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Teil einer großen Familie

27.8.2026

Pianist David Yolono Mayo fand in Soest durch die Musik Freunde

David Yolono Mayo verbindet in seinen Eigenkompositionen Modern Jazz mit dem Rhythmen seiner zentralafrikanischen Heimat. Fotos: Klaus Bunte

Von Klaus Bunte

 

Soest. „Wo Worte aufhören, fängt die Musik an“, soll der große deutsche Dichter Heinrich Heine einst gesagt haben. Ob man Heine im Kongo kennt, wo Französisch Amtssprache ist, sei man dahingestellt. Wie wahr diese Worte sind, erlebt derzeit jedoch David Yolono Mayo. Er kam nach Deutschland – nicht als Germanist, sondern als Pianist, als studierter Berufsmusiker, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, aber mit einer Musikalität, die für sich spricht.

 

Nach Deutschland und nach Soest verschlug es ihn nicht freiwillig. Mayo studierte zunächst am „Institut National des Arts (INA)“, der staatlichen Musikhochschule in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Anschließend vertiefte er seine Ausbildung an einer Jazzschule. Daneben begleitete er zahlreiche Künstler und gab selbst Unterricht.

 

Seine Heimat musste er aus politischen Gründen verlassen. Die Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo bleibt bis heute äußerst angespannt. Nach Angaben von Caritas international liefern sich die kongolesische Armee und bewaffnete Gruppen – darunter die Rebellengruppe M23 – seit Jahren schwere Kämpfe. Millionen Menschen sind auf der Flucht, Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, Vertreibungen und eine prekäre humanitäre Versorgung prägen vielerorts den Alltag.

 

„Mir wurde vorgeworfen, Informationen an M23 weitergegeben zu haben“, erzählt Mayo. Die Anschuldigungen seien haltlos gewesen. Ausreichend für den Verdacht sei gewesen, dass er engen Kontakt zum Vorsitzenden der politischen Partei MLP gehabt habe, der sich später der M23 angeschlossen habe. „Man begann nach mir zu suchen“, schildert Mayo. Er sei verfolgt worden und habe um sein Leben gefürchtet. Deshalb habe er den Kongo verlassen und in Deutschland Schutz gesucht.

 

Seit einem Jahr lebt er in Deutschland und hat bereits erste Deutschkurse besucht. Die Prüfung auf dem Niveau B1 – also der Stufe, auf der man sich im Alltag, auf Reisen und im Beruf selbstständig verständigen kann – hat er schon absolviert.

 

Natürlich suchte er nach Möglichkeiten, weiter Musik machen zu können. Über das Internet erfuhr er von der monatlichen Session der Jazz-Interessengemeinschaft Soest im „Alten Schlachthof“ und war bereits eine Stunde vor Beginn dort. „Die Musiker bauten gerade ihre Instrumente auf. Ich stellte mich vor, wurde sehr herzlich aufgenommen und wir begannen, gemeinsam zu musizieren. Sie mochten mein Spiel und wir verstanden uns sofort sehr gut. Von da an luden sie mich immer wieder zu den Sessions ein.“

 

An einem dieser Abende lernte er Stephan Panning kennen – wie Mayo ein Neu-Soester, wenngleich a) freiwillig, nämlich der Liebe wegen, und b) mit deutlich kürzerer Anreise, nämlich aus Osnabrück. Er ist beruflich kein Musiker, sondern Psychotherapeut, dafür im Hobby aber umso leidenschaftlicherer Schlagzeuger.

 

Für Panning war sofort klar, dass ihm ein außergewöhnlicher Musiker gegenübersaß: „Er spielt einfach fantastisch. Besonders beeindruckt hat mich sein rhythmisches Gespür. Für mich als Schlagzeuger ist Rhythmus entscheidend. Da habe ich sofort gemerkt: Da kann ich mich wunderbar reinhängen.“

 

Worte seien zunächst kaum nötig gewesen: „Wir haben gar nicht groß gesprochen. Wir haben musikalisch gemerkt, dass es passt. Ich bin sofort eingestiegen – und die Verbindung war direkt da.“

 

Panning sieht in Mayo weit mehr als einen exzellenten Pianisten. Als Musiker aus Zentralafrika bringe er eine musikalische Prägung mit, die in Europa nur selten zu erleben sei. „Er verbindet afrikanische Musik mit traditionellem Jazz“, beschreibt er den Stil seines Bandkollegen. Dessen Eigenkompositionen seien eingängig, rhythmisch und tanzbar, zugleich aber voller raffinierter rhythmischer Verschiebungen. „Wer sich mit Rhythmik auskennt, entdeckt darin viele Feinheiten. Wer das nicht tut, kann die Musik trotzdem einfach genießen.“

 

Schließlich gründeten sie die Band „Mayo Jazz“ gemeinsam mit dem Soester Gitarristen Frieder Otterbach und dem Düsseldorfer Jonathan Baku. Den lernte Mayo über eine kongolesische Gemeinde in Duisburg kennen, deren Gottesdienste er regelmäßig besucht. Baku, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, spricht fließend die Sprache seiner Vorfahren.

 

Dadurch ist er nicht nur Bassist der Band, sondern zugleich ihr Dolmetscher. Denn das Französisch des Kongo unterscheidet sich deutlich von dem, das an deutschen Schulen gelehrt wird – weniger in der Grammatik als vielmehr in Aussprache, Wortschatz und Sprachgebrauch.

 

Mayos Ziel: „Wir möchten die Musikkultur fördern. Überall, wo wir auftreten, erhalten wir viel Zuspruch, und wir werden häufig erneut eingeladen.“ Davon können die Veranstalter der Lippetaler Kleinkunstmanufaktur ein Lied singen, als die Band dort im April im Rahmen eines gemischten Programms die Besucher von den Plätzen riss.

 

Mayo weiter: „Ich fühle mich inzwischen mit allen Musikern wie in einer großen Familie. Wir unterstützen uns gegenseitig und teilen miteinander, was wir haben. Unser Ziel ist es, mit Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten und eine Art musikalisches Labor der Welt zu schaffen – einen Ort, an dem Rhythmen und Harmonien aus unterschiedlichen Kulturen zusammenkommen. Es gibt so viele Musikrichtungen, die kaum gespielt werden. Deshalb möchten wir dazu beitragen, sie bekannter zu machen. Das ist das Projekt, an dem wir arbeiten.“

 

An eine Rückkehr denke der Kongolese derzeit nicht: „Ich habe verstanden, dass ich hier in Deutschland sicher bin“, sagt er. Deshalb wolle er bleiben, seinen Weg fortsetzen und sich hier eine Zukunft aufbauen: „Das ist mein Wunsch.“

Mitte April begeisterte das Quartett mit Stephan Panning, Jonathan Baku, Frieder Otterbach und David Yolono Mayo (von links) die Besucher der Kleinkunstmanufaktur in St. Albertus Magnus Hovestadt.

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