Nachrichten

Aus vier wird künftig eins

10.9.2026

Kirchengemeinden in Soest, Meiningsen, Ostönnen auf dem Weg zur Fusion

Gemeinde muss neu gedacht werden! Pfarrer Stefan Weyer (Emmaus) stellte die geplanten Neuerungen vor. Fotos: Heike Köppelmann

Von Heike Köppelmann

 

Soest. Aus vier mach eins. Die Evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Soest und in den Dörfern Meiningsen und Ostönnen stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Mit dem Glockenschlag zwölf beginnt in der Nacht zum 1. Januar 2027 voraussichtlich ein neues Kapitel. Mit der Fusion steht dann für alle der Name „Evangelische Kirchengemeinde Soest“ auf dem Siegel.

 

Der Raum wird größer – bei schrumpfenden Mitgliederzahlen und sinkenden Einnahmen eine Vernunftsentscheidung, die aber nach Wunsch vieler der am aufwendigen Vereinigungsprozess Beteiligten zur Herzenssache werden soll. Es geht darum, die Kräfte zu bündeln. Gemeinsam lässt sich oft leichter meistern, was allein nicht zu schaffen ist.

 

Klar ist aber auch: Ein Zusammenschluss, hinter dem viel mehr steckt als ein formaler bürokratischer Akt mit administrativer Bündelung, bewegt die Menschen und löst emotionale Reaktionen aus, die von gedämpfter Abschiedsstimmung bis hin zur Zuversicht im Blick auf neue Chancen reichen.

 

Petri-Pauli, Emmaus in Soest, Matthias in Meiningsen, Andreas in Ostönnen gehen bald zusammen, das ist der Weg, „dessen Zielgerade wir jetzt erreicht haben“, wie es der Seelsorger Stefan Weyer formulierte. Er begrüßte nach einem gut besuchten Gottesdienst rund einhundert Teilnehmer zu einer Gesprächsrunde im Gemeindehaus an der Johannes-Kirche, wobei allein schon die rege Resonanz für eine sehr interessierte und aktive Gemeinschaft steht.

 

Solche Infoveranstaltungen sieht das mehrstufige Verfahren im Sinne einer offenen Kommunikation vor. In allen beteiligten Gemeinden lädt das jeweilige Presbyterium zu Versammlungen ein, auf denen die Pläne vorgestellt werden.

 

Früher hieß es einmal: eine Kirche, ein Pastor, ein Sprengel. Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Was kommt auf uns zu? Glaube ist nicht an einen festen Ort, nicht an liebgewonnene Routinen gebunden, doch wie kann es künftig gelingen, ein lebendiges Gemeindeleben zu gestalten? Was müssen wir loslassen, was können wir mitnehmen, was gewinnen wir hinzu? Behalten wir eine geistliche Heimat, die uns Halt gibt?

 

Das sind Fragen, die die Gläubigen beschäftigen, wie bei der Zusammenkunft an der Johanneskirche deutlich wurde. Eine der Botschaften, die die Teilnehmer mit nach Hause nahmen, lautet: Es kommt auch auf sie selbst an, ob Gutes wächst, „denn es wird“, so Pfarrer Weyer, „viel Kreativität und eigenes Engagement erforderlich sein.“

 

Jürgen Bertling, als Projektmanager in die hochkomplexe Materie eingebunden, ergänzte: „Das alte traditionelle Kirchenbild – der Pfarrer macht 90 Prozent aller Arbeit, um ihn herum sind ein paar Ehrenamtliche tätig – ist passé.“ Er sprach von „Vielfalt, die von vielen Schultern getragen wird“.

 

Acht jahrhundertalte Gotteshäuser

 

Die „Evangelische Kirchengemeinde Soest“ – ein Gebiet rund um die Türme von neun, meist jahrhundertealten Gotteshäusern, lediglich Johannes aus den 1960er-Jahren ist jüngeren Datums – stellt sich der „Herausforderung, die Gemeindearbeit vor Ort zu stärken, die Zusammenarbeit in der Gemeinde zu fördern und zugleich die Leitungsstrukturen für die Zukunft zu gestalten“, so steht es im Satzungs-Entwurf.

Pfarrer Weyer nannte weitere Fakten und führte aus, dass ab 2027 in der Regel – besondere Anlässe bilden eine Ausnahme – zwei Sonntagsgottesdienste angeboten werden: um 10 Uhr in Johannes und Petri. In der Heizperiode sollen sich die Gläubigen statt in Petri in der Hohnekirche versammeln. Geleitet werde die neu gebildete Gemeinde zunächst von einem Bevollmächtigten-Ausschuss, der bis zur nächsten regulären Presbyteriumswahl die Geschäfte führt.

 

Eine Gemeindemanagerin sei für koordinierende Aufgaben und den organisatorischen Ablauf zuständig. Interprofessionelle Teams mit Mitarbeitern aus mehreren Berufsfeldern sollen in den pastoralen Dienst einbezogen werden.

 

„Wir werden unglaublich schnell unglaublich weniger Gemeindeglieder“, so Pfarrer Stefan Weyer. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Zahl von möglichen 2,5 Pfarrstellen insgesamt in nur wenigen Jahren. Die Evangelischen Landeskirche hat das Ziel, angesichts eines eklatanten Nachwuchsmangels bei Theologen sowie des Mitgliederschwundes den Pfarrstellenschlüssel nach 2030 so zu erweitern, dass als Orientierungswert eine Vollzeitstelle auf 5000 Mitglieder kommt.

 

In Soest, Meiningsen und Ostönnen gehen in absehbarer Zeit mehrere Seelsorger in den Ruhestand: Dr. Christian Welck 2027, Volker Kluft mit einer 25-Prozent-Stelle im Jahr 2028, Friedemann Kölling 2029, Stefan Weyer 2030 und Christian Casdorff 2031. Stefan Weyer: „Danach bleiben noch zwei Pfarrstellen bestehen, eine halbe darf zusätzlich besetzt werden.“

leere Bild/PDF-Box

zurück zur Übersicht