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Kleines Gotteshaus mit großer Strahlkraft

24.9.2026

St. Matthias Meiningsen wird dauerhaft zur Meditationskirche

Lichtkünstlerin Christiane Kling, Presbyter Horst Junker und Dr. Heide Mertens, Vorsitzende des Fördervereins der ev. Kirchengemeinde Meiningsen, blicken auf etliche Stunden Arbeit zurück, nun aber in eine buchstäblich strahlende Zukunft der St.-Matthias-Kirche. Fotos: Klaus Bunte

Von Klaus Bunte

 

Meiningsen. „Begrüßung und Erklärung“ steht auf der obersten Schaltfläche des Touchscreens. Wer sie anklickt, hört als Erstes sanfte Klaviermusik aus den vier Lautsprechern. „Herzlich willkommen in unserer Kirche“, begrüßt eine nicht minder sanfte Stimme den Besucher.

 

„Das Besondere an dieser Kirche möchten wir Ihnen nun erläutern. Eine Kirche soll ein Ort sein, in dem der Besucher zur Ruhe kommen, Kraft schöpfen oder einen Zuspruch bekommen kann. In diese Kirche möchten wir Sie in einer ganz besonderen Weise einladen. Sie können sich individuell nach Ihrer eigenen Stimmung die Atmosphäre der Kirche gestalten. Vielleicht sind Sie mit einem bestimmten Wunsch oder Anliegen in diese Kirche gekommen. Wählen Sie sich nun Atmosphäre und Gedanken aus, die Ihnen nun gerade entsprechen. Die Kirche wird dazu passend illuminiert. Musik, Meditation und wertvolle Gedanken möchten Sie ansprechen und in Ihrer Zeit hier in der Lichtkirche begleiten.“

 

Die Stimme gehört Pfarrer Lars Weber aus Marburg, der sich dieses „Mediale Kirchensystem“, kurz „MediaKi“, ausgedacht hat. Seine Homepage weist aktuell sechsundzwanzig Orte zwischen Braunschweig und Freiburg auf, in denen es installiert ist, darunter Werl-Holtum und Fröndenberg. Der 27. fehlt noch: Soest-Meiningsen. Kein Wunder, erst am 3. Oktober wird die Lichtkirche – bislang besser bekannt unter dem Namen St. Matthias – offiziell eröffnet. Nun wird sie dauerhaft zu einer Meditationskirche.

 

Kurzer Rückblick: Seit 2018 hat die Gemeinde keinen eigenen Pfarrer mehr, aber dafür eine Kirche und ein Gemeindehaus. Gemeinsam mit Möhnesee-Günne bildet sie bis Jahresende noch eine eigenständige Gemeinde, wird aber irgendwann Teil der geplanten Großgemeinde Soest werden. Gottesdienste finden nur noch zweimal monatlich statt, hinzu kommen Beerdigungen und Veranstaltungen des Fördervereins. Außerhalb dieser Zeiten blieb die Kirche geschlossen.

 

Schon vor acht Jahren gab es eine Zukunftswerkstatt, „und wir bekamen da bereits großen Rückhalt aus der Bevölkerung, diese Kirche als Kirche zu erhalten“, erinnert sich Dr. Heide Mertens, Vorsitzende des Fördervereins der Kirchengemeinde Meiningsen. Der ausschlaggebende Faktor war schließlich Lichtkünstlerin Christiane Kling, als sie 2010 das obere Stockwerk im Gemeindehaus als Atelier mietete und anbot, sich einzubringen.

 

Dies mündete in ein einzelnes Event im Oktober 2024, das so gut ankam, dass der Förderverein und das ehrenamtliche Presbyterium sich in ihren Plänen ausreichend bestärkt fühlten, einen Antrag zur Förderung durch das LEADER-Programm der EU zu stellen. Alle notwendigen Dokumente zusammenzutragen war harte Arbeit, erinnert sich Mertens, zum Lohn gab es den endgültigen Bescheid als Weihnachtsgeschenk.

