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Drum singe, wem Gesang gegeben
22.10.2026
Gemeinden testen Lieder für das neue Evangelische Gesangbuch

Von Hans-Albert Limbrock
Kirchenkreis. Ludwig Uhland war nicht nur ein begnadeter Dichter, sondern ohnehin ein kluger Kopf. Schon vor über zweihundert Jahren hat er seinem Gedicht „Freie Kunst“ geschrieben und gefordert: „Drum singe, wem Gesang gegeben.“
An kaum einem anderen Ort kommen Meschen so zahlreich und innig diesem Postulat nach und singen munter drauflos wie im Gottesdienst in der Kirche. Da ist es in der Regel egal, ob man eine gute Sängerin oder ein eher mäßiger Sänger ist: Hauptsache vielstimmiger Gesang erfüllt die Kirchenräume.
Fast 700 Lieder umfasst das aktuelle Evangelische Gesangbuch, das in dieser Form und Zusammenstellung seit 1993 in den Gotteshäusern ausliegt. Viele dieser Lieder werden regelmäßig gesungen; sind so etwas wie kirchliche Gassenhauer und haben sich zum Teil über Jahrhunderte bewährt. Ohne „Großer Gott, wir loben Dich“ und all die vielen Klassiker, die besonders zur Weihnachtszeit angestimmt werden, ist ein Gottesdienst oft nicht denkbar.
Aber manchmal braucht es ein wenig frischen Wind im dichten Blätterwald des feuerroten Gesangbuchs. In knapp zwei, maximal drei Jahren soll es so weit sein. Dann, so die Pläne der Evangelische Kirche Deutschlands (EKD), soll ein neuer Band des Gesangbuchs vorliegen. Dann vielleicht in (Dunkel)Blau? So zumindest die Farbe des Erprobungsbandes.
Über zweihundert Lieder befinden sich in diesem Büchlein. Die befinden sich aktuell in einer intensiven Erprobungsphase. Und wo könnte das besser passieren, als dort wo sie dereinst gesungen werden: In den Gemeinden natürlich.
„550 Gemeinden sind bundesweit aufgefordert, die Lieder auszuprobieren“, weiß Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar. Unter den Gemeinden sind auch welche aus dem Kirchenkreis. Gemeinsam mit seinen Kantor-Kolleginnen -und Kollegen hat Weimar das frische Liedgut bei so genannten „Mitsing-Veranstaltungen“ testen lassen und war erfreut, wie groß die Begeisterung war, etwas Neues auszuprobieren. Weimar: „Das hat uns allen viel Spaß gemacht.“ Laut einer ersten Umfrage der Landeskirche haben 87 Prozent der Befragten eine „positive Einstellung zu den neuen Liedern“.
Dass es sich die Verantwortlichen auf EKD-Ebene nicht leichtmachen, das über dreißig Jahre alte EG zu reformieren, mögen zwei Zahlen verdeutlichen: Für knapp 220 Lieder, die auf dem musikalischen Prüfstand stehen, wurden 17.000 Lieder vorab gesichtet. Insgesamt 32.000 Erprobungsbände wurden bundesweit verteilt.
„Das“, so Weimar, „ist schon ein immenser Aufwand, der da betrieben wird.“ Ein Aufwand, der nach Meinung des Musikprofis notwendig ist und sich auch auszahlen wird: „Das Liedgut wird ja grundsätzlich immer wieder fortgeschrieben. Einige Lieder überdauern Jahrhunderte.“ „Großer Gott wir loben Dich“ wird schon über 250 Jahre gesungen.
Ob in der neuen Auswahl Lieder von ähnlicher Intensität und Qualität sind, wird die Zeit zeigen.
Für Gerd Weimar steht in jedem Fall fest: „Da sind schon welche dabei, die das Zeug haben, dann wieder dreißig Jahre und mehr zu bestehen. Viele Texte spiegeln natürlich den Zeitgeist wider. Ich finde sehr viele von ihnen sehr gelungen und freue mich schon darauf, sie demnächst mit dem Gemeinden singen zu können.“
Das allerdings wird noch etwas dauern: Läuft alles nach Plan, wird das neue EG in zwei Jahren druckfrisch in den Kirchenbänken. Dann heißt es auch wieder zwischen Olsberg und Soest, Geseke und Wickede: „Drum singe, wem Gesang gegeben.“

