Nachrichten

Ist KI das Ende der Bildung?

21.7.2026

Berufskolleg Stift Cappel entlässt erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen 

Absolventen der Allgemeinen Hochschulreife für Gesundheit: Annika Halbracht, Ferdinand Laukemper, Michele-Denise Schilling, Lisa Westkemper.

Cappel. Um den Wert von Bildung in einer Welt, in der künstliche Intelligenz wie ChatGPT Standardwissen jederzeit abrufbar macht, ging es bei der Entlassfeier der Absolventen des Jahres 2025/2026 des Stift Cappel – Berufskollegs in Lippstadt. Im Mittelpunkt standen aber natürlich die Abiturienten, Fachabiturienten und die zu staatlich geprüften Sozialassistenten ausgebildeten Absolventen.

 

In der von Schulleiterin Martina Schaub verfassten Rede an alle nun ehemaligen Schülerinnen und Schüler drehte sich die Kernfrage darum: „Wenn Wissen immer verfügbar ist, wozu braucht es dann eigentlich noch Bildung?“ Nach Ansicht der Schulleiterin weiß ein gebildeter Mensch zu unterscheiden zwischen Wissen und Meinung. Ein solch gebildeter Mensch wisse auch, dass er nie fertig gelernt habe. 

 

Bildung ist Haltung, Bildung ist Urteilskraft, denn sie lässt den Menschen Sachverhalte einschätzen, und Bildung ist die Fähigkeit, mit Wissen Verantwortung zu übernehmen. Ein gebildeter Mensch sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, zuzuhören, Ängste zu erkennen und hätte auch die Fähigkeit mit Menschen umzugehen, die anderer Meinung seien. Gebildete Menschen könnten auch mal scheitern, würden aber nicht daran zerbrechen.

 

Bildung formt Menschen, sie formt Absolventen zu einem persönlichen Standing und das scheint, nach Meinung der Schulleiterin, in diesem Jahr sehr gut gelungen zu sein. Gebraucht würden Menschen, die wieder selbst denken. Schaub: „Sobald wir aufhören, Aspekte kritisch zu hinterfragen und Fakten zu überprüfen, leben wir in einer Gesellschaft, die es verlernt hat, selbst zu denken. Dies alles geht auf Kosten von Individualität und Kreativität. Sie nutzen KI – aber Sie lassen sie nicht entscheiden, was Sie denken sollen, was Sie tun sollen und welche Meinung Sie vertreten sollen, wenn das so bleibt, machen Sie auch zukünftig vieles richtig.“ 

 

Alexandra Bobb, Klassenlehrerin, der frisch gebackenen staatlich geprüften Sozialassistenten attestierte Ihren Absolventen, dass diese in der Praxis, da wo der Fokus dieser zweijährigen Ausbildung lag, großartige Leistungen erbracht hätten und einige von ihnen auch über sich selbst hinausgewachsen seien. Sie überreichte ihren nun ehemaligen Schülerinnen und Schülern einen kleinen Kompass, der symbolisieren sollte, dass sich die Absolventen nun neu ausrichten müssen, da neue Ziele anstünden und damit auch neue Wege beschritten werden müssen.

 

Dafür sollten die Absolventen ihre persönlichen Stärken und ihre gewonnen Erfahrungen nutzen, denn sie gingen nicht nur mit einem Abschluss, sondern auch einem Zugewinn an nützlicher Lebenserfahrung in die Welt. 

 

Nicht ohne Augenzwinkern rechnete Mathematik- und Klassenlehrer Tomas Brajkovic den Fachabiturienten anhand einer netten Aufgabe vor, dass die zweijährige Ausbildung in der Höheren Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales statistisch gesehen zwar nur etwa 2,5 Prozent der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland betragen würden, zeigte sich aber überzeugt, dass die Kollegiaten mit ihrem Abschluss bereits einen wichtigen Trittstein zur Fortsetzung ihres beruflichen Werdegangs gelegt hätten. 

 

Zum Abschied ermutigte er die Absolventen dazu, trotz Krisen und Wandel, stets eine positive Vision für das eigene berufliche Handeln zu entwickeln und diese mutig sowie voller Energie in die Tat umzusetzen. 

 

Catherine Eggert fragte sich als Jahrgangsstufenleiterin 13 des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit, an welche Erlebnisse und Ereignisse sich wohl ihre Klassengemeinschaft gerne zurückerinnern würde. Sicherlich bliebe neben dem familiären Schulleben im Alltag und der Teilnahme am Projekttag „Exit Fast Fashion“ noch der Tauferlebnistag und natürlich die gemeinsame Pragfahrt als besonderes Highlight in Erinnerung. Die Besichtigung des Häuschens im Goldenen Gässchen Nummer 22 in Prag ermöglichte den Absolventen eine lebhafte Vorstellung des Schreiberlebens von Franz Kafka – auf kleinstem Raum, dem man dort beim Schreiben über die Schulter blicken konnte.

 

Mit einem stimmungsvollen Entsendungsgottesdienst, geleitet von Pfarrer Helmut Mahnke, wurde alle diesjährigen Absolventen des Stift Cappel – Berufskollegs in die berufliche Wirklichkeit entlassen. 

zurück zur Übersicht