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Verabschiedung mit ganz viel ABBA
16.7.2026
Pfarrerin Gabi Hirsch aus Sundern wechselt in Kirchengemeinde Neheim

Von Frank Albrecht
Sundern. Vor der Lukaskirche in Sundern sind es über 30 Grad und auch in der Kirche geht es heiß her: Die zweite Auflage des „etwas lockeren Gottesdienstes“, wie Pfarrer Martin Vogt sein gut laufendes Konzept nennt, bringt nach nur fünf Monaten erneut die schwedische Band „ABBA“ mit ihren Liedern in das Sunderner Gotteshaus.
Unter dem Motto „Play it again“ sind hitzebedingt diesmal nicht ganz so viele Gäste gekommen, aber noch genug, um bei den bekannten Liedern für Stimmung beim Mitsingen zu sorgen. Schon fast wie bei einer guten Tradition, liegen wieder die mehrfarbigen und aufwändigen Liedhefte auf den Stühlen und an der Kirchenwand sorgen ausgewählte Bilder von den Platten-Covern bekannter LPs für eine passende Einstimmung.
„Schön, dass Sie sich nicht von der Wärme abhalten lassen“, freute sich der Hausherr über den Besuch und scherzte, wie man es von ihm kennt: „Der Gottesdienst ist eine Premiere, weil er eine Wiederholung ist“, lachte Vogt und erklärte, dass die gleichen Lieder gespielt würden wie im Februar, bei der wirklichen Premiere des ABBA-Gottesdiensts.
Die Begründung wird auch gleich mitgeliefert – Pfarrerin Gabi Hirsch habe sich die Lieder von ABBA zu ihrem Abschied aus Sundern und dem Gang nach Neheim gewünscht. Dort, so Vogt weiter, fülle sie künftig eine ganze Pfarrstelle und folge dem gerade erst in den Ruhestand verabschiedeten Dr. Udo Arnoldi.
Längst schon warein der Liedhefte kunstvoll zu Fächern gefaltet worden, die ihren kühlenden Dienst taten. „Bitte keine Klagen wegen der Wärme“, schmunzelte Pfarrer Vogt in die Runde, „Sie müssen ja bei dem Wetter keinen Talar tragen!“ Und noch bevor das erste Lied der Band vom Band ertönte, gab es den mahnenden Hinweis, dass die Hitze nicht vom Mitsingen befreie.
Noch zurückhaltend war die Beteiligung beim Lied „S.O.S.“, das sich aber im Verlaufe des Gottesdienstes stetig steigerte. Dafür wurde von vielen zum Lied munter mitgewippt und Pfarrerin Gabi Hirsch erklärte die Liedzeilen, die von zwei Menschen handeln, die in einem Beziehungskonflikt stecken. „Auch unsere Beziehung zu Gott wird immer wieder in Frage gestellt, und bei Krankheit oder Verlust fragen wir häufig: Wo bist du Gott?“, sagte sie. Und trotzdem, munterte sie auf – man solle seine Fragen weiter an Gott senden.
Von einer Welt, die aus den Fugen geraten sei, von dem Recht der Stärkeren und dem Gefühl, das Ungerechtigkeit sich durchsetzt, handelte schon das nächste Lied – „The Winner Takes It All“. Diesmal wurde der Song von Pfarrer Vogt live auf der Gitarre gespielt und mitgesungen. Im Songtext geht es um eine Frau, die ihren Mann an eine andere verloren hat – das Lied stimme ihn stets traurig, sagte Pfarrer Vogt. Es sei nicht in Ordnung, aber man könne auch nichts tun, so der Pfarrer. Außer seine Sorgen bei Gott abzulagern. Gott könne zeigen, dass das Leben mehr als ein ewiges Hamsterrad sei. Wie es sich in einem ABBA-Lied anhört, wenn die eigene Zufriedenheit mit dem Leben dann wieder im Vordergrund steht, davon handelt das Lied „Super Trooper“, das von Pfarrer Vogt an der Gitarre und Irene Richter am Flügel begleitet wurde.
Spontanapplaus in der Kirche und die Worte von Gabi Hirsch zu dem, was alles möglich wird, wenn Gott in der Nähe ist. „Du bis da, und es hilft gewaltig“, beschrieb die scheidende Pfarrerin. Dies zu wissen sei eine großartige Kraftquelle für die Menschen. Gott sei sich zudem nicht zu schade für die Sorgen der Menschen und seine Nähe gelte allen. Pfarrerin Hirsch las dazu den Text „Da sein!“ von Susanne Niemeyer und gab die Beschreibung von Jesus und seinen guten Taten für die Menschen weiter.
Bei den ersten Tönen vom Band musste der nächste ABBA-Song gar nicht erst angesagt werden – jeder kennt „Dancing Queen“ und vor allem der Refrain wurde von den Anwesenden inzwischen sehr stark gesungen. Dass der Song das Gefühl vermittele „Heute ist dein Tag!“, erklärte Pfarrer Vogt zum Lied. Die Zusage Gottes für die Unterstützung der Menschen sei aber zeitlich unbegrenzt und Gott gegenüber müsse der Mensch auch gar nichts leisten, um geliebt zu werden. „Gott sieht auch so Positives und Schönes im Menschen“, beschrieb der Pfarrer. Und gerade diese Zusage von Liebe und Wertschätzung gelte für jeden Menschen.
Noch ein Lied, dann war die Gemeinde auch schon beim gesungenen Vater Unser – das Lied „Bist zu uns wie ein Vater“ leitete schon das Ende des zweiten ABBA-Gottesdienstes ein. Eine Beschreibung des Liedtextes und die passenden Fürbitten von Gabi Hirsch – dann war es doch so weit: Pfarrer Vogt machte den Abschied seiner Kollegin aus Sundern zum Thema.
Dass sie die Gemeinde in Sundern geprägt und der Umgang mit ihr stets von einem kreativen Austausch gelebt habe. „Du bis die beste Pfarrerin, die in Sundern gewirkt hat“, lobte Pfarrer Vogt. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Presbyteriums, Roland Harpeng, wurden auch noch Blumen und eine Karte mit dem Dank überreicht – und in der Gemeinde langanhaltend und laut applaudiert.
„Thank You For The Musik”, mit dem Lied sollte nach rund neunzig Minuten Schluss sein, aber nach dem Dank an die vielen Helferinnen und Helfer in der Vorbereitung bot Pfarrer Martin Vogt noch eine Zugabe an, die gerne genommen wurde: Zum Abschied von allem wurde das Lied „Super Trooper“ mit viel Klatschen aus dem Publikum begleitet, bevor ein Empfang zur Verabschiedung die gute Gelegenheit zum Austausch bot. Und wer die besonderen Gottesdienste mit Musik mag, darf sich schon freuen – beim nächsten Mal werden Lieder aus den 80-er Jahren gespielt.

