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Wir wollen unsere Kirchen neu und anders nutzen

12.8.2026

Superintendent Dr. Schilling nimmt im Sommer-Interview zu aktuellen Themen Stellung

Superintendent Dr. Manuel Schilling ist erfreut über die vielen Ideen und Anregungen, die das Symposium zur Zukunft der Soester Kirchen gebracht hat. Foto: Marcus Bottin

Soest. Es ist inzwischen gelebte Tradition, dass Superintendent Dr. Manuel Schilling sich im Sommer zu aktuellen Themen, die den Kirchenkreis Soest-Arnsberg bewegen, äußert. Heute Teil eins des Sommer-Interviews, das Öffentlichkeitsreferent Hans-Albert Limbrock mit ihm geführt hat.

 

Mit dem Symposium zur Zukunft der Soester Kirchen sind Kirchenkreis und Soester Kirchengemeinde neue Wege gegangen. Hat sich dieses Risiko gelohnt?

MANUEL SCHILLING: Absolut. Natürlich war es ein Risiko. Ich denke zurück. Als ich vor 6 Jahren meinen Dienst als Superintendent antrat, durfte man in Soest nur hinter vorgehaltener Hand über die Zukunft der Kirchengebäude – sprich: über die Aufgabe von Kirchengebäuden als regelmäßige Gottesdienststätten – sprechen. Nun haben wir den Stier bei den Hörnern gepackt und öffentlich erklärt: Wir wollen unsere Kirchen neu und anders nutzen, wir wollen Soest verändern, wir wollen das mit vielen Menschen zusammen machen. Schließlich: Soest ist ein besonderer Ort und braucht besondere Initiativen.

Dieser Richtungswechsel hat sich ausgezahlt.

 

Welche Erwartungen hatten Sie persönlich als Superintendent an diese Veranstaltung und wurden sie erfüllt?

Die Kirchen haben uns ihre Geschichten erzählt, und das hat die Teilnehmer und Teilnehmerinnen inspiriert. Wir hatten eine dreifache Erwartung: zum einen wollten wir erste inhaltliche Hinweise bekommen, was aus diesen Schätzen der Vergangenheit werden kann; zweitens wollten wir herausbekommen, ob es gelingen kann, bei möglichen Neunutzungen doch die alten Gebäude als kirchliche Orte zu bewahren; drittens wollten wir Menschen gewinnen, sich mit uns auf den Weg zu machen. Alle drei Erwartungen haben sich erfüllt. Wir haben spannende Ideen und Impulse für jede einzelne der sechs Innenstadtkirchen bekommen. Wir wurden ermutigt, auf eine Mischnutzung der Kirchen zuzugehen und doch die Eigentümerschaft zu behalten. Wir haben von vielen Menschen gehört: wie wunderbar Soest, wie einzigartig dieser Ort ist. Verbunden mit der klaren Botschaft: Zählt auf uns, wenn Ihr weitergeht.

 

Wie geht es nun konkret mit der Planung der Zukunft für die sechs Altstadtkirchen, aber auch für die Kirchen in Ostönnen und Meiningsen weiter?

Zunächst werden wir die Ergebnisse des Symposiums genau prüfen und daraus Pläne ableiten, was mit den Kirchen möglich ist und auf welchen Wegen wir dahinkommen. Zugleich werden wir prüfen, welche Erkenntnisse wir für die anderen Kirchen gewonnen haben. Es ist klar, dass es keine Lösung für die Soester Innenstadtkirchen gibt, ohne auch die anderen Kirchen in den Blick zu nehmen. Dieses Symposium war auf die Soester Kirchen innerhalb der Wälle beschränkt. Das ist natürlich nur ein Ausschnitt. Denn die ganze Kirchenlandschaft in der Börde ist von herausragender Bedeutung. Die Soester Innenstadt stellt nur die Krone dieses besonderen Landstriches dar. 

 

In der Niederbörde, aber auch in Weslarn, Neuengeseke oder Bad Sassendorf stehen weitere historische Kirche. Wie sehen die Pläne dafür aus?

Es gibt für diese Kirchen noch keine konkreten Pläne. Aber wir müssen und wir wollen auch für diese Gebäude Perspektiven schaffen. Was wir jetzt in Soest begonnen haben, war nur ein Anfang. Ich freue mich und bin gespannt auf die Gespräche mit den anderen Gemeinden.

 

Haben Sie persönlich denn schon eine Vorstellung davon?

Mir persönlich schweben Kirchen vor, die jeweils ein ganz eigenes inhaltliches Profil erhalten, und zwar in ihrer geistlichen Nutzung als Kirchengebäude, wie in ihrer touristischen Bedeutsamkeit. „Kirche der Stille – Kinderkathedrale – Lichtkirche – Quartierszentrum“ sind da nur Stichworte. Und ich glaube, dass wir in der touristischen „Vermarktung“ unserer Kirchen zusammen mit den Kommunen und der Region sehr viel mehr machen können, als bisher geschieht. Wir können mit unseren Kirchen Geld verdienen und so ihren Bestand sichern. Nicht, indem wir daraus Hotels machen oder Fitness-Studios (das wäre die allerletzte aller Alternativen), sondern indem wir ihren Charakter, ihre Botschaft schärfen und den Menschen zugänglich machen. Es gibt nicht nur den Massentourismus, es gibt auch einen spirituellen Tourismus, eine Sehnsucht nach Reisen ins Innere der Seele. Da haben die Kirchen der ganzen Börde unglaublich viel zu bieten. 

Immer wieder eine beeindruckende Kulisse: Die Soester Skyline mit ihren vielen Kirchen; hier noch besonders orchestriert durch Fahrgeschäfte der Allerheiligenkirmes. Foto: Gerio Sliwa/Stadt Soest

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