Nachrichten

"Unsere Kirche lebt"

19.8.2026

Superintendent Schilling zur Personalentwicklung im Kirchenkreis

Bei der Sommer-Synode wurden alle Regionen des Kirchenkreises mit den Luca-Koffern ausgerüstet (von links): Dr. Ivonne Buthke (Lippstadt), Kai Hegemann (Soest), Christoph Lichterfeld (Werl), Elisabeth Pakull (Niederbörde), Anika Prüßing (Bad Sassendorf), Ann-Kathrin Kemper (Lipperode), Superintendent Dr. Manuel Schilling, Markus Pape (Marsberg), Elsmarie Braun (Warstein), Claudia Schäfer (Arnsberg). Foto: Hans-Albert Limbrock

Soest-Arnsberg. Im zweiten Teil des Sommer-Interviews mit Öffentlichkeitsreferent Hans-Albert Limbrock äußert sich Superintendent Dr. Manuel Schilling zur Personalentwicklung im Kirchenkreis und stellt das Luca-Projekt vor.

 

Auf der Sommersynode wurden weitere schmerzliche Einschnitte im Personaltableau angekündigt. Wie gehen die Kirchengemeinden damit um?

MANUEL SCHILLING: Niemand war wirklich überrascht, denn Assessor Hartmann und ich haben in den Monaten vorher jede Gemeinde besucht, die von den Einschnitten betroffen sein wird. So waren schon vorher alle im Bilde. Die Kirchengemeinden sind aufgewacht. Jetzt kommen erhebliche Veränderungsprozesse in Gang. An der Zahl der Pfarrpersonen hängt eben ganz viel, zum Beispiel auch die Frage der Gebäude, die Organisation der Jugendarbeit, die verlässliche Präsenz für die Beerdigungen. Deshalb werden sich jeweils die Kirchengemeinden der Region 6 „WAGE“ (Warstein, Anröchte, Geseke, Erwitte) und der Region 7 (Arnsberg, Hüsten, Meschede, Neheim, Sundern) zu jeweils einer Kirchengemeinde zusammenschließen. Die Regionen 1 (Ense, Werl, Wickede) und 8 (Brilon, Marsberg, Olsberg-Bestwig) sind ja schon auf diesem Weg. In den nächsten Jahren wird die Landkarte unseres Kirchenkreises komplett neu gezeichnet werden.

 

Wie nehmen Sie die Stimmung in den Gemeinden wahr?

Da schreit niemand „Hurra!“ Es jammert aber auch niemand und ruft „Verrat!“! Die beliebten Strategien der Verdrängung – Schuldzuweisungen an andere, Schönreden der eigenen Bilanz – greifen nicht mehr. Die Presbyterien und Pfarrpersonen blicken realistisch auf die Lage. Das macht es einfacher bei der konkreten Planung. Wie geht es den Menschen damit innerlich? Ich höre Unterschiedliches. Einige Presbyterien berichten mir, dass die Gemeindebasis wegzubrechen droht. Da melden sich Traurigkeit und Angst. Andere Presbyterien berichten, Gemeindeglieder nähmen die neuen Formate an, die entwickelt werden. Verunsichert sind wir alle.

 

Was macht Ihnen in dieser Beziehung Mut?

Gerade in der Konfirmandenarbeit haben wir zusammen mit den hauptamtlichen JugendreferentInnen der Jugendkirchen tolle Modelle einer zeitgemäßen Konfirmandenzeit entwickelt, mit einem bunten Programm an Veranstaltungen, begonnen bei dem klassischen wöchentlichen Treffen vor Ort über regionale Projekttage bis zu längeren Freizeiten mit anderen Kirchengemeinden. Die Jugendlichen nehmen das gerne an. Viele wollen hinterher als Mitarbeiter („Teamer“) dabeibleiben.

 

Offenbar kommt auch der Arbeit in den Kitas eine immer größere Bedeutung zu.

