Ein Rucksack voller Ideen

Erstellt am 05.02.2021

Von Hans-Albert Limbrock

SOEST – Das muss man sich mal vorstellen: Da kommt jemand mit einem Rucksack voller Ideen – ach was: mit zwei Rucksäcken voller Ideen. Und dann wird ihm gesagt: „Deine Ideen, die packen wir jetzt erst einmal in den Vorrat und holen sie hervor, wenn Corona vorbei ist.“ So ähnlich muss sich Maximilian Hoffmann (26 Jahre) Anfang Oktober gefühlt haben – und irgendwie immer noch fühlen – als er die Nachfolge von Petra Englert bei der Jugendkirche angetreten hat. 

100 Tage – das ist üblicherweise die Distanz, die man einem Neuen/einer Neuen zubilligt, ehe man erstmals deren Arbeit qualitativ auf den Prüfstand stellt. Diese 100 Tage hat Jugendreferent Hoffmann schon längst hinter sich. Aber bewerten? Wie will man jemanden bewerten, der sich nicht so einbringen kann, wie er das gerne möchte?

„Das nervt natürlich“, gibt er unumwunden zu und krault sich seinen roten Bart. „So vieles kann und darf aktuell nicht stattfinden. Das macht es schon ein bisschen schwer.“ Aber Hoffmann hat gelernt, mit Widerständen umzugehen, Herausforderungen anzunehmen und nicht in ewiges Lamentieren über die Schwierigkeiten einer Situation zu verfallen.

Das mag auch daran liegen, dass er praktisch erst „über den 2. Bildungsweg“ Jugendreferent geworden ist. Nach der Schule hat der gebürtige Leipziger nämlich erst einmal eine Lehre zum Koch gemacht. Da war jeder Tag eine Herausforderung; musste ständig improvisiert werden und er musste lernen, mit Druck umzugehen. „Davon profitiere ich noch heute“, sagt er. „Es ist unfassbar wichtig, wenn man weiß, was wirkliches Arbeiten ist.“ Die drei Ausbildungs-Jahre in einem Hotel mit Spitzengastronomie haben ihn fraglos geprägt und gestählt.

Doch bereits während der Lehrzeit war ihm klar, dass der Platz am Herd keiner von Dauer sein soll: „Ich hab mich schon recht frühzeitig in der christlichen Jugendarbeit in unserer Leipziger Tabor-Gemeinde engagiert und dabei auch gespürt, dass das genau mein Ding ist.“ Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) beim CVJM in Bielefeld hat er daher folgerichtig nach der Koch-Lehre eine zweite Ausbildung begonnen, nämlich die zum Erzieher und Jugendreferenten und zunächst mit einem Anerkennungsjahr in einer Grundschule begonnen. „Da haben mir aber die glaubensrelevanten Inhalte gefehlt. Deshalb wollte ich gerne in den kirchlichen Bereich.“

Über einen Freund ist er dann im vergangenen Jahr auf die Stellenanzeige des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg für die Jugendkirche aufmerksam geworden, wo eine Nachfolge für Petra Englert, die bekanntlich nach Norddeutschland gewechselt ist, gesucht wurde -  und war von der Stellenbeschreibung  gleich angetan: „Ich habe dann gebetet und Gott um Rat gefragt.“

Nachweislich war das ein guter Rat, den er da bekommen hat, denn seit Oktober ist Maximilian Hoffmann nun gemeinsam mit Fabian Wecker für die Jugendkirche,  die es seit vierzehn Jahren in Soest gibt, verantwortlich. „Trotz aller Einschränkungen  haben wir schon jetzt unglaublich viel Spaß bei unserer gemeinsamen Arbeit“, macht Hoffmann deutlich, dass er seine Entscheidung noch nicht bereut hat.

Ein Grund dafür ist natürlich auch, dass er bei der Planung für die „neue Jugendkirche“ von Beginn an dabei ist. Die zieht nämlich in diesem Jahr noch von ihrem jetzigen Domizil am Ostenhellweg mitten in die Innenstadt.

Dort, wo noch bis vor zwei Jahren „Hoge“ Mode und mehr verkauft hat, wird spätestens ab Herbst die Jugendkirche ihr neues Zuhause haben. Aktuell konzipiert gerade Diane Böhringer, eine renommierte Innenarchitektin aus Berlin, wie das künftig aussehen kann. Hoffmann: „Das ist wahnsinnig spannend. Für die Jugendkirche ist das eine fantastische Sache. Wir sind künftig mitten in der Stadt und werden mit Sicherheit von der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen. Das wird eine unfassbar attraktive Location, die auf unsere gesamte Arbeit ausstrahlen wird.“

Und spätestens dann darf Maximilian Hoffmann auch die vielen Ideen aus dem Vorrat holen…

 

 

Maximilian Hoffmann ist seit Oktober in Soest und freut sich darüber, dass die Jugendkirche noch in diesem Jahr vom Ostenhellweg in die Innenstadt zieht. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Über zwanzig Jahre hat Hoge in diesem Geschäft, das zum Komplex des Kreiskirchenamtes gehört, Mode und Accessoires verkauft. Jetzt soll die Jugendkirche im Laufe des Jahres für neues Leben sorgen.

Das nennt man wohl Industrie-Design. Eine Berliner Innenarchitektin entwickelt aktuell Ideen, wie das neue Domizil der Jugendkirche aussehen kann.