Nachrichten
Zwei Tage für 5000 Jahre Geschichte
10.6.2026
Symposium zur Zukunft der Soester Kirchen mit über hundert Teilnehmenden

Von Hans-Albert Limbrock
Soest. Sechs historische Kirchen. Addiert man ihr Alter, kommt man auf über 5000 Jahre. Keine Frage, die sechs evangelischen Altstadtkirchen von Soest stellen ein einzigartiges Ensemble in Deutschland dar. Ein Ensemble, das ein unvorstellbarer Schatz und zugleich eine große Last und Herausforderung ist.
Denn in ihrer einstigen Funktion als vielfältige Gottesdienststätten werden sie in dieser Anzahl nicht mehr benötigt.
Mit dem „1. Symposium: Soester Kirchen – Räume der Zukunft“ reagieren der Evangelische Kirchenkreis und die Soester Kirchengemeinden auf diese veränderte Realität.
Zwei Tage lang werden sich über einhundert Teilnehmende mit der Gegenwart der Gotteshäuser, aber auch mit ihrer Zukunft beschäftigen; werden Möglichkeiten und Ideen, vielleicht sogar Utopien, für eine zukünftige Nutzung entwickeln. Auf diese Weise erhalten Kirchenkreis und Gemeinden Impulse, die weitergedacht werden können.
„Wir sind nicht so vermessen zu glauben, dass dieses Symposium alle Fragen beantwortet oder Probleme löst“, erklärt Dirk Pieper, der als langjähriger Architekt des Kirchenkreises die Soester Kirchenlandschaft wie kaum ein Zweiter kennt. Superintendent Dr. Manuel Schilling ergänzt: „Für uns ist das Symposium Auftakt eines Prozesses, der zehn Jahre und länger dauern kann.“
Wichtig sei, dass die Diskussionen und Gespräche bewusst ergebnisoffen geführt werden können. Leitplanken dabei seien jedoch stets christlich-religiöse, diakonische, soziale oder kulturelle Nutzungen. Schilling: „Dass eine unserer Kirche etwa zu einem Möbelhaus wird, kommt für uns nicht infrage.“
Schon jetzt zeichnen sich erste Schwerpunkte ab: Die Petrikirche wird nach dem Zusammenschluss von Emmaus-Gemeinde mit Petri-Pauli zur Stadtkirche, die Wiesenkirche ist ein nationales Denkmalerbe und wird es auch bleiben, Pauli hat mit seinem Kolumbarium zum Teil schon seine künftige Nutzung gefunden. An diesen Profilen kann weitergearbeitet und gefeilt werden.
„Jede Kirche hat ganz eigene Potenziale. Einige sind bekannt, andere gilt es, noch zu entwickeln“, weiß Emmus-Pfarrer Kai Hegemann. „Das Symposium ist der Start, um noch mehr Menschen und Akteure für das Thema zu interessieren und an der Debatte zu beteiligen.“
Superintendent Schilling ist überzeugt, dass von diesen zwei Tagen in Soest eine Signalwirkung ausgeht, die weit über die Region hinausstrahlen wird: „Das zeigen schon die Anmeldungen. Wir erwarten Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet. Ein solches Symposium hat es bisher nicht gegeben. Die Kirchen wurden vor vielen hundert Jahren von der Bürgerschaft finanziert und erbaut. Unser Ziel ist es, die Stadtgesellschaft von heute erneut für ein gemeinschaftliches Engagement zu gewinnen. Wir allein werden das als Kirche nicht leisten können.“
ZUM PROGRAMM
Auftakt des Forums ist am Freitag, 26. Juni, um 14.30 Uhr in der Petrikirche, wo die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, und Bürgermeister Marcus Schiffer die Gäste begrüßen. Nach einer Reihe von Vorträgen wird das Symposium in die Wiesenkirche verlagert. Dort wird unter dem Fenster „Das Westfälische Abendmahl“ ein eben solches vom Pilgrim-Haus kredenzt. Spätestens zu diesem Programmpunkt wird auch Ministerin Ina Scharrenbach erwartet, die die Schirmherrschaft über das Symposium übernommen hat und ein Grußwort sprechen wird. Der erste Tag ist nichtöffentlich.
Der Samstag, 27. Juni, steht dann ganz im Zeichen von Workshops, die in allen sechs Kirchen gleichzeitig stattfinden. Den Abschluss bildet um 14.45 Uhr in Neu St. Thomä eine öffentliche Podiumsdiskussion, an der alle teilnehmen können, die sich für das Thema interessieren.
