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Wertvolles zum kleinen Preis

19.2.2026

"Exit Fast Fashion“ – raus aus der schnelllebigen Kleidungssituation

Irene Matimbwi, Referentin für Mission und Ökumene des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg, klärte in ihrem Workshopangebot über die Begrifflichkeit „Fast Fashion“ auf.

Von Martina Schaub

 

Cappel. Wie kaufen wir eigentlich Kleidung und wie nutzen wir sie dann? Im Rahmen eines Projekttages näherten sich die Schülerinnen und Schüler aller Bildungsgänge des Stift Cappel-Berufskollegs diesen Fragestellungen.

Im Vorlauf des Projekttages hatten die Schüler bereits an zwei Umfragen zum Kaufverhalten von Kleidung und deren Nutzung teilgenommen.

 

Dazu mussten die Schüler bereits ihren eigenen Kleiderschrank unter die Lupe nehmen und auch mal die Anzahl ihrer Kleidungsstücke aufnehmen.

Schon dabei kamen nach Auswertung der Fragebögen interessante Ergebnisse zum Kauf- und Nutzungsverhalten der Kleidungsstücke heraus, die dann während des Projekttags präsentiert wurden. Der Projekttag an sich war ganz anders gegliedert als ein normaler Schullalltag. Die Schüler konnten sich im Vorlauf des Tages in zwei Workshops einwählen. Davon fand einer vormittags statt und der andere am Nachmittag.

 

Die Projektteilnehmer hatten die Auswahl zwischen sechs thematisch sehr unterschiedlichen Workshops, die unter anderem von Gästen oder aber auch von Lehrerteams des Berufskollegs geleitet wurden. Der Workshop Greenwashing, den die Lehrerkolleginnen Alexandra Bobb und Catherine Eggert durchführten, beschäftigte sich zum Beispiel mit den Strategien der Modeindustrie und sollte den Schülern vermitteln, dass die Modeindustrie nicht immer das hält, was sie dem Kunden öffentlich verspricht, denn nicht immer werden die Kleidungsstücke wirklich ohne Kinderarbeit und qualitativ hochwertig hergestellt.

 

Irene Matimbwi, Referentin für Mission und Ökumene des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg, klärte in ihrem Workshopangebot über die Begrifflichkeit „Fast Fashion“ auf und erarbeitete mit ihren Teilnehmern, wie Fast Fashion den Klimawandel anheizt, die Umwelt verschmutzt und Menschen ausbeutet. In ihrem Workshop war auch Raum gegeben, um gemeinsam über einen Ausweg aus diesem System nachzudenken.

 

Elke Zebrowski von der gemeinnützigen Brockensammlung in Bethel stellte in ihren Arbeitsgruppen vor, was mit unseren Kleiderspenden, also mit Gebrauchtkleidung, geschieht und wie die Arbeit mit Kleidersammlungen das nachhaltige Wirtschaften fördern kann. Am Schluss ihres Workshops stand dann folgerichtig auch die Frage, was jeder einzelne tun kann, um nachhaltiger zu agieren.

 

Scheinbar ein wenig aus der Rolle fiel der Workshop „m(Macht) Verantwortung“, den das Kuratoriumsmitglied des Stift Cappel – Berufskollegs, Pfarrer Klaus Goy und Schulleiterin Martina Schaub anboten. Bei ihnen ging es darum herauszufinden, was Macht und Verantwortung bedeuten und wie man seine eigene Macht einsetzen kann und seiner persönlichen Verantwortung gerecht wird, um Einfluss auf die Gesellschaft und gesellschaftsrelevante Themen wie z.B. Exit Fast Fashion zu nehmen. Dabei stand insbesondere das „selbst machen = Tun“ im Vordergrund. 

 

Völlig neu war ein künstlerisch-praktischer Workshop, bei dem am Ende ein echtes „Workshop-Produkt“ entstehen sollte. Dieser Workshop mit dem Titel „Zweite Haut“ wurde vom Designer Dirk Skowronski angeboten, der mit den Workshopteilnehmern aus alten, getragenen, mitgebrachten Kleidungsstücken textile Bänder hergestellt hat und mit diesen Textilbändern eine Schaufensterpuppe bespielt und zu einer Skulptur verarbeitet hat. Diese Arbeitsweise war inspiriert von der Arbeit der Verhüllungskünstler Christo und Jeanne-Claude.

 

Abgerundet wurde das Workshopangebot durch eine Kleidertauschbörse, die unter dem Namen „Second Hand“ – Wertvolles zum kleinen Preis“ von Kathrin Göring und einer Kollegin angeboten wurde. Diese beiden Damen verantworten sonst den größten Second Hand-Verkauf in Ostwestfalen, der ehrenamtlich in Lippstadt durchgeführt wird. Viele Schüler des Berufskollegs hatten hierfür von ihnen ausrangierte und immer noch top aussehende Kleidungsstücke mitgebracht, die dann während dieses Workshops einen neuen Träger fanden.

 

Abgerundet wurde dieser Projekttag durch ein gemeinsames Mittagessen und Kaffeetrinken. Beim abschließenden Reflexionsgespräch mit allen Teilnehmern des Tages wurden nur positive Rückmeldungen abgegeben, verbunden mit dem Wunsch bald wieder eine derartige Veranstaltung zu einem neuen gesellschaftsrelevanten Thema durchzuführen.

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