton verschrieben und schafft dadurch Kunstwerke von dauerhaftem Wert. Fotos: Dorothea Richter

Auch seine Mutter hat Arno Mester vor etlichen Jahren aus Beton (nach)geformt.

Bis zur Fertigstellung eines Kunstwerkes braucht es viele Zwischenschritte. Rechts sind einige seiner Werke zu sehen, unter anderem der Joe Bausch, lange Zeit als in der JVA Werl tätig und einem Millionen-Publikum durch seine Rolle als Pathologe in den Dortmunder Tatorten bekannt.