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Sorgen um die personelle Zukunft
8.1.2026
Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirche Neheim

Von Frank Albrecht
Neheim. Pfarrer Dr. Udo Arnoldi hatte seine Neheimer Kirchengemeinde jetzt zur Gemeindeversammlung geladen. Nach vierzehn Monaten gab er den anwesenden Gemeindemitgliedern zusammen mit dem Presbyterium wieder einen Arbeitsnachweis sowie Informationen zur Lage der Evangelischen Kirche in Neheim. Dabei standen vor allem die künftige personelle Entwicklung und die weitere Gestaltung des Gemeindelebens im Mittelpunkt von Information und Beratung.
„Wir haben viele Gottesdienste abgehalten und können uns über ein lebendiges Gemeindeleben freuen“, sagte Pfarrer Dr. Udo Arnoldi zum Start der Gemeindeversammlung. Dieses, so Arnoldi, sei vor allem dem hohen Engagement der festangestellten Mitarbeitenden der Gemeinde sowie engagierten Gemeindemitgliedern zu verdanken.
Fakt blieben aber die seit dem Jahr 2000 stetig sinkenden Mitgliederzahlen. „Wir haben in 25 Jahren 1.400 Gemeindemitglieder verloren“, bilanzierte Pfarrer Arnoldi ernst. Dieser Trend habe sich auch im Kirchenkreis Soest-Arnsberg verstetigt und sei deprimierend: Es gebe weniger Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten und zudem weniger Geld für die vielfältigen Aufgaben.
In seinem Bericht zur Gesamtlage der Gemeinde wies Dr. Arnoldi darauf hin, dass sich ab dem kommenden Jahr der Zuschnitt für eine Pfarrstelle ändern werde. Statt bisher auf 4.000 Mitglieder, stehe den Gemeinden künftig erst ab 5.000 Mitgliedern eine Pfarrstelle zu. Vor dem Hintergrund der Entwicklung in der Neheimer Kirchengemeinde sei so der Verlust der Pfarrstelle zu befürchten, stellte Pfarrer Arnoldi dar.
Deutlich erfreulicher fiel der Rückblick auf die inhaltliche Arbeit in der Gemeinde aus. Erst wenige Wochen alt waren die letzten Veranstaltungen mit Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Christlich-Muslimischen-Dialogs. Dabei, so Arnoldi rückblickend, zählten die Fahrt zu einer Moschee und der Festakt im Rittersaal des Alten Rathauses Arnsberg zu den Höhepunkten. Im Gemeindehaus an der Burgstraße hat es in den letzten Monaten zahlreiche Ausstellungen mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern gegeben, und das kulturelle Angebot der Gemeinde konnte durch Gastkonzerte bereichert werden.
Die inhaltliche Arbeit der Gemeinde war darüber hinaus vor allem von den Beratungen zum Veränderungsprozess in der so genannten Region 7 (Arnsberg, Hüsten, Meschede, Neheim und Sundern) geprägt. Für das Presbyterium stellte Thorsten Beyrodt den Diskussionsprozess aus den fünf beteiligten Gemeinde vor. Er machte deutlich, dass mittelfristig für die fünf Gemeinden nur drei Pfarrstellen übrig bleiben.
Pfarramtliche Verbindung wird kommen
Um die Folgen des Mitgliederverlustes auszugleichen, so Beyrodt, werde über die Themen Fusion oder pfarramtliche Verbindung gesprochen. „Es bleibt die Sorge, dass eine Fusion zweier Gemeinden größeren Einfluss auf die vorhandenen Strukturen hat“, sagte Beyrodt. Das Presbyterium in Neheim habe sich daher für den Prozess hin zu einer pfarramtlichen Verbindung ausgesprochen und diesen beschlossen – der Zeitpunkt sei aber noch unklar.
Einen Einblick in das geltende Schutzkonzept für Evangelische Kirchengemeinden gab Pfarrerin Gabriele Hirsch. Es sieht vor, Menschen in den Gemeinden vor jeder Art von Gewalt zu schützen. Sichere und hellere Räume, Führungszeugnisse für das Betreuungspersonal und Schulungen sollen allgemein zu mehr Sicherheit beitragen. In Neheim sei das verlangte Schutzkonzept bereits fertiggestellt und werde nach einer Überarbeitung im Februar 2026 an den Kirchenkreis geschickt, so Hirsch.
Der Bereich „Personalia“ war in der Neheimer Kirchengemeinde in den letzten Monaten vor allem von Verabschiedungen geprägt. Pfarrer Dr. Udo Arnoldi erinnerte dabei vor allem an Pfarrerin Larissa Hachmann-Figgen, die nun als Gefängnispfarrerin in Fröndenberg und Hamm.
„Im Juni haben wir unseren Küster Werner Geue verabschiedet“, so Arnoldi weiter, Michaela Hollein – auch Gemeindeschwester in Neheim – hat seine Aufgaben übernommen. Mit einem Dank verabschiedete Dr. Arnoldi auf der Versammlung auch Pia Marie Buckemüller, die seit Oktober im Vikariat Menden arbeitet. Ferner verabschiedet wurde auch die Jugendreferentin der Ev. Kirchengemeinde Cornelia Abdullah, die auch für Neheim zuständig war.
Zum Ende der Aufzählung kam Udo Arnoldi nicht umhin, auch auf seinen Abschied hinzuweisen: Seine Verabschiedung ist für den 31. Mai 2026 vorgesehen. Ab Juli nächsten Jahres wird deshalb Pfarrerin Gabriele Hirsch mit einer ganzen Stelle (1/1) in Neheim tätig sein. Arnoldi machte deutlich, dass angesichts der Entwicklung der Beschluss zu Aufhebung der zweiten Pfarrstelle in Neheim erfolgt sei.
Zum Haushalt der Gemeinde beschrieb Kirchmeisterin Stefanie Schumacher, dass sich der Haushalt für das Jahr 2026 noch in Planung befinde. Erstmals wolle die Gemeinde einen Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 vorlegen. Generell sei eine finanziell schwierige Situation zu erwarten, so Schumacher, der Jahresabschluss komme erst später. „Ich bin froh über jeden Cent, der als Spende zu uns kommt“, so Kirchmeisterin Schumacher.
Vom Haushalt direkt beeinflusst sind auch die Investitionen in der Gemeinde. Bauausschuss-Vorsitzende Gundl Busse gab der Versammlung einen Überblick. Dank rechtzeitiger Rückstellungen und guter Spendeneinnahmen habe man viele Herausforderungen meistern können. So sei unter anderen die Heizung für Kirche und Gemeindehaus auf eine Wärmepumpe erneuert worden. Turmuhr und Beleuchtung des Gotteshauses wurden digitalisiert und dabei die alte Verkabelung ausgetauscht.
Neben Schreinerarbeiten im Gemeindehaus sei der Jugendraum im Bonhoeffer-Haus saniert und die Elektrik für die Orgel im Turm repariert worden. „Im kommenden Jahr steht die Sanierung der Toiletten in der Christuskirche an“, so Gundl Busse, und es werde weitere Rückstellungen für den Substanzerhalt an der Kirche geben. Für die Sanierung der Bleiverglasung in der Christuskirche hätten bereits Gespräche mit der unteren Denkmalbehörde bei der Stadt Arnsberg stattgefunden. Drei Fensterteile müssten repariert werden, eine Förderung sei in Aussicht.

