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Integrationskurse akut gefährdet

12.3.2026

Kursleiterin aus Lippstadt hat über 1000 Geflüchteten die deutsche Sprache nähergebracht

Die volle Punktzahl: Melisa Becirovic und Mykola Rudyk haben ihre Prüfungen zur Freude von Kursleiterin Silke Fedder-Mushold mit Bravour bestanden. Foto: Hans-Albert Limbrock

Von Hans-Albert Limbrock

 

Lippstadt. Sprache ist der Schlüssel zur Integration – besonders für Menschen, die vor Krieg oder wirtschaftlicher Not geflohen sind. Viele Jahre lang funktionierte das in den Integrationskursen der Erwachsenenbildung im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg hervorragend. Die Nachfrage war hoch, die Ergebnisse überzeugend.

 

Doch nun droht ein Rückschlag. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat den Kursträgern bundesweit im Februar mitgeteilt, „dass im laufenden Haushaltsjahr bis auf Weiteres keinerlei Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen (…) erteilt werden können“.

 

Für Silke Fedder-Mushold, die seit fast zehn Jahren mehr als 1000 Menschen aus 55 Ländern die Grundlagen der deutschen Sprache und des Lebens in Deutschland vermittelt hat, ist diese Entscheidung unverständlich: „Viele können sich einen Integrationskurs künftig nicht mehr leisten, wenn sie ihn selbst bezahlen müssen.“ Ohne Sprachkenntnisse aber sinken die Chancen auf dem Arbeitsmarkt – und die Betroffenen bleiben im Sozialsystem hängen.

 

Das BAMF verweist auf eine Neuausrichtung durch das Innenministerium: Vorrang sollen Menschen mit dauerhafter Bleibeperspektive haben. Man reagiere auf sinkende Migrationszahlen, setze Prioritäten und wolle Kosten sowie Fehlanreize reduzieren. Wer keinen Anspruch mehr hat, muss die Kursgebühren selbst tragen. Bei sieben bis acht Monaten Kursdauer entstehen schnell Kosten von 10.000 Euro und mehr – bei gleichzeitigem Verdienstausfall.

Herausragende Prüfungsergebnisse

Um die bewährten Integrationskurse zu erhalten und das Innenministerium zu einer Kurskorrektur zu bewegen, hat sich das Bündnis „Gesamtprogramm Sprache retten“ gegründet. In einem Schreiben fordert es „uneingeschränkten Zugang zum Integrationskurs für geflüchtete und zugewanderte Menschen“. Nach Berechnungen des Bündnisses bleiben allein in diesem Haushaltsjahr rund 130.000 Lernwillige ohne Kursplatz. Viele Träger – darunter die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis – fürchten um ihre Existenz, etwa 20.000 Lehrkräfte um ihre Beschäftigung. Das Bündnis warnt vor gravierenden Folgen für Betroffene, Gesellschaft und Arbeitsmarkt.

 

Ein Morgen im Familienzentrum Pius in Lippstadt: Silke Fedder-Mushold leitet hier einen Integrationskurs mit Teilnehmenden aus der Ukraine, Nigeria, Indien, Afghanistan, China und Bosnien-Herzegowina. Viele von ihnen haben gerade erfolgreich den Test „Leben in Deutschland“ bestanden und die Sprachkurse A2 und B1 abgeschlossen.

 

„Es ist wirklich beeindruckend, wie schnell viele die deutsche Sprache lernen“, sagt Fedder-Mushold. Besonders herausragend sind vier Teilnehmende: Melisa Becirovic, Neethu Rajendran, Mykola Rudyk und Xinin Wu erreichten jeweils die volle Punktzahl von 100. „Das habe ich in dieser Qualität noch nicht erlebt“, betont die Kursleiterin. „Aber auch die anderen haben Großartiges geleistet. Die meisten sind hochmotiviert – fehlende Lernbereitschaft ist wirklich die Ausnahme.“

 

Für Mykola Rudyk und Melisa Becirovic steht fest, dass sie in Deutschland bleiben wollen. „Ich möchte nicht zurück in die Ukraine“, sagt Rudyk. „Meine Stadt ist zerstört, dort hat meine Familie keine Zukunft mehr.“

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