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Abschied von einer Ungeliebten

2.4.2026

Kirchengemeinde Herzfeld-Weslarn trennt sich von ihrer Orgel

Pfarrer Ralph Frieling (links) und Orgelbauer Làszlo Bord verfolgen den Abbau der Orgel in der Dankeskapelle in Herzfeld. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Von Hans-Albert Limbrock

 

Lippetal/Weslarn. So richtig zueinander gefunden hat man eigentlich nie. Dabei war die Orgel, als sie 2004 angeschafft wurde, ein richtiges Schmuckstück. Ein teures Schmuckstück, denn immerhin 70.000 Euro wurden seinerzeit investiert. Viel Geld für die Kirchengemeinde Weslarn und ihre kleine Dependance mit der Dankeskapelle im katholisch dominierten Herzfeld.

 

„Die Orgel war leider ein Fehlkauf“, lautet heute das Urteil von Pfarrer Ralph Frieling. Fast möchte man formulieren: „Hinterher ist man immer schlauer.“ Mit „Orgelbau Albers & Wiggering“ hatte man damals eine renommierte Fachfirma aus Schmallenberg im Sauerland gefunden, die den Wunsch von Pfarrer Helmut Mahnke und seines Presbyteriums nach einer „großen Orgel“ umsetzen konnte.

 

Und am Orgelbau selbst hat es auch nicht gelegen. Im Gegenteil: Die Orgelbauer haben für die raumhohe Orgel durchweg hochwertige Materialen eingesetzt, sowohl für die Orgelpfeifen als auch für das Innenleben und den Rahmen (das sogenannte Orgelhaus). „Die Orgel-Werkstatt hatte den Anspruch, eine Orgel wie vor 350 Jahren zu Bachs Zeiten zu bauen“, erklärt Frieling. Nicht eine einzige Schraube wurde eingebaut. Frieling: „Ohne Zweifel war das hohe Handwerkskunst.“

 

Aber eine Kunst, die eben ihren Preis hatte und die letztendlich ein Instrument geliefert hat, das gar nicht zu und in diesen vergleichsweisen kleinen Kirchraum gepasst hat. „Die Orgel ist vollkommen überproportioniert“, kritisiert Frieling und sieht sich auch durch hinzugezogene Fachleute in seinem Urteil bestätigt: „Der Klang ist zu schrill, nicht ausgewogen, zu obertönig. Im Grunde kann die Orgel nur sehr leise gespielt werden.  Frieling: „Es hat von Anfang an nicht gepasst.“

 

Bereits 2014 hatte das Presbyterium daher die Notbremse gezogen und den Verkauf beschlossen. „Das ist uns damals nicht leichtgefallen“, blickt Frieling, der seit 2008 in der Gemeinde ist, zurück. Schließlich sei die Orgel zu einem Großteil durch Spenden finanziert worden. „Denen hat man sich natürlich verpflichtet gefühlt.“ Aber der Beschluss sei alternativlos gewesen.

 

Da die Orgel durch Temperaturschwankungen und Witterungseinflüsse zudem äußerst anfällig in ihrem Klangbild gewesen sei, musste sie jährlich kostenintensiv gewartet werden. Das Orgelbau-Unternehmen aus dem Sauerland hatte inzwischen Insolvenz angemeldet, sodass keine Gewährleistung mehr bestand. Die hinzugezogenen Experten um Kreiskantor Roger Bretthauer, dem Orgelsachverständigen der Landeskirche, Dr. Christian Tacke, und dem Orgelbauer Albert Baumhoer, der schon die romantische Wacker-Orgel in Weslarn restauriert hat, bekräftigten seinerzeit die Gemeinde in ihrem Entschluss, sich vom ungeliebten Instrument zu trennen.

 

Allein es fehlte ein Käufer. Angebote, die ab 2014 über einen Orgel-Makler aus Wuppertal eingingen, lagen derart deutlich unter der Investition, dass ein Geschäft bisher nicht zustande kam. Zum Schluss war der Druck allerdings so hoch, dass man einer Offerte aus Rumänien zustimmte, die weit unter den einst anvisierten 36.000 Euro lag. „Es macht einfach keinen Sinn mehr, noch weiter zu warten und auf einen höheren Erlös zu hoffen“, verdeutlicht Pfarrer Frieling.

 

Gemeinsam mit zwei Helfern hat Orgelbauer Làszlo Bord das Instrument nun an einem Tag auseinandergenommen und auf einen Lkw verladen. In über 2000 Kilometern Entfernung wird sie die „Königin der Instrumente“ nun in einer katholischen Gemeinde wieder aufgebaut. „Die Menschen dort freuen sich schon sehr auf diese schöne Orgel“, ist der rumänische Fachmann zuversichtlich, dass das in Herzfeld ungeliebte Instrument an seinem neuen Bestimmungsort bestens aufgehoben ist und mit seinem Klang die Gottesdienstbesucher erfreuen wird.

Da kommt sie hin: Der rumänische Orgelbauer zeigt auf seinem Handy ein Foto der Kirche im fernen Rumänien, wo die Herzfelder Orgel künftig gespielt werden wird.

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