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Kirche hat Zukunft im Blick
19.3.2026
Klimaschutz-Fachtagung in Neheim ermöglicht Blick hinter Kulissen

Von Frank Albrecht
Neheim. Wie kann die zukünftige Energieversorgung von evangelischen Kirchen und Gebäuden aussehen? Und welche Erfahrungen mit einer klimafreundlichen Umrüstung bestehender Gebäude konnten in den letzten Jahren schon gemacht werden? Diesen und weiteren Fragen in Sachen Klimaschutz stellte sich jetzt die 3. Klimaschutz-Fachtagung des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg in Neheim. Die Nähe zur energetisch bereits umgerüsteten Christuskirche der Gemeinde begünstigte für die siebzehn Teilnehmenden aus verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises die Kombination von Theorie und praktischen Einblicken.
Bevor allerdings die Energieverbräuche und der Ausstoß von Kohlendioxid im Mittelpunkt der Tagung standen, begrüßte Superintendent Dr. Manuel Schilling die Anwesenden mit einem spirituellen Impuls. „Wir sind im Glauben an den dreifachen Gott mit dem Klima befasst, und wir sehen es als eine Verpflichtung an“, so Dr. Schilling.
Angesichts der klimatischen, aber auch der politischen Entwicklungen in Deutschland sehe sich die Evangelische Kirche beauftragt und habe eine Perspektive, so der Superintendent. Gegen die Meinungsmache von Populisten zu den verschiedenen Klimathemen gelte es nicht laut zu sein, dafür aber gut zuzuhören. „Wir wollen beharrlich und besonnen bleiben, fokussiert auf das, was wir erreichen möchten“, so Dr. Schilling. Und dabei marschiere man in eine gemeinsame Richtung, gab er den Anwesenden mit.
Einen „Impuls aus 30.000 Metern Flughöhe“ zum Klima gab dann Markus Kaulbars, Klimaschutzmanager des Kirchenkreises, der neben einem Fachvortrag als Einleitung zum Thema auch die Moderation der Tagung übernahm. Dabei wurden die Teilnehmenden zunächst mit erschreckenden Klima-Zahlen konfrontiert: So zum Beispiel mit den 60 bis 80 Milliarden Euro, die in den letzten Jahren in Deutschland für die Nutzung fossiler Energien ausgegeben wurden.
„Der kürzeste Weg zur Nutzung klimaneutraler Energie ist die Verbindung zwischen zwei Punkten in Form einer Graden“, so Kaulbars. Um die Klimaziele zu erreichen, sei also mehr Kontinuität in der Umsetzung erforderlich. Jede Abweichung vom geraden Weg koste Planungssicherheit und verzögere die Reduzierung von Kohlendioxid. Vor allem Klimakatastrophen mit Belastungen für die Menschen seien die Folge.
Klimaneutralität ist ein Marathon
„Die angestrebte Klimaneutralität ist ein Marathon“, schwor Kaulbars die Zuhörenden ein, wobei je früher eingespart werden könne, desto größer der Nutzen für das Klima und die Menschen sei, so der Klimaschutzmanager. Vor den unwiderruflichen so genannten Kippunkten des Klimawandels gelte es die vorhandenen Spielräume zu nutzen. Der Reduktionspfad der Landeskirche sehe bis zum Jahr 2030 eine 50-prozentige Verringerung des CO²-Ausstoßes vor. Um das Ziel zu erreichen, sei ein einfacher und robuster Monitoring-Prozess erforderlich.
Den in der Neheimer Gemeinde beschrittenen Weg zur Umrüstung der Christuskirche beschrieb in der Folge der Architekt und Kirchbaumeister Sven Busse. „Die Besonderheit der abgeschlossenen Arbeiten lag in der Berücksichtigung des geltenden Denkmalschutzes“, so Busse. Dieser galt für die Arbeiten als echte Herausforderung.
Busse beschrieb, dass im Jahr 2020 ein erheblicher baulicher Aufwand in und an der Kirche festgestellt worden sei. Mit der Gemeinde habe man sich einvernehmlich auf das Ziel einigen können, die Christuskirche zukunftsfest zu machen. Über einen Zeitraum von rund zwei Jahren habe man die Kosten für die erforderlichen Arbeiten kalkuliert und mit der Gemeinde abgestimmt. Danach seien die zweiundzwanzig Jahre alte Gas-Heizung im Keller der Kirche und vor allem die Elektrik der Kirche ausgetauscht worden, ohne dass das denkmalgeschützte Gebäude maßgeblich beeinträchtigt worden sei.
Kirchbaumeister Busse beschrieb weiter, dass man sich aus zeitlichen Gründen im Jahr 2024 entschieden habe, die erforderlichen Arbeiten auch ohne Förderzusage zu starten. Heute verfügt die Christuskirche über eine Wärmepumpe und eine kleine Gasheizung zum Schutz der historischen Orgel bei starken Minustemperaturen. Das neu gebaute Gemeindehaus an der Kirche wird vollständig über Erdwärme versorgt und hat eine Photovoltaikanlage mit zwei 10-KW-Speichern. Für die Umbauarbeiten hat die Gemeinde rund 160.000 Euro in die Christuskirche investiert.
Neben der energetischen Umrüstung der Kirche gehörten auch neue Möglichkeiten zum Ablesen von Verbräuchen in kirchlichen Gebäuden per App sowie eine ausführliche Beschreibung des „Refill-Systems“ – vorgetragen durch Susanne Schulze von der evangelischen Erwachsenenbildung. Schulze beschrieb dabei die Möglichkeiten, Kohlendioxid auch beim Konsum von Wasser bzw. Mineralwasser einsparen zu können. „In Deutschland wurden im letzten Jahr 10,2 Milliarden Liter Mineralwasser verbraucht – 129 Liter je Kopf“, skizzierte Schulze. Vor allem Verpackung und Transport des Wassers seien für die CO²-Werte verantwortlich. Deutlich günstiger sei hier der Umstieg auf Leitungswasser, was helfen könne, Kosten zu sparen und die Ökobilanz zu verbessern.
Dazu stellte Susanne Schulze die Initiative „Refill Deutschland“ vor, die ein bundesweites Netz aufbaut, in dem sich Leitungswasser in eigenen Gefäßen kostenlos abfüllen lässt. „Im Kirchenkreis gibt es noch Luft nach oben“, so Schulze, die dafür warb, dass mehr Gemeinden mit festen Öffnungszeiten z.B. im Gemeindebüro der Initiative beitreten. Mit einem Blick auf die Möglichkeiten, Kirchenland für die Nutzung von Photovoltaik zu nutzen und das Handlungsfeld „Mobilität“ neigte sich der theoretische Teil des Fachtages seinem Ende zu.
Zwischen den Vorträgen wurden die technischen Anlagen an Kirche und Gemeindehaus besichtigt. Dazu nutzte der Presbyteriumsvorsitzende Wolfgang Faber die Gelegenheit, Sven Busse und seiner Frau Gundl für den großen ehrenamtlichen Einsatz beim Umbau der Kirche zu danken. „Hier wurden viel Herzblut und Erfahrung investiert“, so Faber in der Runde. Mit einem Austausch der Teilnehmenden ging die Fachtagung zu Ende.

