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Ratlosigkeit und Ohnmacht

15.10.2026

Unterwegs mit der Kirchenasylausstellung unter erschwerten Bedingungen

In vier Kirchengemeinden wurde die Ausstellung zum Kirchenasyl in den Sommermonaten präsentiert.

Von Elisabeth Patzsch

 

Kirchenkreis. Wie schon im vergangenen Jahr wanderte die Kirchenasylausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ von Mitte Juli bis Anfang Oktober wieder durch den Kirchenkreis.

 

Nach den Verschärfungen durch das neue GEAS und die daraus resultierende Praxis von einigen Zentralen Ausländerbehörden in NRW, die Überstellungsfrist auch im Kirchenasyl um drei Jahre zu erhöhen, schwangen in den Veranstaltungen und Gottesdiensten auch Wut, Ratlosigkeit und Ohnmacht über die aktuellen Entwicklungen mit.

 

Dennoch konnte die Ausstellung mit Brot, Bett, Beziehungen, Rettungsweste und den Geschichten von Geflüchteten, deren Perspektive sich durch ein Kirchenasyl entscheidend verbessert hat, wieder viele Menschen im Kirchenkreis berühren und bewegen.

Die gesamten Sommerferien über stand die Ausstellung beeindruckend aufgebaut in der Soester Wiesenkirche und konnte dort von Hunderten von Tourist:Innen betrachtet werden. Es gab viele positive Rückmeldungen.

 

Anfang September wurde die Ausstellung in der Evangelischen Kirchengemeinde Meschede aufgebaut. Intensiv beschäftigte sich dort eine Gruppe von Konfirmanden:Innen mit dem Thema Flucht und Kirchenasyl. Die Konfirmanden gestalteten dann auch den gut besuchten Sonntagsgottesdienst zur Ausstellung mit. Im Anschluss an den Gottesdienst lud ein internationales Buffet zum Verweilen ein. Mehr als siebzig Menschen folgten der Einladung ins Gemeindehaus. Dank der von Geflüchteten zubereiteten Speisen wurden alle satt.

 

Mitte September folgte ein Themenabend mit dem Titel „Zuflucht bleibt notwendig – Kirchenasyl unter den Bedingungen des verschärften europäischen Asylsystems“. Die Experten Benedikt Kern (ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche) und Pfarrerin Kristina Ziemssen (Kirchenasylgemeinde Geseke) berichteten eindrücklich aus ihrer Praxis und von ihrem Umgang mit den Verschärfungen.

 

Auch die Pfarrkonferenz fiel in die Zeit der Ausstellung in Meschede. Die Andacht zum Thema Flucht und Gastfreundschaft und die Rollups im Gemeindesaal brachte auch diese Gruppe zum Nachdenken.

 

Ende September wurden die orangenen Ausstellungsstücke in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde Ense aufgebaut. Auch dort gab es einen anregenden Konfirmandennachmittag zu der Thematik. Am Sonntagnachmittag folgte eine Austauschveranstaltung zur Arbeit mit Geflüchteten in Ense. Auch Infos zum Thema Kirchenasyl standen auf dem Programm. Es folgte ein Abendgottesdienst mit Vorstellung einiger Geschichten aus der Ausstellung.

 

Die letzte Station der Ausstellung war die Evangelische Kirchengemeinde Marsberg. Dort rahmte die Ausstellung das gut besuchte wöchentliche Sprachcafé ein und regte Migrant:Innen an, in beeindruckender Weise von ihrer eigenen Entscheidung zur Flucht, ihrem Fluchtweg und ihrem oft auch schweren Ankommen in Deutschland zu erzählen. Der Sonntagsgottesdienst zur Kirchenasylausstellung fiel auf das Erntedankfest.

 

Was zunächst nach einem Spagat aussah, fügte sich zu einem bewegenden Gottesdienst über das Teilen zusammen. In der Dialogpredigt wurden besonders das Bett, das Brot und die Tischgemeinschaft in den Blick genommen.

 

Die Erfahrungen der Marsberger:Innen aus fast zehn Jahren intensiver Kirchenasylarbeit wurden dabei lebendig und machte nochmal deutlich, dass diese Arbeit die Gemeinde reicher gemacht hat. Viele ehrenamtlich Engagierte waren anwesend, studierten beim Kirchcafé interessiert die Gesichter und Geschichten auf den Rollups und zogen Vergleiche zu den Geflüchteten, die sie begleitet haben.

 

So wurde das Unterwegssein mit der Ausstellung wieder zum Segen. An allen vier Stationen konnten Menschen für das Thema sensibilisiert und erwärmt werden. Die belastenden Verschärfungen wurden publik gemacht. Auch das gemeinsame Beten für die Menschen im Kirchenasyl und ihre Unterstützer:Innen hat uns gestärkt. So wird die Ausstellung sicher auch in Zukunft wieder bei uns zu Gast sein.

Pfarrerin Kristina Ziemssen berichtete anschaulich über ihre jahrelangen Erfahrungen mit dem Thema „Kirchenasyl“. Fotos: Eilsabeth Patzsch

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