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Modellprojekt mit Signalwirkung

5.3.2026

Kirchengemeinde Weslarn setzt Impulse für mehr Biodiversität auf Friedhöfen

Architekt Hans Joachim Berger zeigt bei einer Begehung mit interessierten Bürger:innen, was möglich ist.

Von Julie Riede

Weslarn. Wie können kirchliche Flächen aktiv zum Klimaschutz und zur Förderung der Biodiversität beitragen? Eine mögliche Antwort liefert die Evangelische Kirchengemeinde Weslarn. Mit der naturnahen Umgestaltung ihres Friedhofs übernimmt sie eine Vorreiterrolle – und könnte damit beispielgebend für viele weitere Kirchengemeinden sein.

 

Im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung des „Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz“ (KNK) durften Pfarrer Ralph Frieling und der Bad Sassendorfer Architekt Hans-Joachim Berger (Planungsbüro Berger) das Projekt bundesweit vorstellen. Thema der Veranstaltung war unter anderem die Förderung „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (KfW 444) – genau jenes Programm, das die Umsetzung in Weslarn ermöglicht hat.

 

Der Evangelische Friedhof in Weslarn wird umfassend ökologisch aufgewertet. Ziel ist es, Biodiversität und Mikrodiversität zu fördern, versiegelte Flächen aufzubrechen und die Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern. Damit wird der Friedhof nicht nur als Ort des Gedenkens neu gedacht, sondern auch als wertvoller Naturraum mitten im Ort.

 

Die in die Jahre gekommene Asphaltdecke wird vollständig entsiegelt. Der unbelastete Asphalt wird gefräst und vor Ort wiederverwendet – als Unterbau für neue, wasserdurchlässige Wege in wassergebundener Bauweise. So kann Regenwasser versickern, die sommerliche Hitzeentwicklung wird reduziert und das Mikroklima verbessert. Weniger genutzte Wege dürfen sich zu Magerrasenflächen entwickeln.

 

Naturnahe Gräber und neue Bestattungsformen

 

Auch bei der Grabgestaltung setzt die Kirchengemeinde neue Maßstäbe. Künftig sollen Gräber pflegearm, naturnah und insektenfreundlich angelegt werden. Ein Mustergrab zeigt beispielhaft, wie heimische Pflanzen – etwa polsterbildender Thymian – eine würdevolle und zugleich ökologische Gestaltung ermöglichen. Die neue Friedhofsordnung wird hierzu in Zukunft konkrete Hilfestellungen geben.

 

Große, bislang intensiv genutzte Grabfelder werden teilweise in sogenannte „Pikoparks“ umgewandelt – kleine Grünflächen mit Sitzgelegenheiten und schattenspendenden Bäumen, die allen offenstehen. Damit entsteht ein neues Aufenthaltskonzept für Trauernde und Besucher.

Auf Freiflächen werden kleinkronige Bäume gepflanzt, deren Blüten Insekten und deren Früchte Vögeln und Kleinsäugern Nahrung bieten. Gleichzeitig entstehen Bereiche für Baumbestattungen.

 

Ein neu geplanter Teich mit Trauerweiden, Natursteinblöcken und Sitzmöglichkeiten schafft einen weiteren Verweilort. Zudem entsteht ein Kolumbarium in Form einer geschwungenen Natursteinmauer. Die Urnenkammern werden in die Mauer eingelassen; Nischen sollen Raum bieten für Kerzen und persönliche Symbole. Verwendet werden regionale Natursteine sowie recyceltes Material aus einem Abbruchhaus – sämtliche Aushubmassen werden vor Ort wiederverwendet.

 

Auch bei den Wasserstellen wird ökologisch gedacht: Natursteintröge aus regionalem Material ersetzen herkömmliche Zapfstellen und dienen mit einer Restwassermenge als Trinkquelle für Insekten und Vögel.

 

Gemeinschaftlich getragenes Projekt

 

Bemerkenswert ist nicht nur das ökologische Konzept, sondern auch die breite Beteiligung vor Ort. „Die Dorfbevölkerung begleitet die Umgestaltung mit großem Interesse und Engagement“, so Pfarrer Raph Frieling. Bürgerinnen und Bürger bringen Ideen ein, Baumpatenschaften sind geplant, ebenso pädagogische Angebote in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kindergarten.

 

Dass ein solch ambitioniertes Projekt realisiert werden kann, ist maßgeblich der Förderung „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (KfW 444) zu verdanken. Das Programm unterstützt Kommunen und kirchliche Träger dabei, Ökosysteme zu stärken, Kohlenstoff zu binden und klimaangepasste, lebenswerte Räume zu schaffen.

 

Mit ihrer Initiative zeigt die Kirchengemeinde Weslarn, wie Friedhöfe zu Orten der Biodiversität, der Klimaanpassung und des menschlichen Wohlbefindens werden können. Das Projekt hat damit Modellcharakter – und könnte zahlreiche weitere Kirchengemeinden dazu ermutigen, ihre Flächen ebenfalls im Sinne des natürlichen Klimaschutzes neu zu denken.

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