Staub aus den Pfeifen gepustet

Erstellt am 12.02.2021

Orgel der Zwölf-Apostel-Kirche erstrahlt in neuem Glanz und überzeugt mit sauberem Klang

Friedrich Kampherm kann auf eine über vierzigjährige Erfahrung als Orgelbauer zurückblicken und hat sich auch der Körbecker Orgel, zu der auch zwölf Holzpfeifen gehören, mit größter Sorgfalt angenommen.

Von Hans-Albert Limbrock

KÖRBECKE – Er hat jede in der Hand gehabt; jede einzelne. Und das will was heißen. Immerhin sind es 366 Pfeifen, die zur Orgel in der kleinen Körbecker Zwölf-Apostel-Kapelle gehören. Aber Genauigkeit und gewissermaßen auch Detailversessenheit sind Teil seiner beruflichen DNA, denn Friedrich Kampherm ist das, was man einen Meister seines Fachs nennt – ein Orgelbau-Meister. Einer von der Sorte, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Das trifft auch auf Markus Wolf zu, ebenfalls Orgelbau-Meister.

Beide wissen aus vielen Jahren Erfahrung, dass man jede Orgel mit größtmöglichem Respekt behandeln muss – unabhängig davon, wie alt oder groß sie ist. Denn in jede Orgel haben die jeweiligen Erbauer all ihr Können, handwerkliches Geschick und in der Regel auch viel Liebe zum Detail gesteckt. Auch deshalb nennt man sie „die Königin der Instrumente“. Vor allem aber ist jede Kirchenorgel für sich ein Unikat, weil sie an den jeweiligen Klangraum Kirche ganz individuell angepasst werden musste.

Das gilt auch für die Orgel in Körbecke, die nun schon deutlich über 50 Jahre in der kleinen Kapelle, die unmittelbar am Seeufer liegt, erklingt. „Sie stammt wohl aus den 50er/60er Jahren“, weiß Kampherm. Für Experten ist sie eher nichts Besonderes, kann musikhistorisch natürlich nicht mit Instrumenten mithalten, die einige hundert Jahre auf den Pfeifen haben. Und doch, sind Kampherm und Wolf überzeugt, sie hat was. Kampherm. „Trotz ihrer Größe ist das ist eine richtige Pfeifenorgel mit erstaunlich vollem Klang.“

Für die Evangelische Kirchengemeinde hatte sich im letzten Jahr die Frage gestellt, ob es sich überhaupt noch lohne, das „alte Schätzchen“  noch einmal einer Generalüberholung zu unterziehen oder gegen eine moderne Variante auszutauschen.

Eine neue Pfeifenorgel war nicht zu finanzieren, einer elektronischen Orgel fehlte der Charme. Deshalb hatte man sich im Presbyterium entschieden, knapp 11.000 Euro für die Renovierung auszugeben. „Das Geld“, so Kampherm, „ist gut und sinnvoll investiert. Jetzt, wo sie wieder sauber und ausgebessert ist, hat sie gleich einen ganz anderen Klang. Das kann man mit einer elektronischen Orgel überhaupt nicht vergleichen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Für den recht kleinen Kirchenraum sei das Klangvolumen daher mehr als ausreichend.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Wolf hat Kampherm mit chirurgischer Präzision die Pfeifen ausgebaut und mit in die Werkstatt ins ostwestfälische Verl genommen. Jede einzelne musste aufwändig gereinigt werden. Wolf: „In den Pfeifen hatte sich dreißig Jahre lang Hausstaub angesammelt, der sich förmlich festgefressen hatte. Das waren zum Teil richtig dicke Schichten, die natürlich negativen Einfluss auf den Klang genommen haben.“ Mit Bürsten, Pressluft und dem „Zauberschwamm“ sind die Instrumententeile von der schmutzigen Last befreit und anschließend wieder eingebaut worden.

Zusätzlich mussten Bereiche des Holz-Gehäuses erneuert werden. Kampherm: „Auch dort gab es zum Teil erheblichen Renovierungsbedarf.“ Und schließlich waren auch noch Teile der Elektrik erneuerungsbedürftig.

Jetzt wartet die Kirchengemeinde natürlich darauf, dass sie das neue Klangerlebnis auch in einem Gottesdienst genießen darf. Spätestens, wenn die Corona-Bestimmungen dies zulassen werden, wird die neue, alte Orgel den Kirchenraum mit ihrem Klangvolumen füllen.

366 Pfeifen zählt die Orgel der Zwölf-Apostel-Kirche. Sie alle wurden ausgebaut und gereinigt. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Orgelbaumeister Markus Wolf: „Der Staub hatte sich regelrecht festgefressen.“

Infokasten

Seit vielen Jahrhunderten wird die Orgel in fast allen Kirchen als „Die Königin der Instrumente“ gespielt. Ob große Kathedrale oder kleine Dorfkirche – eine Orgel gehört in der Regel dazu. Klanglich bei Bedarf den ganzen Kirchenraum ausfüllend, meist auch optisch an hervorgehobener Stelle gilt die Orgel als das typische Kircheninstrument.

Orgeln wurden, nachdem sie im 13, Jahrhundert in den Kirchen Einzug hielten, im Laufe der Zeit immer größer und auch kunstvoller. Technisch ausgereift zeigte sich die Orgelbaukunst im Barock. Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden besonders prunkvolle Großinstrumente. Bis heute ist der Orgelbau ein aufwändiges Handwerk – daran haben auch technische Experimente und Weiterentwicklungen der letzten zwei Jahrhunderte nichts geändert. (Quelle: Prospekt der Firma  Kampherm)