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Mehr Verlässlichkeit für Familien

11.5.2026

Über den Dächern von Soest: Vor dem Austausch im Kreiskirchenamt präsentierte Superintendent Dr. Manuel Schilling seinem Gast Jörg Blöming den grandiosen Ausblick auf die Soester Kirchenlandschaft vom Dach des Kreiskirchenamtes. Foto: Hans-Albert Limbrock

Von Hans-Albert Limbrock

 

Soest-Arnsberg. Der Gast aus Düsseldorf brachte gute Nachrichten mit in den Kirchenkreis. „Nach intensiven Gesprächen mit Eltern, Trägern, kommunalen Spitzenverbänden, Kirchen, der freien Wohlfahrtspflege und Gewerkschaften haben wir den Gesetzentwurf für das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) weiterentwickelt“, sagte CDU-Landtagsabgeordneter Jörg Blöming eingangs bei seinem Gespräch im Kreiskirchenamt.

 

Damit nahm der Christdemokrat gleichzeitig zu der zuvor geäußerten Kritik an der KiBiz-Reform Stellung, der sich auch der Kirchenkreis Soest Arnsberg mit seinem Kindertagestätten-Verbund angeschlossen hatte. Superintendent Dr. Manuel Schilling begrüßte die Veränderungen am Gesetzentwurf und gab dem Gast mit auf den Weg: „Wir sind sehr dankbar für die Überarbeitung. Nun scheint es in die richtige Richtung zu gehen. Wir leben in schwierigen Zeiten. Da ist es wichtig, dass Kirche und Politik zusammenarbeiten; auch wenn das nicht immer einfach ist.“

 

Blöming versprach, dass das KiBiz „mehr Stabilität, mehr Verlässlichkeit und bessere Rahmenbedingungen für Kinder, Familien und Beschäftigte in den Kitas“ bedeute. Es dürfe nicht sein, dass Eltern nicht zur Arbeit können, weil ihre Kita aufgrund von Urlaub und/oder Krankheit geschlossen habe: „Dann bricht das gesamte System zusammen. Und das darf einfach nicht sein. Die frühkindliche Bildung ist ein zentraler Baustein für faire Chancen im Leben. Gleichzeitig ist eine verlässliche Kinderbetreuung für viele Familien die Grundlage dafür, Alltag, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Wir wollen die Kitas widerstandsfähiger machen und ihnen mehr Handlungsspielraum geben.“

 

Der Erwitter Blöming, der seit 2017 im Landtag vertreten ist und unter anderem im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales mitarbeitet, hat in den letzten Wochen verschiedene Kitas in der Region besucht und mit Erzieherinnen und Erziehern gesprochen. Auch deshalb ist er überzeugt, dass die KiBiz-Reform dank vieler Änderungen nun eine gute Basis sei.

Bereits in den vergangenen Jahren habe die schwarzgrüne Landesregierung massiv in die frühkindliche Bildung investiert: „Heute fließt mehr als doppelt so viel Geld in das Kita-System wie noch vor zehn Jahren. Allein im Jahr 2026 investieren wir rund 6,2 Milliarden Euro in die Kinderbetreuung, zusätzlich stehen in den kommenden Jahren 1,5 Milliarden Euro für Investitionen bereit.“

 

Gleichzeitig sei das System stark gewachsen: „Die Zahl der betreuten Kinder ist in den vergangenen fünfzehn Jahren um etwa dreißig Prozent gestiegen.“ Eine weitere Sofort-Maßnahme der Landesregierung: Künftig erhält jede Kita einen festen Zuschuss von 16.200 Euro im Jahr für Kita-Helfer, die damit dauerhaft gesichert sind. Diese Helfer übernehmen nichtpädagogische Aufgaben im Alltag, wodurch das Fachpersonal konkret entlastet wird.

 

Superintendent Schilling begrüßte die vorgestellten Maßnahmen ausdrücklich. Gleichzeitig zeigte er sich tief besorgt, was die künftige Entwicklung angeht. Mit Blick auf die 29 Kindertagesstätten und drei Offenen Ganztagsschulen, die der Kirchenkreis verantworte, formulierte er: „Wir werden das auf Dauer nicht mehr leisten können.“

Schon jetzt sei die finanzielle Lage extrem angespannt. Schilling: „Hier brauchen wir Lösungen im Schulterschluss von Staat, Zivilgesellschaft und Kirche.“ Durch die rapide sinkende Zahl an Gemeindegliedern gerate der Haushalt der Kirchenkreise in eine gefährliche Schieflage. Als Schilling seine Aufgabe als Superintendent vor sechs Jahren im Kirchenkreis begonnen hat, zählte die Statistik noch 102.000 Gemeindeglieder zwischen Werl und Geseke, Lippetal und Marsberg. Inzwischen ist man bei 90.000 angekommen. Gleichzeitig ist zum Beispiel die Zahl der Kita-Gruppen von achtzig auf einhundertzwanzig gestiegen. Schilling: „Und dafür fehlt das Geld.“

 

Jörg Blöming zeigte sich von dieser Entwicklung tief betroffen: „Das habe ich in dieser Dimension nicht erwartet. Das sind dramatische Zahlen und Entwicklungen.“ Einig waren sich beide, dass der intensive und konstruktive Dialog zwischen Kirche und Politik fortgesetzt werden müsse. Schließlich habe man ein gemeinsames Ziel: Die besten Voraussetzungen zum Wohle der Kinder zu schaffen.

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