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Vom Wal ausgespuckt - und in Geseke gelandet
5.3.2026
Konzertlesung mit Jan Simowitsch begeistert Publikum im vollbesetzten Gemeindehaus

Von Julie Riede
Geseke. Mit einer „westfälischen La-Ola-Welle“ begann ein außergewöhnlicher Abend im Evangelischen Gemeindezentrum in Geseke. Die Konzertlesung von Jan Simowitsch zu seinem Buch „Und der Wal spuckt mich aus“ wurde zu einer ebenso humorvollen wie tiefgründigen Reise – musikalisch, literarisch und vergnüglich gemeinschaftlich.
Schon zu Beginn sorgte Pfarrerin Kristina Ziemssen für einen besonderen Moment. Sie sprach von der „Unwahrscheinlichkeit der Wahrscheinlichkeit“, dass ein Autor ausgerechnet an einem Ort eine Lesung hält, von dem er zuvor noch nie gehört hatte. Ihre augenzwinkernde Bedingung: eine echte westfälische La-Ola-Welle. Das Publikum erfüllte sie prompt – und setzte damit den Ton für einen lebendigen Abend.
Musikalisch begleitet wurde Simowitsch von Laura Rehr aus Welver, die mit ihren selbst komponierten Liedern den Textauszügen eine zusätzliche emotionale Ebene verlieh. Immer wieder wurde das Konzert vom pfeifenden und mitsummenden Publikum getragen, bis am Ende alle gemeinsam – Autor, Sängerin und Gäste – das Schlusslied anstimmten.
In seiner Lesung nahm Simowitsch das Publikum mit an den Anfang seiner Reise: zur handschriftlichen Kündigung seines Jobs. Ohne Plan B habe er sich aufgemacht – hoch in den Norden, fahrradtauglich sollte das Ziel sein und ohne Auto erreichbar. So fiel die Wahl auf die Färöer-Inseln. „Wenn man eine Entscheidung ohne Plan B trifft, muss man da durch“, resümierte er im inneren Dialog mit „Jona“, seinem gedanklichen Begleiter – in Anlehnung an die biblische Geschichte vom Propheten im Wal.
Die Reise begann im Zug Richtung Dänemark, mit ungeplantem Zwischenstopp in Hagen, führte weiter mit dem Fahrrad durch Dänemark und schließlich mit der Fähre auf die Färöer. „Und der Wal spuckt mich aus“ – so beschreibt er seine Ankunft, die ihn direkt in die Arme der Zollbeamten führte. Knapp zwei Wochen wollte er bleiben, zelten, erklärte er – und erntete mitleidige Blicke. Anfang April, Regen, kalt – er war der erste „Zelter“ der Saison.
Ernüchtert und durchnässt fuhr er los. Ein Hansa-Rostock-Aufkleber, rasante Bergabfahrten und Sightseeing in der Hauptstadt sorgten für kleine Lichtblicke. „Was für ’ne Scheiße, wenn man im Regen im kalten Zelt liegt“, schilderte er offen. „Aber wenn man morgens aufsteht und die Natur einen mit Schönheit belohnt, ist es das fast wert.“
Mit der Fähre ging es weiter zu kleineren Inseln. Der erste Ort zählte 1300 Einwohner. Der Zeltplatz: an einem Abhang neben dem Fußballplatz. Im Outdoor-Hottube des Schwimmbads – in geliehener Badehose und mit Panoramablick auf die Berge – träumte er von Hackbällchen.
Begegnungen prägten die Reise: Aufgrund seines Stevens-Fahrrads wurde er von der Tochter der örtlichen Pfarrerin angesprochen und eingeladen. Auf einer Hausparty lernte er weitere Pfarrerinnen kennen – wenig später spielte er als Gastmusiker in Gottesdiensten, darunter bei einem Jugendgottesdienst zum Thema Suizid.
In einem Second-Hand-Laden kam ihm eine zentrale Erkenntnis: Jeder ist er selbst, niemand kann jemand anderes sein. Ein klassischer Selbstfindungstrip. Im Dialog mit „Jona“ sprach er über Freiheit und Geborgenheit – und darüber, wie schwer es ist, beides gleichzeitig zu empfinden. Sein Fazit: „Wenn du dich aufs Leben einlässt, kommt das Leben halt auch zu dir.“
Aus dieser Reise entstand schließlich das Buch, das Simowitsch nun auf seinen Lesungen mit musikalischen Einlagen präsentiert – so auch in Geseke. Das Publikum dankte ihm und Laura Rehr mit langanhaltendem Applaus für einen unterhaltsamen, musikalisch-tiefgründigen Abend.

