Voller Klang durch Rückgriff auf Bewährtes

Erstellt am 04.06.2021

 

Von Hans-Albert Limbrock

ARNBERG – Markus Krawinkel bringt die Dinge gerne auf den Punkt: Kurz. Präzise. Knapp. „Das ist Kappeskram“, urteilt der erfahrene Orgelbau-Meister. Dieser „Kappeskram“ ist einem Trend im Orgelbau aus den 70er Jahren geschuldet. Damals griff man lieber zu Plastik oder Metall statt sich der Materialien zu bedienen, die die Orgelbauer über Jahrhunderte bevorzugt hatten. „Die Orgel hier in Arnsberg“, so Krawinkel , „ist von 1968. Die Bauweise spiegelt die Trends der damaligen Zeit wider. Deshalb sind die entsprechenden Materialien verbaut worden.“

Bei der jetzigen Restaurierung und Sanierung hat der Fachmann auf Bewährtes zurückgegriffen. „Wir haben jetzt wieder Leder und Eiche verarbeitet. Wie wir überhaupt nach Möglichkeit Massivholz verwenden und sehr viel Wert auf Holzarbeit legen.“  Das ist natürlich etwas teurer, trägt aber auch zu einer längeren Lebensdauer bei und macht sich auch im Klang bemerkbar.

Bereits vor knapp zwei  Jahren hat der Handwerksbetrieb, der in Trendelburg (Hofgeismar/Hessen) beheimatet ist, die Orgel fachgerecht ausgebaut, in ihre Einzelteile zerlegt und in die heimischen Werkstätten verfrachtet. 1558 Pfeifen wurden gereinigt und – wenn nötig – repariert. Jetzt wird alles in der Arnsberger Auferstehungskirche peu à peu wieder zusammengesetzt. Vermutlich im Spätsommer wird die Orgel dann erstmals wieder erklingen.

Zum neuen Klangbild wird dann auch beitragen, dass das Instrument ein gutes Stück nach vorne gezogen wurde, dadurch kann sich der Klang künftig besser entfalten. Kranwinkel: „Wir werden die Orgel um etwa drei bis vier Meter nach vorne ziehen.“

46.000 Euro lässt sich die Kirchengemeinde die Sanierung kosten. Ein neues Instrument wäre ungleich teurer geworden. „Wenn man davon ausgeht, dass auch die neue Orgel wieder 24 Register hätte haben sollen, wären wir bei 384.000 Euro, denn pro Register rechnet man 16.000 Euro“, rechnet Kranwinkel hoch.

Der Betrieb in Kurhessen-Waldeck sieht sich selbst in der Tradition der „alten“ Orgelbau-Handwerker: „Unsere Arbeit leisten wir bewusst auf der Grundlage dieser über einen Zeitraum mehrerer Jahrhunderte bewährten handwerklichen Tradition, ohne jedoch auch die technischen Hilfsmittel der gegenwärtigen Zeit zu verzichten.“

Zum Unternehmen gehören drei Meister, drei Gesellen und drei Lehrlinge. „Wir machen praktisch alles, was der Sektor hergibt – vom Neubau bis hin zu Restaurierung und Sanierung“, beschreibt Markus Kranwinkel das Geschäftsfeld seiner Firma, die er vor sechs Jahren von seinem Vater Elmar Krawinkel übernommen hat.

Das Ziel des Restaurators, so ist es auf der Web-Seite formuliert, sei die Erhaltung eines jeden Werks, das für seine Zeit, seine Landschaft , seinen Erbauer charakteristisch ist oder in einem bedeutenden musikhistorischen Zusammenhang steht: „Eine Orgel als Klang-Denkmal einer Epoche legt Zeugnis ab vom Klangempfinden, von der Fertigungspraxis und von dem künstlerischen und handwerklichen Können der Orgelbauer.“

Die Firmenphilosophie ist dabei gekennzeichnet vom Respekt vor der Tradition der überlieferten Handwerkskunst: „Aus dem Wissen um das Können der alten Meister schöpfen wir entscheidende Impulse für den zeitgenössischen Orgelbau. Nur im Bewahren der Orgel-Denkmale und durch ein nachvollziehendes Studium kann dauerhafte Qualität für die Zukunft gesichert werden.“

 

 

Markus Krawinkel aus dem hessischen Trendelburg ist Orgelbauer aus Passion. Vor sechs Jahren hat er den traditionsreichen Betrieb von seinem Vater übernommen. Fotos: Hans-Albert Limbrock

1558 Pfeifen gehören zur Orgel der Auferstehungskirche in Arnsberg. Dieter Schnarr präsentiert eine davon.