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Das Ende der Dunkelheit
8.1.2026
Jalda-Abend in Bestwig führt verschiedene Kulturen zusammen

Von Amir Salari
Bestwig. An den letzten Tagen des alten Jahres veranstaltete die ehrenamtliche Gruppe „Vielfalt“ in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg sowie mit Unterstützung der Gemeinde Bestwig und des Kommunalen Integrationszentrums des Hochsauerlandkreises eine kulturelle Veranstaltung anlässlich des Jalda-Abends im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Bestwig.
Ziel der Veranstaltung war es, den interkulturellen Dialog zu fördern, Räume für ein respektvolles Miteinander zu schaffen und der lokalen Bevölkerung kulturelle Traditionen von Menschen mit Migrationsgeschichte näherzubringen.
An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Gäste teil, darunter Bürgermeister Christoph Rosenau, Pfarrer Burkhard Krieger von der Evangelischen Kirche, Mitarbeitende der Gemeindeverwaltung Bestwig, Bürgerinnen und Bürger aus Bestwig sowie Migrantinnen, Migranten und Geflüchtete aus verschiedenen Städten und Gemeinden des Hochsauerlandkreises. Die vielfältige Zusammensetzung der Teilnehmenden schuf eine offene und freundliche Atmosphäre des Austauschs, der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens.
Der Jalda-Abend, die längste Nacht des Jahres, hat in den alten Kulturen Irans, Afghanistans, Tadschikistans und der Kurdinnen und Kurden sowie in Teilen des Nahen Ostens und Zentralasiens eine besondere Bedeutung. Aus naturwissenschaftlicher Sicht markiert diese Nacht den Wendepunkt, nach dem die Tage wieder allmählich länger werden. In kultureller und mythologischer Hinsicht steht Jalda für das Ende der Dunkelheit und den Beginn des Lichts.
In einigen alten Glaubensvorstellungen galt die Jalda-Nacht als die Geburtsnacht des Sonnengottes, der für Gerechtigkeit, Ordnung und den Bund zwischen den Menschen stand. In den überlieferten Erzählungen heißt es, dass die Dunkelheit im Laufe des Jahres immer mehr an Kraft gewinnt und die Nächte länger werden. Doch genau in der längsten Nacht beginnt die Wende: Ab dem folgenden Tag kehrt das Licht langsam zurück, und die Tage werden wieder länger. Deshalb ist Jalda bis heute eng mit Hoffnung, Licht und der Geburt neuer Zuversicht verbunden.
Eine weitere Überlieferung besagt, dass die Mächte der Dunkelheit in dieser Nacht besonders stark seien, ihre Kraft jedoch schwinde, wenn Menschen zusammenkommen. Wenn Menschen gemeinsam sprechen, zuhören und Zeit miteinander verbringen, wird das Licht unter ihnen geteilt und die Dunkelheit verliert ihre Macht. Aus diesem Grund war Jalda seit jeher eine Nacht des Zusammenseins. Familien versammelten sich um die älteren Generationen, erzählten Geschichten, erinnerten sich gemeinsam und stärkten so den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Trotz regional unterschiedlicher Bräuche bleibt der Kern stets derselbe: Wärme, Nähe und menschliche Verbundenheit.
Auch die Speisen des Jalda-Abends tragen eine symbolische Bedeutung. Die rote Farbe steht für Leben, Energie und Wärme. Der Granatapfel mit seinen zahlreichen Kernen symbolisiert Fruchtbarkeit, Neubeginn, Fülle und die Kontinuität des Lebens. Die Wassermelone, eine Sommerfrucht, steht sinnbildlich für das Bewahren der Wärme und der Sonnenenergie für die kalte Jahreszeit.
Diese Symbole wurden während der Veranstaltung bewusst erklärt, um sie auch für Gäste verständlich zu machen, die mit dieser Tradition bislang nicht vertraut waren.
Die Feier begann mit einem kurzen Einführungsteil in der Evangelischen Kirche, in dem Herkunft, Bedeutung und Symbole des Jalda-Abends erläutert wurden. Anschließend wurde ein reichhaltiges Buffet mit einer Vielfalt orientalischer Speisen eröffnet, das die kulturelle Vielfalt der Teilnehmenden widerspiegelte. Nach dem gemeinsamen Essen entstanden lebendige Gespräche und neue Begegnungen. Den Abschluss bildeten Musik, Gesang und traditionelle Tänze aus verschiedenen Kulturkreisen.
Insgesamt zeigte der Jalda-Abend in Bestwig, dass soziale Integration vor allem durch gegenseitiges Kennenlernen, aktive Beteiligung und das gemeinsame Erleben von Kultur wächst. Solche Veranstaltungen schaffen Räume, in denen Menschen unabhängig von Herkunft oder Sprache miteinander in Kontakt treten und gemeinsame Erfahrungen sammeln können.
INFO:
Das Wort „Jalda“ stammt aus dem Syrischen und bedeutet im iranischen Kulturraum Geburt oder Neuanfang – ein Hinweis darauf, dass diese Nacht seit jeher als Symbol des Neubeginns verstanden wurde.
Die Gruppe Vielfalt lädt ganzjährig zu wöchentlichen Treffen jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr ein. Diese finden im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Bestwig, Bundesstraße 166, statt. Die Treffen stehen allen Interessierten offen – sowohl Bürgerinnen und Bürgern aus Bestwig als auch Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten. Die Gruppe freut sich über alle, die Teil dieser offenen und wertschätzenden Gemeinschaft werden möchte.

