Keine Angst vor der Impfung

Erstellt am 05.02.2021

Von Julie Riede

SOEST/ARNSBERG - Dr. Friedrich Acquistapace ist einer der drei ärztlichen Standortleiter für das Impfzentrum im Kreis Soest. Über 30 Jahre war er als hausärztlicher Internist im niedergelassenen Bereich und lange im Vorstand des Ärztevereins Soest tätig. In zwei Onlinegesprächsrunden hat er die Erzieherinnen des Kirchenkreises Soest -Arnsberg rund um das Thea Corona-Impfung informiert.

Dem vorausgegangen war ein Schreiben der pädagogischen Fachberaterinnen Diana Junker-Thiemann, Charlotte Bierkamp, Eike Ströbel und des Superintendenten Dr. Manuel Schilling an NRW Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Das Schreiben beinhaltete die dringende Bitte um ein frühzeitiges Impfangebot für Erzieherinnen. In einer Umfrage unter rund 500 Erzieherinnen des Kirchenkreises Soest-Arnsberg hatten über 60 Prozent erklärt, sich umgehend impfen zu lassen, wenn der Impfstoff für sie zur Verfügung stünde.

Die Fachkräfte sind in großer Sorge, sie schreiben: „Den Kitabetrieb mit den vorgeschriebenen Settings aufrecht zu erhalten, gestaltet sich zunehmend schwierig. MitarbeiterInnen befürchten, sich während ihrer Arbeit am und mit den Kindern und beim Kontakt mit vielen Eltern über die Maßen einer Ansteckung auszusetzen. Immer mehr halten die Anspannung, Ängste und Sorgen nicht aus und gehen in eine ärztlich verordnete Krankschreibung. Kurzfristige Schließungen von Teilgruppen sind die Folge.“

Dr. Acquistapace  aus dem Soester Impfzentrum ist der Meinung: „Mitarbeitende in den Kitas sollten zu einem früheren Zeitpunkt geimpft werden, wenn sie es möchten.“ Prävention sei der wichtigste Schritt im Kampf gegen die Krankheit, statt auf die Entwicklung eines risikoarmen Medikamentes  gegen Covid-19 zu warten.

In den beiden  Online-Gesprächsrunden klärte er rund um das Thema Covid-19 auf: so schützten FFP2-Masken zwar sowohl ihre Träger als auch die Menschen der unmittelbaren Umgebung – trotzdem sei wegen der Gefahr der Tröpfcheninfektion das Abstandhalten mit Masken oberstes Gebot. Alle 75 Minuten müssten die Masken abgesetzt werden und für eine halbe Stunde pausiert werden. Schwierig, in einem Kindergartenbetrieb, wie viele Erzieherinnen berichteten, denn personell sei man gar nicht so gut aufgestellt, dies leisten zu können.

In der Umfrage des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg waren sich rund 30 Prozent der Befragten unsicher bezüglich einer Impfung. Groß war die Sorge vor Erbgutschäden, da viele MitarbeiterInnen noch einen Kinderwunsch haben. Doch hier konnte Dr. Acquistapace beruhigen: dass der Impfstoff in die DNA eingreife, sei eine Fehlinformation. Der Impfstoff habe zudem in Deutschland keine Notzulassung bekommen, er sei den normalen Testweg gegangen, über 70.000 Probanden hätten an den Tests teilgenommen.

Es gebe Nebenwirkungen, wie bei allen Impfungen: So wurde vermehrt von unspezifischen Kopfschmerzen sowie einer Müdigkeit bzw. Abgeschlagenheit nach der Impfung berichtet. Schwere Komplikationen seien eine Seltenheit. So berichtete Dr. Acquistapache: „Die Impfung ist sehr sicher, daher können auch sogenannte Risikopatienten nach dem der Impfung vorausgehenden Anamnese-Gespräch, zu 90 Prozent geimpft werden.

Wie bei allen Impfungen ist der Nutzen der Impfung höher als das Risiko einer Erkrankung“.

Diabetiker, Menschen, die Blutverdünner oder Kortison nehmen müssten, die meisten Allergiker oder  Menschen mit Autoimmunerkrankungen hätten kein erhöhtes Risiko. Vor der Impfung werde genauestens validiert, ob diese dem Patienten zugemutet werden kann und sollte. Lediglich eine Eiweiß-Allergie berge das Risiko einer lebensbedrohlichen Reaktion, wie einem anaphylaktischen Schock.  Besucher des Impfzentrums mit Symptomen wie Fieber, Husten oder anderen Symptomen würden nicht geimpft und erst einmal nach Hause geschickt.

Dr. Acquistapace sagt allerdings auch: „Menschen, die Corona schon hatten, sollten sich trotzdem impfen lassen! “ Dies sei ein verlässlicher Schutz gegen eine erneute Ansteckung. Jedes Jahr sollte die Impfung, ähnlich wie die Grippeimpfung, aufgefrischt werden, um den Mutationen des Virus entgegen zu arbeiten. Außer Krankheitssymptomen gebe es zwei weitere Kontraindikationen; so sollten Schwangere und unter 16-Jährige nicht geimpft werden. Diese beiden Gruppen seien vom Test ausgeschlossen gewesen.

Den Grund für die schleppende Impfung der Bevölkerung sieht Dr. Acquistapace in der Koordination und der aktiven Umsetzung. „Es muss mehr Impfzentren geben und mehr geschultes Personal, das die Impfungen verabreichen kann.“ Zudem sei auch der Umgang mit dem Datenschutz wichtig, aber  zeitaufwendig.

Am Ende der Gesprächsrunde wird deutlich: Die Sorgen der noch unsicheren ErzieherInnen vor Risiken wie Erbgutschäden oder schwerwiegenden Nebenwirkungen sind unbegründet.
Studien von Krankenkassen, die ergaben, dass Erzieher zu einer Berufsgruppe gehören, die sich besonders häufig anstecken, sind alarmierend und unterstreichen de Dringlichkeit der Bitte nach einer frühzeitigen Impfung. So hatte eine Studie Mitte Januar ergeben: Wer mit Kindern arbeitet, erkrankt häufiger an Corona als andere Berufsgruppen. Darauf deutet eine Auswertung der Daten von AOK-Versicherten hin.

 

Hintergrund

Die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)  fordert seit Monaten passgenaue und wirksame Hygienepläne für Kitas. Die Fachberaterinnen des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg und der Superintendent erhoffen sich mit ihrem Schreiben an Minister Laumann endlich Unterstützung und besseren Schutz für ihre Kita-MitarbeiterInnen. Damit der Kitabetrieb aufrechterhalten werden kann und der Druck in Verbindung mit dem angeordneten Pandemiebetrieb sich nicht weiter verschärft.

 

Dr. Friedrich Acquistapace gehört zum Ärzteteam des Impfzentrums Soest und hat jetzt die Erzieherinnen und Erzieher der Evangelischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis über die Corona-Impfung informiert.

Darauf warten die meisten Menschen: Dass endlich genügend Impfstoff verimpft werden kann, um der Pandemie ihren Schrecken zu nehmen.