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Hein Blöd in der Dombauhütte

15.10.2026

Soester Wiesenkirche beteiligt sich am Maustag des WDR

Mehrere Gruppen bauten den Tag über das Gewölbe immer wieder neu auf und lernten dabei, wieso die Statik ohne Kitt oder Mörtel trägt. Fotos: Klaus Bunte

Von Klaus Bunte

 

Soest. „Das ist kein Schlussstein, sondern ein Schlusshein“, grinst Thomas Gißke, als die Kinder die Verzierung auf dem Stein sehen: Es ist Leichtmatrose Hein Blöd, Käpt’n Blaubärs treuer Gefährte aus der „Sendung mit der Maus“. Doch der Steinbildhauermeister schiebt direkt hinterher: „Weder das Wortspiel noch die Entwicklung des Steins gehen auf mein Konto. Die Ehre gebührt Nele.“

 

Aber Kollegin Nele Dreizehner ist gerade im Nebenraum beschäftigt, lässt einige Kinder und Jugendliche mit Hammer und Meißel auf einen großen Grünsandsteinblock los.

 

Im Kirchenbau sei es Tradition, dass der Schlussstein eines Gewölbes mit einem Bild verziert werde, erklärt Gißke. „Nun befinden wir uns ja in der Dombauhütte an keinem ganz so heiligen Ort, da kann man das schon mal machen.“

 

Gißke und seine jungen Kollegen Dreizehner und Jonathan Schulze haben das Projekt für den Maustag entwickelt und sich damit erfolgreich für den bundesweiten Aktionstag des WDR beworben, an dem insgesamt 950 Unternehmen, Handwerksbetriebe, Labore, Feuerwehren oder Theater ihre Türen öffnen, um Kindern spielerisch Einblicke in Berufe, Technik, Natur und Alltagsabläufe zu ermöglichen.

 

In der Dombauhütte bauen die Kinder also das Modell eines Gewölbes auf. Die Steine sehen täuschend echt aus, sind aber nur aus Styropor und grünsandsteinfarben bemalt, werden auf ein hölzernes Leergerüst gelegt, und sobald der Schlussstein, seinem minimalen Gewicht zum Trotz, zu Demonstrationszwecken dennoch ganz fachgerecht mit einem Hallenkran auf die Spitze befördert wird, hält die Konstruktion ohne jede Art von Kleber oder Mörtel – angewandte Physik, die man schon im Mittelalter kannte, als die gotische Hallenkirche erbaut wurde.

 

Die Teilnahme an den Maustag-Veranstaltungen ist für Kinder und Familien in der Regel kostenlos, so auch hier. Die Kosten für diese Aktion hat der Dombauverein durch Spenden aufgebracht, denn es gehe um mehr als Spaß: „Es ist wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche für das Handwerk interessieren und begeistern und an die Berufe des Steinmetzes und des Steinbildhauers heranführen, um sie an die nächste Generation weitergeben zu können“, betont Dr. Brigitta Ringbeck als Vorsitzende des Dombauvereins.

 

Die Mitarbeiter opfern für die Aktion ihre Freizeit. Ein Kind fragt Dombaumeister Gunther Rohrberg sogar, warum sie heute arbeiten, ohne dafür Geld zu bekommen. Seine Antwort: „Man muss nicht für alles Geld bekommen. Manchmal reicht als Belohnung auch Euer Lächeln.“

Die Veranstaltung ist ausgebucht, ein Blick auf die Internetseite des Maustags zeigt, dass dies durchaus nicht überall der Fall ist.

 

Auch im Raum Hagen gäbe es noch offene Angebote. Dennoch haben trotz der hohen Spritpreise Katja und Markus Buchinski mit Tochter Tilda eigens die rund 60 Kilometer Anfahrt auf sich genommen, um in die Dombauhütte zu kommen. „Wir haben natürlich genau geschaut, was interessant sein könnte für unsere Tochter und wo sie auch aktiv werden kann. Doch was in Hagen angeboten wird, das kennen wir einfach alles schon – und wir mögen einfach diese Region“, so das Ehepaar.

 

Vertreter des WDR waren nicht vor Ort, um die Aktion für die „Sendung mit der Maus“ zu filmen – wie auch bei knapp 1000 zeitgleichen Veranstaltungen. Lediglich in der Lokalzeit gab es vorab einen Bericht. Dabei wäre ein kindgerechter Beitrag in der „Sendung mit der Maus“ sicherlich lohnenswert, um Kindern zum einen zu zeigen, dass es neben dem Kölner Dom noch andere schöne Kirchen gibt und zum anderen, warum es sich lohnt, solch alte Gemäuer der Nachwelt zu erhalten. Vielleicht beginnt ja wirklich einmal ein Beitrag mit den Worten: „Das – ist ’ne Kirche mit zwei Türmen. Sieht aus wie der Kölner Dom, isser aber nicht. Klingt komisch, ist aber so.“

In einem anderen Raum der Dombauhütte versuchten sich Kinder mit Hammer und Meißel als Steinmetze.

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