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Zwischen Vorfreude und Wehmut
21.5.2026
Dr. Udo Arnoldi wird im Juni von seiner Arbeit entpflichtet

Von Frank Albrecht
Neheim. Ausgerechnet zum bevorstehenden Abschied erinnert sich Dr. Udo Arnoldi, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Neheim, noch einmal an den etwas ruckeligen Start in seine „himmlische Karriere“. Vor 28 Jahren hatte er – endlich – die 1. Pfarrstelle in der Neheimer Kirchengemeinde erhalten und damit die Nachfolge von Pfarrer Carl-Ernst Kattwinkel in der Christuskirche angetreten.
„Es hat dreißig Bewerbungen und zehn Bewerbungsverfahren gebraucht“, schmunzelt Dr. Arnoldi heute beim Rückblick auf seine Arbeit. Denn seine Tage in der Christuskirche sind nun gezählt: Zum 30. Juni beendet er seine Tätigkeit als Pfarrer und geht zum 1. Juli in den Ruhestand. Am Sonntag, 31. Mai, findet der Gottesdienst mit der offiziellen Verabschiedung und einem Gemeindefest statt.
Am 1. Januar 1999 zog Dr. Udo Arnoldi zusammen mit Ehefrau und Pfarrerin Karin Neumann-Arnoldi sowie Tochter Charlotte ins das Pfarrhaus auf der Burgstraße. Dass es so viele Jahre dort wurden, überrascht ihn noch heute. „Ich habe während meiner theologischen Arbeit am längsten in Neheim gelebt“, resümiert Arnoldi, „und stets viel Kontakt mit Menschen gehabt.“
Vor allem das habe ihn geprägt und die Arbeit bereichert, erinnert sich der Pfarrer gerne. Dazu fallen ihm im Gespräch vor seiner Verabschiedung gerade auch die rund 150 ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden aus allen Bereichen seiner Gemeinde ein – „eine großartige Mitarbeiterschaft“, lobt Dr. Arnoldi aufrichtig.
Immer wieder kommt er auf die vielen persönlichen Kontakte in seiner Gemeindearbeit zu sprechen – Hochzeits- oder Trauergespräche, die Begleitung von Konfirmanden und Krankenbesuche, eher im verborgenen Teil seines Dientes, haben das Leben des heute 66-jährigen geprägt und beeinflusst.
„Dabei habe ich stets offene Türen gefunden und Vertrauen erfahren“, blickt Arnoldi zufrieden zurück. Und genau das hat der Pfarrer auch schon in seinem Abschiedsbrief an die Gemeinde formuliert. „Denn Sie haben mir Ihr Vertrauen geschenkt, mir Ihre Tür geöffnet und von sich erzählt“, schreibt Udo Arnoldi im „Blättchen“, dem mehrmals im Jahr veröffentlichten Gemeindebrief – ebenfalls ein Produkt seiner Amtszeit in Neheim.
Pfarrer Arnoldi hat sich beim Rückblick auf seine Geschichte in Neheim viel Mühe gemacht. Auf einer langen Liste sind die Dinge aufgeschrieben, die ihm in seiner jahrzehntelangen Arbeit in Neheim wichtig sind und waren – eigentlich alles! Gleich an erster Stelle findet sich dort vor allem der „Gottesdienst“, den er stets unter der Verantwortung und mit Beteiligung der ganzen Gemeinde gefeiert hat.
Ökumene stets im Blick gehabt und gefördert
Direkt passend ist die Nr. 2 der „Liste“, die Verkündung der frohen Botschaft Gottes. Ansprechende, stärkende und orientierende Predigten seien ihm stets ein Anliegen gewesen, so Arnoldi. „Sich über die Predigt mitteilen zu können, ist eine besondere Chance“, wertet der Pfarrer, „15 Minuten das sagen, was einem wichtig ist.“
Seine Liste ist eher Aufzählung als Gewichtung der täglichen Aufgaben: Die Arbeit mit jungen Menschen in der Vorbereitung der Konfirmation und die Ausbildung von Teamern für die kirchliche Arbeit, der Blick auf die Seniorinnen und Senioren, für die altersgerechte Angebote eine möglichst große Teilnahme aller als Ziel hatten. Seine Arbeit entlang des diakonischen Auftrags in Ausschüssen oder beim Café, das Miteinander von Gemeinde, Kirchenkreis, Landeskirche oder EKD sowie das Miteinander in der Stadt Arnsberg – z.B. in der Kita, dem Gedenken an den 9. November oder bei der Organisation von Veranstaltungen und Konzerten – auch diese Punkte haben seine Arbeit wesentlich beeinflusst.
Den Menschen mit einem Migrationshintergrund in der Stadt war Pfarrer Dr. Udo Arnoldi auch stets sehr zugewandt. So dürfen auf seiner Liste der wichtigen Dinge nicht die Themen „Beratung und Integration von Flüchtlingen“ sowie der „Dialog mit den Muslimen“ fehlen. 25 Jahre lang gibt es schon einen fruchtbaren Austausch der verschiedenen Religionen im christlich-islamischen Dialog, der ein fried- und respektvolles sowie demokratisches Miteinander in der Stadt geschaffen hat und stets weiter fördert.
„Wichtig ist mir auch die Ökumene, die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern im Glauben“, sagt Dr. Arnoldi. Sie habe den Umgang mit der Katholischen Kirche noch vertrauter gemacht. Auf verschiedenen Ebenen hat auch die Christuskirche Arbeit und Wirken von Pfarrer Arnoldi bestimmt. Das Evangelische Gotteshaus aus dem Jahre 1862 hat seinen 150. Geburtstag längst gefeiert und verlangt stets viel Aufmerksamkeit. So standen die Erneuerung der Christuskirche über verschiedene Herausforderungen hinweg – wie den Befall des Gebäudes mit dem Holzwurm oder die erneuerbare Energieversorgung – über Jahre immer wieder im Mittelpunkt.
Das, was schon war, soll aber nicht ohne einen Blick in die Zukunft betrachtet werden. „Mein beruflicher Abschied aus der Gemeindearbeit ist schon lange vorbereitet“, sagt Arnoldi. Und die junge Presbyterin Carolin Ortlieb bestätigt: „Wir haben die Arbeit schon auf vielen Säulen verteilt, es gibt häufige Treffen und viele Gespräche“, so die 23-Jährige. Um das Ausscheiden von Pfarrer Arnoldi in der Ausschussarbeit etwas auszugleichen, wolle man z.B. die Zusammenlegung von Gemeindeausschüssen prüfen.
Zwischen Wehmut und Vorfreude seien die Gefühle vor dem Abschied, so Pfarrer Arnoldi. Für die Vorfreude sorgt auf jeden Fall sein Plan, in drei großen Radreisen ehemalige Weggefährten zu besuchen. „Ich will mir meine Neugier und meine Offenheit erhalten“, so Dr. Udo Arnoldi, „und freue mich auf frische Luft und Bewegung.“
Darüber hinaus gebe es auch noch Pläne, erneut ein Studium für Senioren z.B. an der Universität Münster aufzunehmen. Den Menschen in seiner Umgebung will Udo Arnoldi mit seiner Bereitschaft zu Helfen erhalten bleiben. „Ich habe weiter eine große Bereitschaft zu ehrenamtlicher Arbeit“, sagt Arnoldi, „und kann mir im Ruhrstand vieles vorstellen.“ Sein Amtszimmer im Pfarrhaus auf der Burgstraße wird er zum 30. Juni aber räumen – allein schon, um ein Zeichen zu setzten: Irgendwann ist einfach Schluss!

