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Ein Gottesdienst für den Würdekönig
15.1.2026
Thomas Haugwitz und Roswitha Keune haben mit Spendengeldern Figuren gekauft

Von Hans-Albert Limbrock
Brilon. Es ist dies der vielleicht wichtigste Passus im Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Nicht umsonst ist die Formulierung, die in Artikel 1 Absatz 1 steht, mit einer sogenannten Ewigkeitsklausel versehen. Das bedeutet, dass ihr Inhalt nicht verändert oder abgeschafft werden darf. Dass die Realität eine andere und die Würde des Menschen leider auch in Deutschland nicht immer unantastbar ist, ist eine andere Geschichte.
Für das Briloner Ehepaar Thomas Haugwitz und Roswitha Keune aber ist die Formulierung im Grundgesetz ein ganz wichtiger Pfeiler in ihrem christlich geprägten Leben und Wirken. Wohl auch deshalb war Haugwitz gleich bei der ersten Begegnung mit dem Würdekönig in die Holzfigur schockverliebt: „Ich habe sofort gespürt, damit muss Du etwas machen; irgendwas muss und wird mit diesen Figuren passieren.“
Der Bonner Künstler Ralf Knoblauch ist Diakon und Holzbildhauer und erarbeitet die knapp vierzig Zentimeter großen Figuren aus alten Fachwerkbalken, die meist eine ganz eigene Geschichte zu erzählen und oft mehrere Jahrhunderte auf dem hölzernen Buckel haben. „Die Skulpturen möchten berühren und an die jedem Menschen innewohnende Königswürde erinnern – und daran, dass wir Menschen füreinander da sein sollen“, beschreibt Knoblauch sein Projekt auf seiner Homepage. Und weiter: „Sie leisten so einen Beitrag zu einer bunten und von Wertschätzung geprägten Gesellschaft.“
Haugwitz und Kleine sind den Figuren erstmals auf einem Hospiz-Vortrag in Paderborn begegnet. Da hatten sie bereits erfolgreich an einem Qualifizierungskurs für ambulante Hospizarbeit teilgenommen. „Wir haben“, so Haugwitz, „bei dieser oft schweren Herausforderung inzwischen unendlich viel Positives erlebt und erfahren diese Aufgabe immer wieder als ein großes Geschenk, das unser Leben bereichert.“
Durch den ambulanten Hospizdienst hat das Briloner Ehepaar auch Kontakt zum Pflegefachzentrum „Haus Oase“ in Brilon-Gudenhagen bekommen, in dem Wachkomapatienten – in der Einrichtung Bewohner genannt – betreut werden. Bei seiner ersten eigenständigen Begleitung eines Bewohners hat Thomas Haugwitz dann den Würdekönig eingesetzt und war tief berührt, dass das Berühren der Holzfigur bei dem Mann offenbar tiefe Emotionen ausgelöst hat, obwohl er diese nicht artikulieren konnte: „Man kann auch ohne Sprache miteinander kommunizieren“, so Haugwitz.
Archaische Ausstrahlung berührt die Menschen
Spätestens da stand für ihn und Roswitha Keune fest, dass der Kauf der Figuren – neben dem Würdekönig gibt es auch eine Würdekönigin – eine richtige Entscheidung war. Haugwitz: „Dass wir die Figuren kaufen konnten, haben wir zahlreichen Spendern und Spenderinnen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zu verdanken. Dafür sind wir unendlich dankbar.“
Seit Anfang November ist das hölzerne Königspaar nun ständiger Begleiter bei den verschiedensten „Einsätzen“, vor allem aber bei der Trauerbegleitung. „Das sind teilweise faszinierende Erlebnisse“, erklärt Haugwitz und ergänzt: „Das Würdekönigspaar macht keine großen Worte. Es ist einfach da, wirkt durch seine schlichte, fast schon archaische Ausstrahlung, berührt die Menschen.“
Das liege auch daran, dass der Würdekönig nur einen Arm habe und die Krone zu seinen Füßen liege und so die Unvollkommenheit des Menschen symbolisiert werde. Haugwitz: „Das schafft immer wieder Redeanlässe, was gerade in Momenten großer Trauer und Sprachlosigkeit oft sehr hilfreich sein kann.“
Begrüßung für
das Königspaar
Das Würdekönigspaar wird am Sonntag, 1. Februar, um 10 Uhr in der Stadtkirche Brilon begrüßt. Daran werden auch Vertreterinnen und Vertreter der Presbyterien aus den drei Kirchengemeinden der Region 8 teilnehmen. Sie werden Grußworte an das Königspaar richten und unter anderem die Frage beantworten, was für sie wichtige Aspekte der Menschenwürde sind. Teilnehmen wird auch Dr. Ahmet Arslan, der Dialogbeauftragte der muslimischen Gemeinden. Er wird Suren aus dem Koran vortragen, die sich mit der Thematik der Menschenwürde beschäftigen. Haugwitz: „Es wird ein bunter und lebhafter Gottesdienst. Ganz so, wie es ein Königspaar verdient.“ Nach dem Gottesdienst besteht Gelegenheit, beim Kirchcafe miteinander ins Gespräch zu kommen.“
