Wenn Corona den Ton abdreht

Erstellt am 19.02.2021

Von Hans-Albert Limbrock

WICKEDE – Die Liste seiner Referenzen ist lang und liest sich wie das Who-is-Who des Internationalen Showgeschäfts, der  Wirtschaft und Politik: Herbert Grönemeyer, Deep Purple, Alice Cooper, Metallica, Rammstein, Udo Lindenberg, Nena, der BvB, Mercedes Benz, Volkswagen oder die Telekom, Angela Merkel ist dabei und auch Thomas Gottschalk und Boris Becker. Sie alle hat Ralf Burzan (53 Jahre) schon „verarztet“, wie er es nennt, wenn er dafür sorgt, dass Stars und Sternchen den richtigen Ton bei ihren Auftritten haben.

Seit 30 Jahren ist der gebürtige Schwerter in der Veranstaltungsbranche als selbstständiger Unternehmer tätig. Meister der Veranstaltungstechnik darf seit 20 Jahren auf seiner Visitenkarte stehen. In guten Zeiten, also jenen vor Corona, musste sich Burzan, der inzwischen in Wickede lebt, keine Gedanken über Aufträge machen. Im Gegenteil: Da konnte er entscheiden, ob er mit Nena auf Tour geht (was er sieben Jahre lang auch getan hat) oder doch lieber bei den Auftritten der Red Hot Chilly Peppers für den guten Ton sorgt. Oft hat beides geklappt. „Alles, was mit Ton zu tun hat, ist meins“, beschreibt Burzan sein Auftragsgebiet.

Aber seit Corona trifft das nur noch äußerst selten zu. Da der komplette Veranstaltungssektor auf Eis liegt, werden auch Ralf Burzan und seine Finger-Fertigkeiten an Mischpulten und Reglern nicht gebraucht: Keine Musicals, keine Parteitage oder Aktionärsversammlungen in großen Halle, keine Rock- und Popkonzerte: „Das ist schon ziemlich frustrierend. Für mich als selbstständiger Unternehmer wird es zunehmend schwieriger, mich über Wasser zu halten“, erklärt Burzan, der von sich selbst sagt, dass ihn vor allem große Herausforderungen reizen: „Je schwieriger ein Raum zu beschallen ist, umso mehr spornt mich das an.“

Das war zum Beispiel im Hamburger Michel so, den sich die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ für eine Tagung ausgesucht hatte. „Nach der Veranstaltung hat man mir gesagt, dass es endlich mal mit dem Ton geklappt hat; so etwas macht einen natürlich stolz“, erinnert sich Burzan gerne zurück. Hamburg war dabei nur eine von vielen Stationen in den vergangenen Jahren. Wer in der Veranstaltungsbranche arbeitet, kommt viel „rum“, wie man landläufig sagt. Von seinem Betrieb in Schwerte aus hat er halb Europa bereist: Stockholm, Monaco, Brüssel, St. Petersburg – die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Die Hoffnung, dass die alten Zeiten zurückkehren, ist natürlich da; die gibt der Wickeder auch nicht auf, selbst wenn da Zweifel bleiben: „Ob es jemals wieder so wird wie vorher? Wer weiß das schon?“ Aber bis es soweit ist, dass die Superstars wieder große Hallen füllen und Burzan dann buchstäblich wieder „am (Ton)Rad dreht“, bleibt ihm aber immerhin ein anderes – wenngleich auch eher überschaubares - Betätigungsfeld.

Seit einiger Zeit ist der Veranstaltungsmeister nämlich schon für die Evangelische Kirche aktiv. Angefangen hat es vor wenigen Jahren, als er die Technik der Synode gesteuert und das auch bei den folgenden Synoden übernommen hat.

In der Gemeinde Wickede hat er in den letzten zwölf Monaten zudem Pfarrer Dr. Christian Klein und sein engagiertes Team bei der Entwicklung digitaler Formate erfolgreich unterstützt. Das liegt auch daran, dass seine Lebensgefährtin Eva Berneis in der Gemeinde als Prädikantin aktiv ist und ebenfalls zum Digital-Team gehört:  „Das hat sich inzwischen ganz gut entwickelt“, freut sich Burzan, dass Corona ihm auch die ein oder andere Chance bietet, die es ohne Pandemie so vermutlich nicht gegeben hätte.

Inzwischen hat er sich auch die für das Digital-Format nötigen Kenntnisse über Video und Licht „drauf gepackt“: „Ton konnte ich ja vorher schon. Auch hier, in diesem für mich recht neuen Bereich gilt: Man lernt aus Fehlern; es wird zunehmend besser.“ Die guten Clickzahlen, die die Kirchengemeinde registriert, sind ein Beleg dafür, dass diese vergleichsweise neue Art der Verkündigung bei den Gläubigen ankommt.

Inzwischen sind auch andere Kirchengemeinden auf Ralf Burzan aufmerksam geworden und lassen sich durch seine Expertise und sein in vielen Jahren  erworbenes Knowhow unterstützen. Ein Ersatz für die vielen Veranstaltungen in der „Vor-Corona-Zeit“ ist das natürlich nicht. Aber besser als nichts. Vor allem aber ist es das Gefühl, „gebraucht zu werden“, das in diesen, für so viele Menschen schwierigen Zeiten nicht zu unterschätzen ist.

Ralf Burzan in seinem Element: Das Foto zeigt den Meister der Veranstaltungstechnik bei den Vorbereitungen zu einem Konzert von Udo Lindenberg.

Die Kirchengemeinde Wickede hat inzwischen für ihre digitalen Formate so etwas wie ein eigenes Studio eingerichtet.