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Eine Fabrik, in der sich gut leben lässt

3.9.2026

25 Jahre Bördewerkstatt Herzfeld: Arbeit, die Teilhabe schafft

Seit 25 Jahren finden Menschen mit Behinderungen, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt in der Regel schwerhaben, in der Herzfelder Perthes-Einrichtung Arbeit. Foto: Klaus Bunte

Von Klaus Bunte

 

Herzfeld. 25 Jahre mögen sich in Relation zur Geschichte der Menschheit oder gar der Erde wie ein Sandkorn in der Wüste ausnehmen. Für die Menschen, die hier arbeiten, bewirkt dieser Ort seit einem Vierteljahrhundert jedoch etwas, das ihr ganzes Leben bestimmt: Teilhabe am Arbeitsleben mit Kollegen, eine sinnvolle Tätigkeit, ein Entgelt und Rentenanspruch.

 

Am 8. September 2001 nahm der Betriebsteil Herzfeld der Bördewerkstätten seine rehabilitative Arbeit auf.

Vier Standorte gehören heute zu den Bördewerkstätten: Die Klevinghaus-Werkstatt in Soest, die Wichern-Werkstatt in Werl und der Betriebsteil Herzfeld richten sich an Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen, der Börde-Industrie-Service (BIS) in Werl dagegen an Menschen mit psychischen Erkrankungen.

 

Herzfeld ist der einzige Standort außerhalb von Soest und Werl – und das aus gutem Grund. Vor 25 Jahren gab der LWL den Hinweis, dass der Bedarf an Beschäftigungsmöglichkeiten im Altkreis Soest deutlich gestiegen sei. Dies war die Gelegenheit, auch in der Gemeinde Lippetal ein solches Angebot zu schaffen. Da passte es dann auch gut, dass Lippetal für Lieferanten und Empfänger, die über die A2 kommen, eine bessere Verkehrsanbindung bietet; während die beiden Städte unmittelbar an der A44 liegen.

 

Vor allem aber sollte die Arbeit zu den Menschen kommen. Auch in Lippetal gibt es Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Viele heutige Beschäftigte leben in der Gemeinde Lippetal und haben seither eine Arbeitsmöglichkeit in Herzfeld.

 

Anfang der 1990er-Jahre waren die bestehenden Werkstätten in Soest und Werl ausgelastet. Mit dem Neubau in Lippetal sollte Platz für 120 Beschäftigte entstehen, darunter zwei Gruppen mit jeweils acht Plätzen für Menschen mit Schwerstmehrfachbehinderungen. Zugleich sollte die Werkstatt wohnortnahe Arbeit für Menschen aus Lippetal und den umliegenden Gemeinden ermöglichen.

 

Auch architektonisch war das Konzept auf Offenheit und Zukunft ausgerichtet. Der Neubau sollte Tageslicht, kurze Wege und flexible Arbeitsbereiche bieten und Erweiterungen ermöglichen. Die Gemeinde Lippetal stellte dafür ein rund 15.000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung. Die Werkstatt sollte Teil des Ortes sein und Menschen mit Behinderungen stärker am örtlichen Leben teilhaben lassen.

 

Beim offiziellen Baubeginn 1998 war von einem „8-Millionen-Projekt“ die Rede. Bei der Eröffnung 2001 brachte Joachim Gengenbach, Vorstandsmitglied des Perthes-Werks (heute Perthes-Stiftung), den Anspruch auf die Formel: „Dies ist eine Fabrik, in der es sich auch leben lässt.“ Eine Arbeitsstätte also, die wirtschaftlich funktionieren, zugleich aber die Bedürfnisse und Lebensqualität der Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen sollte.

 

Grundidee hat sich seit vielen Jahren bewährt

 

Diese Grundidee ist geblieben: wohnortnah arbeiten, möglichst selbstbestimmt tätig sein und dabei Teil der Gemeinde sein. Heute arbeiten die Beschäftigten in den Bereichen Metall, Garten- und Landschaftspflege, industrielle Montage sowie Verpackung für Firmen aus Industrie und Handel.

 

Doch auch die Börde-Werkstätten bekommen die wirtschaftlichen Veränderungen zu spüren. Zugleich hat sich der Arbeitsmarkt verändert. „Die schwierige wirtschaftliche Lage zeichnet sich bei uns auch darin ab, dass die Zahl der Bewerbungen im technischen und pflegerischen Bereich stark gestiegen sind, sie hat sich vervielfacht. Wir haben in diesem Bereich keinen Fachkräftemangel mehr“, berichtet Dreiucker.

 

Menschen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, suchten zunehmend eine sichere Existenz bei einem tariflich orientierten kirchlichen Träger.

Wer hier arbeiten wolle, brauche allerdings mehr als fachliche Qualifikation, sagt Katharina Fabian, Leitung Begleitende Dienste und Qualifizierung: „In dieser Arbeit zeigt sich schnell, wer die nötige Empathie und das Gespür mitbringt, auf unterschiedliche Menschen und ihre individuellen Situationen einzugehen.“

 

Auf der anderen Seite geht die Zahl der Beschäftigten zurück. Die Boomer-Generation geht nach und nach in Rente, zugleich gibt es inzwischen weitere Anbieter beruflicher Bildung und andere berufliche Wege. Dennoch vermittle man jedes Jahr einige Beschäftigte auf den ersten Arbeitsmarkt. „Das ist ja unser Auftrag“, sagt Fabian. In manchen großen Unternehmen der Region seien ganze Arbeitsgruppen tätig.

Eine besondere Herausforderung sieht Dreiucker bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

 

Manche fänden den Weg in die Werkstatt gar nicht erst: „Unsere Vermutung ist, dass sie ohne Tätigkeit zu Hause sind. Das hat sich seit Corona verstärkt.“ Die Pandemie habe Möglichkeiten zum Hospitieren und zum persönlichen Austausch eingeschränkt. Manche, die auf den ersten Arbeitsmarkt gewechselt seien, kehrten später in die Werkstatt zurück: „Sie meinten, jetzt wüssten sie wieder, was sie krank gemacht hat.“

 

Und schließlich bekommen die Werkstätten auch die Nöte ihrer Kunden zu spüren – im Extremfall dann, wenn Unternehmen ins Ausland abwandern und damit auch nicht mehr in den Einrichtungen produzieren lassen.

 

Mitten im Herzfelder Gewerbegebiet gelegen hat sich die Einrichtung besens etabliert. Foto: Hans-Albert Limbrock

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