 

Zu Jahresbeginn begann die Umsetzung „und Christiane Kling hat sich mit unserer Ortsvorsteherin Anja Heymann weit über die Stunden ihres Angebots eingebracht. Nun sind wir erschöpft, wollen es aber trotzdem feiern“, lobt Mertens den Einsatz der beiden Frauen.

 

Was also ist die Lichtkirche? Sie ist ein Ort der Meditation, mit dem MediaKi als Herzstück. Einige Elemente wurden von Webers Modell übernommen, so seine Stimme bei einzelnen Impulsen, Psalmen oder der Begrüßung. Einen Text zur Kirchengeschichte hingegen hat Anja Heymann eingesprochen. Die gesamte Lichttechnik und -steuerung dagegen geht auf Kling zurück.

 

Über das Pult können die Besucher je nach eigener Stimmung oder Motivation diese Elemente anwählen, Musik abspielen, darunter einen Rap über den barmherzigen Samariter, selbst das Licht können sie darüber einstellen.

 

Die Scheinwerfer aufzustellen dagegen war ein Kunststück für sich, Kling durfte schließlich nicht gegen den Denkmalschutz verstoßen, „wir mussten so mikroinvasiv vorgehen wie möglich mit der Technik“. Sprich, Bohren und Schrauben ist hier ein Sakrileg. Außerdem galt es natürlich, mit dem zu arbeiten, was vorhanden ist: „In St. Agatha in Holtum zum Beispiel ist nur der Altarraum beleuchtet, aber dort gibt es viele Sakralfiguren, Winkel und Ecken, die man gut ausleuchten kann. Das haben wir hier alles nicht.“

 

Stattdessen hat sie eine der ältesten Kirchen in der Soester Börde – das Langhaus stammt aus der Zeit um 1100. So richtig gerade ist da nichts, „es sieht aus wie modelliert“, beschreibt Kling den besonderen Charme der Architektur. Und den galt es zu erhalten: „Das soll ja kein Partyraum sein. Man soll den Raum schon mit Ehrfurcht betreten.“

 

Und die Kirche hat einen steinernen Boden, der durch einen dünnen Holzboden auf das gleiche Niveau gebracht wurde wie der leicht erhöhte Eingangsbereich. Die Kirche ist nun somit barrierefrei – nicht nur für die Beine, auch für die Augen: „Beim Betreten ist das jetzt ein ganz anderer Blick, geradezu ,ungebremst’ auf den Altar“, meint Presbyter Host Junker.

 

Denn neuerdings hat die Kirche einen Mittelgang, nachdem das Kirchenschiff bislang von durchgehenden Kirchenbänken verstellt war, die zum Glück nicht denkmalgeschützt waren und anderen Nutzungen zugeführt wurden. Ersetzt werden sie durch alte Stühle, die noch vorhanden waren und sich optisch gut in die Kirche einfügen. So ist der Raum nun auch nutzbar für Hochzeiten, Taufen oder alternative Formen liturgischer Feiern.

 

Geöffnet ist ab 4. Oktober täglich von 8 bis 20 Uhr, „raus kommt man immer“, betont Mertens, dass niemand befürchten müsse, in der Kirche eingeschlossen zu werden. Durch Bewegungsmelder wird das Licht eingeschaltet, zum Schutz vor Randalierern ist die gesamte Kirche videoüberwacht.

 

Info:

http://lichtkirche-meiningsen.de/; http://www.foerderverein-meiningsen.de/

Das Programm bis Jahresende

Samstag, 3. Oktober, 17 Uhr: Erntedankgottesdienst und offizielle Eröffnung

Dienstag, 24. November, ab 18 Uhr: Lesung „Bruderherz“ mit Autor Michael Gantenberg für das Kinder- und Jugendhospiz

Samstag, 5. Dezember, ab 17 Uhr: Weihnachtskonzert mit dem Sinfonischen Blasorchester Soest

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos, Spenden sind willkommen. Der Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung.

Christiane Kling mit dem Herzstück der Lichtkirche: dem „Medialen Kirchensystem“, das die Gemeinde von seinem Entwickler übernommen und in Teilen auf die eigenen Bedürfnisse angepasst hat.

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