Einfach am richtigen Platz

Erstellt am 07.05.2021

Als dreifacher Familienvater hat Tobias Eikel natürlich einen Bezug zur Arbeit in den Kindertagesstätten. Das hat er jetzt als Geschäftsführer des Kindergartenverbundes im Kirchenkreis Soest-Arnsberg zum Beruf gemacht. Fotos: Eva Eikel

 

Von Hans-Albert Limbrock

SOEST/ARNSBERG – Manchmal fügen sich die Dinge einfach. Dann kommt zusammen, was auf den ersten Blick vielleicht gar nicht zusammenpasst: Auf der einen Seite der erfolgreiche Personalberater und Web-Entwickler. Einer, der gelernt hat, Probleme anzupacken und Lösungen nicht auf die lange Bank zu schieben. Und auf der anderen Seite die dreißig Kindertagestätten des Evangelischen Kirchenkreises mit über 1000 Kindern, die von mehreren Hundert Erzieherinnen (und einigen wenigen Erziehern) betreut werden.

Bis Tobias Eikel (45 Jahre) vor knapp einem halben Jahr auf die Stellenanzeige des Kirchenkreises aufmerksam wurde, war er beruflich in einer völlig anderen Welt unterwegs. Nach dem Abitur hat er zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht. Danach bei einem erfolgreichen Modelabel gearbeitet. Dann aber doch noch Jura studiert, nach ein paar Semestern zu BWL gewechselt  und nebenbei bei Gerry Weber gejobbt, wo er zum inneren Zirkel des Teams gehört hat, das alljährlich Deutschlands wichtigstes Tennis-Turnier organisiert hat: Die Gerry-Weber-Open im ostwestfälischen Halle. Dort haben sich in den letzten fast dreißig Jahren regelmäßig die Größen der Tenniswelt duelliert. Boris Becker hat hier in der 90er Jahren aufgeschlagen, Rekordsieger Roger Federer gehört inzwischen schon fast zum Inventar.

„War eine schöne und superspannende Zeit“, blickt Tobias Eikel auf die vielen Jahre in Halle zurück. Als 2013 dann  Zwillinge geboren wurden, hat es ihn und seine Frau nach Soest zurückgezogen: „Hier sind meine Wurzeln, hier fühle ich mich einfach zuhause.“ Als Personalberater und Internetseiten-Entwickler hat er sich in der Bördestadt selbstständig gemacht, während seine Frau als Lehrerin an der Soester Sekundarschule arbeitet.

„Als die Kinder dann in den Regenbogen-Kindergarten gekommen sind“, so Eikel, „habe ich mich dort sofort im Eltern-Beirat engagiert. Ich wollte  einfach wissen, was passiert in solch einer Einrichtung; schließlich geht es um unsere Kinder.“ Im Jugendhilfeausschuss der Stadt Soest hat er zudem politische Erfahrungen gesammelt. Erfahrungen, die seinem Naturell entsprechen, ihn schon immer geprägt haben: „Ich mag Beziehungen zu anderen Menschen und das menschliche Miteinander. Das darf durchaus auch mal kontrovers sein.“

Das war und ist es letztlich auch, was ihn so an dieser Stelle bei der Evangelischen Kirche gereizt hat: „Es ist die Kombination aus dem, was ich kann und wofür ich stehe, und gleichzeitig bietet es mir die Möglichkeit, mich für das Wohl von Kindern einzusetzen und dabei meine Fähigkeiten möglichst breit gefächert einzubringen.“

Der berühmte Sprung ins kalte Wasser bereitet ihm dabei keine Sorgen, dafür sieht er sich bestens gerüstet. Dennoch hat er auch gehörigen Respekt vor der Aufgabe, schließlich ist der Kita-Verbund des Kirchenkreises über ein enorm großes Gebiet verteilt; von Soest nach  Marsberg fährt man mal nicht so eben in einer halben Stunde: „In den ersten Wochen werde ich sicher viele Gespräche führen und Kontakte knüpfen müssen.“

Dass er sich in seinem neuen Aufgabengebiet nahezu in einer reinen „Frauenwelt“ (der Frauenanteil beträgt 80 Prozent) bewegt, ist für Tobias Eikel kein Problem: „Nein, warum sollte es das auch? Wir haben ja alle ein gemeinsames Ziel: Das Wohl der Kinder. Außerdem kenne ich das schon aus meiner  Zeit in der Modebranche, auch da war der Frauenanteil deutlich höher.“

Einen Einblick, wie sehr die Pandemie auch die Kitas belastet, hat er als Familienvater in den letzten Monaten schon hautnah erhalten und zeigt sich tief beeindruckt von der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher: „Davor kann man nur den Hut ziehen. Es ist einfach toll, was unsere Kindertagestätten auch in dieser schwierigen Zeit für eine herausragende Arbeit leisten.“

Für ihn steht daher fest, dass er seinen Traumjob gefunden hat: „Ich freue mich extrem auf meine neue Aufgabe. Das macht mir schon jetzt sehr viel Spaß. Es ist eine absolut sinnstiftende Arbeit. Was kann es Schöneres geben?“

 

 

Tobias Eikel, Geschäftsführer des Kindergartenverbundes Soest-Arnsberg.