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Schwarzweiß-Denken und volle Schubladen

5.11.2026

Autorin Florence Brokowski Shekete zu Gast im evangelischen Gemeindehaus

Carina Hesse von der Flüchtlingsberatung (li.) und Elisabeth Patzsch, Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises (re.) moderierten den spannenden Leseabend aus der Interkulturellen Woche mit Autorin Florence Brokowski Shekete.

Von Frank Albrecht

 

Meschede. Sie war sicherlich einer der Höhepunkte der Interkulturellen Woche in Meschede: die Lesung mit der Autorin Florence Brokowski Shekte im evangelischen Gemeindehaus. Mehr als hundert Gäste folgten der Einladung des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg sowie der Diakonie Ruhr-Hellweg in den großen Saal. Der Gemeindesaal war Dank des großen Interesses gut gefüllt, und es mussten noch Stühle für die vielen Gäste gestellt werden.

 

Mit der Autorin hatten auch Elisabeth Patzsch, die Flüchtlingsbeauftrage des Kirchenkreises, sowie Carina Hesse von der Flüchtlingsberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg im Gesprächskreis vor dem Publikum einen Platz gefunden und schickten sich an, den Abend zu moderieren. Schnell wurde allen vermittelt, dass es nicht nur die Lesung der Autorin aus dreien ihrer Bücher geben soll, sondern dass auch mit Fragen aus dem Publikum das Thema des Abends „Raus aus den Schubladen“ dargestellt werden sollte.

 

„Wir wollen Vielfalt erlebbar machen und suchen den gemeinsamen Austausch in der Interkulturellen Woche“, skizzierte Carina Hesse die Absichten. Wichtig, so Hesse, sei jetzt, Zeichen für Vielfalt und Toleranz in der Gesellschaft zu setzten. Dem evangelischen Kirchenkreis und weiteren Unterstützenden dankte sie für die Möglichkeit, dem Publikum des Abends für sein Interesse und die Offenheit zum Thema.

 

Allen Gästen quasi „spielerisch“ die Themen Toleranz und Vielfalt näherzubringen, stellte zunächst Elisabeth Patzsch mit dem Blick auf das Publikum Fragen, und bat, die Antworten durch individuelles Aufzeigen zu untermauern. Wer aus der Nähe oder aus Deutschland kommt, oder wer nicht in Deutschland geboren wurde, wollte Patzsch wissen. Auch, wer mehr als zwei Sprachen sprechen kann und z.B. einen Schrank mit Schubladen zuhause hat. Munter und mit dem dazugehörigen Spaß beteiligte sich das Publikum, bevor die Moderatorinnen die Autorin des Abends näher vorstellten und von ihr wissen wollten, welchen Weg sie als „schwarze Deutsche“ gegangen sei.

 

Florence Brokowski Shekete erzählte von ihrer „weißen Mama“, die ihre Sozialisation beeinflusst. Eigentlich, so die Autorin, habe sie ja Flugbegleiterin werden wollen, was aber wegen Problemen mit ihrem Visum nicht funktioniert und sie zu Abitur und Studium gebracht habe. „Ich habe immer an meine Kompetenz geglaubt“, sagte Brokowski Shekete, und nach einer Zeit der Selbstständigkeit habe sie sich in einer Schule beworben und sei dort sogar Schulleiterin geworden. Ihre anfänglichen Bedenken – als Schwarze eine deutsche Schule zu leiten – habe sie fallen gelassen.

 

Mit welchem Schubladen-Denken sie heute immer noch zu kämpfen habe, wollte die Flüchtlingsbeauftragte Patzsch wissen. Florence Brokowski Shekete berichtete, dass ihre eigenen Erlebnisse als schwarze Lehrerin der Auslöser für ihr Buch „Raus aus den Schubladen! – Meine Gespräche mit Schwarzen Deutschen“ gewesen sei. Immer wieder müssten sich farbige Menschen erklären und rechtfertigen, und sie konnte einige Beispiele dafür eindrucksvoll schildern. „Was ich in den Gesprächen aber nicht gehört habe, war eine Lebensfrustration“, so die Autorin. Schließlich sei es eine große Herausforderung für Kinder und Jugendliche, ihre eigene Identität zu finden.

 

Noch aus zwei weiteren ihrer Bücher las die Autorin und kam über das Thema der richtigen Aussprache unbekannter Namen auch zu ihren Strategien, sich gegen das Schubladendenken und manchmal auch den Alltagsrassismus zu stellen. „Mein Lächeln ist meine Waffe – das habe ich in einem Gespräch zu hören bekommen“, beschrieb Brokowski Shekete und schließlich seien es ja Lächeln und Freundlichkeit, die ein entspanntes Klima schaffen können.

 

Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Leben erzählte sie an das immer wieder erheiterte Publikum gerichtet, wie einige Meschen aus ihren Begegnungen ihre Schubladen erst noch sortieren mussten. „Schubladen sind aber kein deutsches oder ein weißes Problem“, so die Autorin, „man muss sich nur eingestehen, dass man Schubladen hat.“ Schubladen seien nicht per se schlecht, böten sie doch die Möglichkeit, sich mit ihren Inhalten konkret auseinanderzusetzen.

 

Zum Ende der Veranstaltung gab Florence Brokowski Shekete ihren Gästen noch mit auf den Weg, dass jeder etwas Diskriminierungswürdiges an sich habe und dass Stereotypen bei den Menschen heilbar sind – man müsse nur die Begegnungen mit den Menschen zulassen. Leider gebe es noch viel zu viele „schwarz-weiß Schubladen“. Von Elisabeth Patzsch gefragt, was man gemeinsam gegen den Rassismus vor allem aus der Sicht der Kirche tun könne, riet Autorin Brokowski Shekete: „Die Kirche sollte in den eigenen Reihen aufräumen und vor allem Begegnungsräume schaffen – wir müssen mit den Menschen reden.“

Großes Interesse bei der gemeinsamen Veranstaltung des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg und der Diakonie Ruhr-Hellweg: Zum Leseabend kamen über hundert Interessierte in den Saal des evangelischen Gemeindehauses.

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