Ein Kirchentag direkt vor der Haustür - Hunderte werden sich aus dem Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg auf den Weg nach Dortmund machen

Von Hans-Albert Limbrock

Soest/Dortmund. Näher wird er nicht mehr kommen – der Evangelische Kirchentag. Mit dem Standort Dortmund findet das Großereignis, das am 19. Juni beginnt und mit einem großen Abschlussgottesdienst mit 60.000 Menschen im Signal-Iduna-Park am 23. Juni endet, praktisch vor der Haustür statt. Wohl auch deshalb werden sich Hunderte aus dem Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg auf den Weg in die Ruhrgebiet-Metropole machen, um gemeinsam das Kirchentags-Motto „Was für ein Vertrauen“ zu leben und zu erleben.

Vor allem beim „Abend der Begegnung“ am Mittwoch, 19. Juni, sind evangelische Christen aus der Region stark vertreten. Unter den über 300 Ständen, mit denen sich die Menschen aus Westfalen als gute Gastgeber präsentieren wollen, sind auch zwanzig aus dem hiesigen Kirchenkreis.  In erster Linie mit kulinarischen Spezialitäten aus der Region will man die vielen Besucher – es werden über 200.000 zu diesem Fest erwartet – begeistern. So bietet zum Beispiel das „Leuchtfeuer-Projekt“ an der Wiesenkirche ein spezielles Abendmahl an – deftige Muffins aus Bierteig gefüllt mit Speck. Mit dabei ist auch die Jugendkirche, die in ihrem bekannten Stand „Katerfrei“ alkoholfreie Cocktails ausschenkt.

Zu finden sind die Stände, die alle einem typischen Ruhrpott-Kiosk nachempfunden sind, in der Kleppingstraße, U-Bahn-Station:Stadtgarten. „Die Kirchengemeinden sind bereits seit Monaten intensiv mit den Vorbereitungen beschäftigt“, erklärt Thomas Jäger von der Jugendkirche. Vor allem logistisch und kalkulatorisch ist der „Abend der Begegnung“ eine echte Herausforderung.

So schmiert allein die Kirchengemeinde Lippstadt-Benninghaus über 1000 Stullen mit einem vegetarischen Brotaufstrich. 600 Flaschen Apfelsaft und Möhnetrunk werden im gemeinsamen Stand der Kirchengemeinden Möhnesee, Bad Sassendorf und der Reformierten „gebunkert“. Ein ähnlich großes Kontingent an Apfelsaft bringt die Kirchengemeinde Niederbörde mit nach Dortmund. Die "Köchelnden Kerle" aus Brilon servieren Briloner Waldschnecken und Püfferkes.  „Es ist schon toll, wie viele Menschen aus unserer Region sich engagieren“, freut sich Thomas Jäger über die gute Resonanz.

Jäger ist so etwas wie der „Mister Kirchentag“ im Kirchenkreis Soest-Arnsberg. Dortmund  wird sein 20. Kirchentag sein, den er besucht: „Zum ersten Mal war ich 1979 in Nürnberg dabei. Seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen. Es fasziniert mich immer wieder, wie sich Menschen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Glaubensvorstellungen aufeinander einlassen und im christlich motivierten Engagement für eine bessere Welt zusammenfinden und um tragfähige Lösungen ringen.“

Besonders präsent und für ihn auch prägend war für Jäger in diesem Sinne die Veranstaltung 1981 in Hamburg: „Das war ein hochpolitischer Kirchentag, von dem klare Signale aus gegangen sind.“ Damals hat sich die Evangelische Kirche klar und deutlich gegen das Wettrüsten der Supermächte USA und Sowjetunion und der Stationierung von Raketen mit Atomsprengkräften in Europa positioniert.

„Ich glaube, dass solche politischen Positionen ein ganz wichtiger Punkt für den Kirchentag sein können. Das hat es in den letzten Jahren in dieser Deutlichkeit aber leider nicht mehr oder nur sehr wenig gegeben“, bedauert Jäger und ergänzt: „Vielleicht setzt der Dortmunder Kirchentag aber wieder ein klares Zeichen – zum Beispiel in der Frage der Flüchtlingspolitik. Ich bin davon überzeugt, dass klare gesellschaftspolitische Positionen uns als Kirche guttun.“

Zu den besonders aktiven Gruppen auf dem Kirchentag gehört auch das Team der Jugendkirche um Petra Englert und Fabian Wecker. Im „Zentrum Jugend“ am Fredenbaumplatz in der Dortmunder Nordstadt ist die JuKi an allen fünf Tagen mit einem eigenen Stand vertreten. Unter anderem gibt es dort eine Candy-Bar und Crush-Eis.

Im Blickpunkt dürfte aber besonders der Gottesdienst „Lass mal (Gott) machen“ am Freitag, 21. Juni, um 16 Uhr stehen, bei dem auch die HUGO-Band auftreten wird: „Dafür haben wir uns so einiges einfallen lassen. Ich glaube, das wird eine tolle Sache“, freut sich Petra Englert, die auch predigen wird, auf den Gottesdienst, an dem 2000 Menschen teilnehmen können. Unter anderem wird es dabei eine Handy-Umfrage zur Frage „Was ist für Dich Vertrauen?“ geben.
Die Jugendband Heaven Electrixx aus Meschede tritt am Samstag, 22. Juni mit "Verrockten Bibelgeschichten" im Zentrum Kinder auf.

Die Diakonie Ruhr-Hellweg beteiligt sich am "Forum Diakonie" und hat einen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten, beides in der Halle 6, Bereich Westfalenhallen.

Ein echter Kirchentagsprofi: Thomas Jäger, der in Dortmund zum 20. Mal bei einem Kirchentag dabei sein wird. Foto: Hans-Albert Limbrock

Organisator Udo Sedlaczek und seine Kollegin Regina Blöink zeigen Eiskratzer und Herzen. Am Kirchentags-Infostand der Diakonie Ruhr-Hellweg werden diese eine wichtige Rolle spielen. Foto: drh/Tobias Schneider