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Warmer Regen für Dombauverein
1.10.2026
Erheblicher Nachlass erhöht den Spielraum für Investitionen

Von Klaus Fischer
Soest. Die Wiesenkirche hat jetzt eine neue Stiftung. Das beschlossen die Mitglieder des Westfälischen Dombauvereins während der Jahreshauptversammlung des Vereins. Die treuhänderische Stiftung wird in der Stiftung Deutscher Denkmalschutz verwaltet und von ihr vertreten.
Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass der Dombauverein, der Träger der Bauhütte ist, in diesem Jahr einen nicht unerheblichen Nachlass erhalten hat mit der Aufgabe, die Mittel einzusetzen für den Schutz und die Erhaltung der Wiesenkirche im Sinne des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege. Das erfuhren die Mitglieder von der Vorsitzenden Dr. Birgitta Ringbeck, die der Versammlung ein mit Notar, Politik, Gericht und Finanzamt abgestimmtes fertiges Konzept für die Gründung dieser Stiftung vorlegte.
In diesem Konzept – von der Sichtung des Nachlasses bis hin zu den Abstimmungen mit den Institutionen – steckt sehr viel ehrenamtliche Arbeit der Vorsitzenden und ihres Vertreters Gunther Rohrberg. Dafür erhielten die Vorsitzenden kräftigen Beifall von der Versammlung.
Während das Stiftungskapital, das übrigens durch weitere Zustiftungen erhöht werden kann, unangetastet bleibt, können die jährlichen Kapitalerträge für die Arbeit des Vereins genutzt werden, beispielsweise um den Pflicht-Eigenanteil bei verschiedenen Maßnahmen abzudecken, oder um das Stiftungskapital zu erhöhen.
Die Stiftung wird auch langfristig wirken, wenn eines Tages die jetzigen großen Sanierungsarbeiten beendet sein werden. Dann können aus den Erträgen der laufende Unterhalt und anfallende Reparaturen des Gotteshauses bestritten werden.
Da die Finanzen des Vereins gesund sind, was Kassierer Volker Kaiser vortrug, und da es vor einigen Wochen einen erfreulichen Zuwendungsbescheid der Landesregierung gegeben hatte, sind die Kosten für die Projekte der nächsten vier Jahre bereits finanziell gesichert.
Was das sein wird, trug Rohrberg, der auch der Dombaumeister an der Wiesenkirche ist, den Mitgliedern vor. Bis 2029 soll die Südseite der Kirche saniert werden. Dafür müssen der alte Fahrstuhl und die Gerüstplattform vorm Dachstuhl-Zugang abgebaut und die komplette Südseite eingerüstet werden. Der Zugang zum Dachstuhl wird auf die Nordseite verlegt.
Der gesamte Traufenbereich soll, wie schon am Südostchor geschehen, saniert und erneuert werden nach historischem Vorbild, um die „Bausünden“ der Sanierung in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts zu beheben. Dabei wird auch die Galerie mit den kleinen Fialtürmen komplett erneuert aus Obernkirchener Sandstein, dem beigefarbenem Material, das auch für die Erneuerung der beiden Türme verwendet wurde.
Größtes Projekt wird die Neueindeckung des Schieferdachs auf der Südseite sein. Die Schieferplatten, die rund 80 Jahre alt sind, haben ihr Lebensende erreicht und „zerbröseln“ inzwischen zunehmend. Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren geflickt.
Jetzt aber stürzen immer mehr Schieferplatten herab und landen in der Dachrinne. Im Bereich der Galerie sollen nach historischem Vorbild etliche Chimärenköpfe entstehen. Dafür werden die drei Mitglieder der Dombauhütte seit Monaten von einem Bildhauer-Künstler in der Gestaltung und Ausführung solcher Figuren angeleitet.
Nele Dreizehner und Jonathan Schulze, die beiden jungen Mitglieder der Dombauhütte, haben dafür gesorgt, dass Bauhütte und Dombauverein in den sozialen Medien, etwa Instagram, vertreten sind, um jüngere Menschen für die Arbeit an der Wiesenkirche gewinnen und begeistern zu können. Dazu gehörte auc ein Projekt mit der Aktion „Türen auf mit der Maus“ des WDR, wenn Kinder die Arbeit in der Bauhütte kennenlernen.
Zur Sprache kam während der Sitzung auch der Vorfall vor einigen Tagen, als „Turmkletterer“ unbefugt und ungesichert bis auf die Turmspitze geklettert waren. Bauhüttenmeister Thomas Gißke, der mit der Vorsitzenden damals die Arbeit der Polizei unterstützt und nach den Kletterern – vergeblich - gesucht hatte, äußerte sein völliges Unverständnis für diese lebensgefährliche Aktion und bekam dafür die breite Zustimmung der Mitglieder.
Die Versammlung stimmte auch einer Satzungsänderung des Vereins zu in Bezug auf den Namen der Gemeinde, die zum neuen Jahr in Kraft treten soll, wenn die derzeit vier evangelischen Soester Gemeinden fusionieren und dann die Evangelische Kirchengemeinde Soest bilden.
Nicht zuletzt stellte die Vorsitzende eine neue Publikation von Wilhelm Burger vor, die die wertvollen Glasfenster als Thema hat. Sie kann in der Kirche und beim Verein erworben werden.
