Nachrichten
Orgelkonzert der Extraklasse
16.7.2026
Abba, Queen und Harry Potter in Lippstädter Marienkirche

Von Steffen Kemper
Lippstadt. Die Sommersonne neigt sich dem Horizont entgegen. Ihre Strahlen fallen tief in die Marienkirche hinein, wo sie durch die bunten Fenster Farbspektakel veranstalten. Das Kirchenschiff ist voll besetzt. Aufgeregtes Murmeln wiegt durch die Kirchenbänke. Alle blicken gespannt zur großen Leinwand vor dem Altar, auf welcher das Programm zu lesen ist
.
Dann endlich ist es soweit: Kantor Roger Bretthauer begrüßt die Gäste in der Marienkirche zum Orgelkonzert „Abba, Queen und Harry Potter“. Das Konzert, welches im Zusammenhang der Orgelrenovierung stattfindet, spielt Michael Schütz. Der 1963 geborene Organist ist Beauftragter für Popularmusik der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, hatte u. a. bis 2021 einen Lehrauftrag für Popularmusik an der Universität der Künste zu Berlin und spielt an vielen Kirchenorgeln in Deutschland und darüber hinaus Klassiker aus Pop-, Rock- und Filmmusik.
Schütz beginnt zu spielen. Thank you for the Music von Abba. Die Kirche ist erfüllt von einzigartigen Klängen: Schütz gelingt es, der majestätischen Orgel leichte Melodien ebenso zart zu entlocken wie später bei Filmusiken (z. B. Hedwigs Theme aus Harry Potter) eine mystische, den ganzen Kirchraum ergreifende Atmosphäre zu erschaffen.
Mit Leichtigkeit führt Schütz selbst durch den Abend. Immer mal wieder wendet er sich direkt an sein Publikum. Mal, um eine Geschichte zu einem Liedstück zu erzählen, mal, um eine Erinnerung oder eine Assoziation zu erwecken, oder aber auch mal, um dem Publikum die Raffinesse einiger Stücke und ihrer musikalischen Eigenschaften aufzuzeigen.
Ermöglicht wird dies durch eine am Orgeltisch angebrachte Kamerainstallation, die dem Publikum einen bislang unbekannten Einblick in das Spielgeschehen ermöglicht. So gibt es für die Zuhörer drei verschiedene Perspektiven: Eine von der Seite, die Schütz beim Spielen im Profil zeigt. Die zweite von oben herab, den Spieltisch filmend. Und die dritte Perspektive zeigt die Pedale der Orgel und offenbart damit Schütz‘ unglaubliche Beinarbeit während des Spielens.
Lied für Lied steigert sich das Spiel des Organisten. Begonnen bei Abba nimmt das Konzert mit Smoke on the Water von Deep Purple so richtig an Fahrt auf, bis es schließlich mit Hey Jude von den Beatles die Sektion der Rockmusik erreicht hat. Die Melodien sind einschlägig, deshalb macht es auch so viel Spaß, dem Konzert zu lauschen: Bei jedem Stück würde man am liebsten mitsingen. Und doch gelingt es Schütz, allen Liedern etwas Neues zu entlocken, ohne sie zu verfälschen. Die Verbindung aus den bekannten Melodien und der Kirchenorgel schafft Innovation im Gutbekanntem.
Seinen fulminanten Höhepunkt findet das Konzert nach eineinhalb Stunden mit Filmmusiken aus Harry Potter, Game of Thrones und Pirates Of The Caribbean. Bei diesen Stücken wurden bei vielen sichtlich Erinnerungen wach – manche meinten gar, die Version von Schütz sei besser als die im jeweiligen Film.
Zum Abschluss spielt Michael Schütz Music was my first Love von John Miles. Das Publikum ist vor Aufregung, Rührung und Bewunderung ganz gespannt und geht voll mit. Dann ertönt der Schlussakkord, der Hall der Orgel verklingt im Kirchenschiff. Tosender Applaus brandet auf, Schütz nimmt unten vor der Leinwand Standing Ovations entgegen.
Das Konzert ist zu Ende, einige verlassen die Marienkirche, andere bleiben noch einen Moment, um der Musik nachzuspüren – oder aber, um mit Michael Schütz selbst ins Gespräch zu kommen. Der Musiker ist gerne bereit, noch etwas zu plaudern. Nebenbei verteilt er seine heißbegehrten CDs – sein Orgelkonzert für zu Hause.
Zu guter Letzt noch eine Schlussbemerkung: Organist, Mitarbeitende bzw. ehrenamtlich Helfende und vor allem das Publikum waren begeistert. Es war ein absolut gelungenes Konzert und ein wundervoller Abend.