Das ist richtig. Kürzlich habe ich die Abschlussarbeiten bei der Langzeitfortbildung Religionspädagogik für die Kindertagesstätten gesehen. Es hat mich angerührt zu sehen, mit welchem Eifer und welcher Freude Erzieherinnen und Erzieher biblische Geschichten für Kinder inszeniert haben. Diese Kreativität steckt an. Unsere Kitas werden so zu Orten kirchlichen Lebens. Auf der Mitarbeitenden-Klausur dieses Jahres haben wir zum ersten Mal nicht nur unter Pfarrpersonen getagt, sondern mit vielen verschiedenen Mitarbeitenden aus allen Bereichen des Kirchenkreises – von der Assistentin im Kita-Verbund über den Gemeindepfarrer bis zum Klimaschutzmanager zwei volle Tage verbracht. Thema war: Teams bilden aus unterschiedlichen Professionen. Wir haben viel voneinander gelernt, aufeinander gehört und miteinander gelacht. Unsere Kirche lebt.

 

Mit dem Luca-Projekt ist eine weitere Idee am Start, mit der Menschen für Glaube und Kirche begeistert werden sollen. Was steckt konkret hinter Luca?

Anfang des Jahres 2025 schrieb mir ein fünfjähriger Junge aus einer unserer Kitas folgende Mail: „Hallo Herr Schilling, danke für deine E-Mail! Ich glaube, dass Gott sich selbst erschaffen hat. Er wollte nämlich mal was richtig Großes machen und hat dann alles erfunden (Mond, Stern, Nacht, Menschen, Dinosaurier ……)

Ich glaube, Gott ist wie Luft. Man kann ihn nicht sehen, aber spüren. Er kann durch uns durchgehen und fühlt, wie es uns geht. 

Wenn wir fröhlich oder traurig sind, merkt er das und hilft uns. 

Man kann ihm das sagen, aber man muss nicht. Er weiß es trotzdem. Und das fühlt sich schön an. Ich fühle mich sicher.

Gott mag es nicht, dass Menschen sich weh tun und lügen. Wenn sie einen Laser erfinden, um sich weh zu tun, schickt er Wassertropfen

um ihn kaputt zu machen. Er muss nicht auf der Welt sein um sein Werk zu sehen, er spürt es.

Tschüss (Name des Kindes)“.

 

Beeindruckend diese Gedanken eines Kindergartenkindes

Ja, das haben wir uns auch gesagt. Dieser Text von „Luca“ – so lautet der Deckname des Jungen – hat eine bunt gemischte Gruppe aus dem Kirchenkreis (aus dem Pfarrdienst, Kita, Erwachsenenbildung, Öffentlichkeitsarbeit) inspiriert, zehn Koffer, die sogenannten „Luca-Koffer“ auf eine Reise durch den Kirchenkreis zu schicken. Auf der Sommersynode haben wir die Koffer mit einem feierlichen Gottesdienst an die Regionen und Gemeinden übergeben.

 

Was ist in den Koffern?

Darin befinden sich Bücher, Spiele, biblische Geschichten, Bilder, Lieder, Requisiten, und noch vieles mehr. Diese Materialien für Menschen aus allen Altersstufen gedacht, vom Kindergarten an bis zur Seniorengruppe, für Jugendliche, junge Erwachsene, Eltern – eben für alle. Die Luca-Koffer werden bis zu den Sommerferien 2027 durch den Kirchenkreis wandern. Jeder und jede soll sich aus dem Koffer bedienen, um eigene Antworten auf die Frage zu finden: „Was denkst du von Gott?“ Die gefundenen Antworten werden aufbewahrt.

Auf der Sommersynode unseres Kirchenkreises im nächsten Jahr werden die „Luca-Koffer“ wieder eingesammelt, zusammen mit den Schatzkisten, in denen alle Ergebnisse des Projektes stecken. Diese Schätze wird das Projekt für die Vorbereitung eines Abschlussfestes verwenden. Das Fest soll am 26. September nächsten Jahres in Arnsberg stattfinden. Es wird mit der Uraufführung eines eigens für das Projekt geschriebenen Musicals, dem „Luca-Musical“, gekrönt.

zurück zur Übersicht