Nachrichten

Nicht ständig in der Opferrolle

24.9.2026

Bestsellerautorin Florence Brokowski Shekete kommt nach Meschede

Kommt im Rahmen der Interkulturellen Woche nach Meschede: Bestsellerautorin Florence Brokowski Shekete. Foto: Tanja Valérien

Meschede. Sie hat das alles miterlebt. Schon als Kind hat Florence Brokowski Shekete erfahren, was es heißt, eine andere Hautfarbe zu haben. Doch der alltägliche Rassismus war für sie kein Grund, wieder das Land zu verlassen, in das sie als Kind nigerianischer Eltern 1967 hineingeboren wurde. Und auch als ihre Eltern wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind, ist Deutschland nach kurzer Unterbrechung wieder ihre Heimat geworden.

 

Mit Unterstützung der Evangelischen Paulusgemeinde und einer deutschen Frau („Meine Mama“) ist sie hier aufgewachsen, hat Abitur gemacht, studiert und ist heute als Podcasterin und Spiegel-Bestsellerautorin („Mist, die versteht mich ja“) bundesweit bekannt geworden. Zudem war sie die erste schwarze Schulamtsdirektorin in der Geschichte von Deutschland.

 

Im Rahmen der Interkulturellen Woche ist sie am Freitag, 2. Oktober, um 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Meschede zu Gast, wird aus ihren Büchern lesen und mit den Anwesenden diskutieren. Elisabeth Patzsch, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit und Hans-Albert Limbrock, Öffentlichkeitsreferent im Kirchenkreis Soest-Arnsberg haben mit ihr im Vorfeld der Veranstaltung sprechen können.

 

Sie bezeichnen sich als schwarze Deutsche. Welche Weichen in Ihrer Lebensgeschichte haben dazu geführt, dass Sie sprachlich und kulturell so eindeutig deutsch sind?

Florence Brokowski Shekete: Ich bin ja weitgehend in einer deutschen Familie mit meiner deutschen Mama aufgewachsen und dementsprechend erzogen worden. Das war der Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben.

 

Sie wollten also nie wirklich zurück nach Nigeria, in das Heimatland ihrer Eltern?

Ich habe das ja versucht, dort von 1976 bis 1979 gelebt und die deutsche Schule besucht. Aber das Leben dort war mir so fremd, dass ich zurück nach Deutschland wollte und dann mit 12 Jahren auch wieder hierhin zurückgekehrt bin.

 

Sie fühlen sich demnach auch nicht als klassisches Flüchtlingskind?

Nein, ganz sicher nicht. Ich bin ja nicht vor irgendetwas geflohen, etwa vor Krieg, Verfolgung oder den wirtschaftlichen Verhältnissen. Das habe ich alles nicht erlebt. Ich hatte einfach nur Heimweh nach Deutschland, weil mir das zur Heimat geworden war.

 

Wie waren dann später ihre Erfahrungen als Frau mit schwarzer Hautfarbe in diesem Land?

Wenn Sie jetzt auf Rassismus anspielen: Ja, den habe ich erlebt, erlebe ich auch heute noch. Ich glaube, dass man als Mensch mit einer anderen Hautfarbe grundsätzlich härter arbeiten muss. Man braucht mehr Energie, mehr Durchsetzungsvermögen und in jedem Fall eine größere Resilienz. Man muss schon eine Menge Hürden überwinden.

 

Was war Ihnen auf Ihrem Weg, eine Rolle in der Gesellschaft zu finden und auch Karriere zu machen, besonders wichtig; was hat Ihnen persönlich geholfen?

Man darf sich nicht permanent in eine Opferrolle begeben. Sich ständig ins Tal der Tränen zu begeben, hilft nicht. Mir hat zudem ein Unterstützerkreis von lieben Menschen geholfen, die immer für mich da waren; auch und gerade in schwierigen Phasen. Zudem versuche ich jetzt, wo ich einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht habe, mein privates Leben, völlig aus der Öffentlichkeit fernzuhalten.

 

Zuletzt haben die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern der AfD deutliche Stimmengewinne im hohen zweistelligen Bereich gebracht. Macht Ihnen das Angst, dass sich dieses Land so verändert, dass Sie sich hier nicht mehr wohlfühlen können. Das Deutschland nicht mehr Ihre Heimat sein kann?

Nein, Angst macht mir das nicht. Ich habe auch mit diesen Ergebnissen gerechnet. Das hat mich nicht wirklich überrascht. Aber ich kann verstehen, dass Migrantinnen und Migranten große Sorgen und vielleicht auch Angst haben. Die meisten von ihnen haben alles getan, um sich hier anzupassen; so zu leben, wie das die Mehrheit in der Gesellschaft von ihnen erwartet. Und nun sollen sie nicht mehr zu diesem Land gehören? Das macht auch mich betroffen und traurig und manchmal auch wütend. Ich hoffe, es gelingt weite Teile der Gesellschaft in diese Beziehung wieder zu einem Umdenken zu bewegen.

zurück zur Übersicht