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Bunte Vielfalt im Sauerland

8.4.2026

Erste Messe der Migranten-Selbstorganisation zeigt breite Palette der Angebote

Die „Gruppe Vielfalt“ aus Bestwig zeigt mit der Flüchtlingsbeauftragten des Kirchenkreises, Elisabeth Patzsch, an ihrem Stand einen Teil ihrer aktiven Mitglieder und lädt ein, die Arbeit in der Selbstorganisation über Fotos auf dem Laptop näher kennenzulernen. Fotos: Frank Albrecht

Von Frank Albrecht

 

Meschede. Essen, Trinken und viele Informationen in Gesprächen, Flyern und auf Stellwänden – so präsentierte sich jetzt die Stadthalle Meschede und vor allem die dort anwesenden Menschen. Der Hochsauerlandkreis hatte mit seinem Kommunalen Integrationszentrum (KI) zum ersten Tag der Migranten- und Migrantinnen-Selbstorganisationen (MSO) aus dem Sauerland eingeladen. Unter dem Motto „Sauerland-Vielfalt“ gab es über drei Stunden hinweg diese Vielfalt der Menschen und ihrer Kultur live zu erleben. Und alles eingebettet in ein Grußwort des Landrats Thomas Grosche und den Auftritt von Comedienne Anissa Loucif.

 

Internationalen Initiativen aus dem ganzen Sauerland wurde im großen Foyer der Stadthalle ein Platz geboten, um sich und ihre Interessen zu zeigen. Neben den Mitgliedern der verschiedenen Selbstorganisationen waren es vor allem an Zusammenhalt, Verständigung und internationalen Kulturen interessierte Gäste, die die Messe in Meschede besuchten, an der sich Initiativen aus der Stadt Sundern auffällig stark beteiligten.

 

So wie zum Beispiel die Alevitische Gemeinschaft von der Hauptstraße 71 in Sundern. Neben Kaffee und landestypischen Speisen hielten sie an ihrem Stand Informationen zu ihrer Arbeit für den Aufbau eines neuen Bürger- und Begegnungszentrums bereit, das in Sundern entstehen soll. Eine ausgediente Fabrik soll es sein, die den rund 75 alevitischen Familien, die in der Initiative zusammengeschlossen sind, künftig als Zentrum für Bildung, Integration und Zusammenhalt dienen soll.

Alle gehören zu einer großen Familie

Nur eine Ecke weiter fand sich der Info-Stand der „Gruppe Vielfalt“ aus Bestwig – und ein bekanntes Gesicht: Elisabeth Patzsch, die Flüchtlingsbeauftragte im Kirchenkreis Soest-Arnsberg, hatte sich für den Nachmittag in Meschede eingerichtet: Fotos erzählten von der Arbeit der Gruppe, und eine große Weltkarte zeigte die Herkunftsländer der engagierten Gruppenmitglieder. Auf dem Tisch auch ein großer Teller mit gesunden Obst-Sticks.

 

„Wir bieten ein loses Treffen mit der Möglichkeit zu Gesprächen und sozialen Kontakten“, erklärte Patzsch. Dazu trifft sich die Gruppe Vielfalt einmal in der Woche am Donnerstag mit 10 bis 20 Teilnehmern. Eine spielerisch orientierte Kinderbetreuung oder Ausflüge wie erst kürzlich nach „Fort Fun“ gehören genauso dazu wie das gemeinsame Feiern von Festen aus allen Kulturkreisen. „Wir wollen das Gefühl schaffen, dass alle zu einer großen Familie gehören“, sagt die Flüchtlingsbeauftragte – und die gute Mund-zu-Mund-Propaganda für ihre Arbeit unterstützt dies.

 

Und Elisabeth Patzsch führte gleich weiter zu einer der nächsten von ihr begleiteten Initiativen – dem Sprachcafé Olsberg. „Ein Flüchtling aus der ZUE Soest hatte die Idee“, erinnert sich Patzsch – heute ist daraus eine regelmäßige Einrichtung für Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund geworden, die die deutsche Sprache erlernen und trainieren wollen. Wie und womit zeigten die engagierten Mitglieder an ihrem Infostand und präsentieren neben Süßem eine Reihe von Sprach-Spielen und Kommunikationsfotos, die ihre Arbeit erklärten. Immer mittwochs kommt man im katholischen Pfarrheim Bigge zusammen und macht sich an die Sprach-Arbeit.

 

Auf dem bunten Marktplatz der Initiativen wurde es etwas leerer – noch einmal füllte sich der Saal der Stadthalle: Das begleitende Comedy-Programm mit Anissa Loucif hielt noch eine Fortsetzung bereit. Und die junge Frau, die in Düsseldorf geboren wurde, sich zur Hälfte als Algerierin und zur anderen Hälfte als Deutsche fühlt, begeisterte ihr Publikum mit alltäglichen Geschichten aus ihrem Leben: Von Männern, die ihre Frauen bei Geburten im Kreissaal begleiten oder von den Schwierigkeiten als stillende Mutter unterwegs zu sein. Auch Friedrich Merz und das große Thema Social Media fanden bei ihr Platz auf der Bühne. Im Spiel mit dem Publikum entwickelte sich ein entspanntes Miteinander, an dem schließlich alle ihren großen Spaß hatten.

Angebot wurde gut aufgenommen

Und noch einmal standen die Moderatior:innen Eva Keiter, Leiterin des KI, und Dilges Güner von der kurdischen Gemeinde Meschede auf der Bühne und bliesen zum Schlussakkord. Beim gemeinsamen Ausklang des Austauschs der Kulturen führte der Weg durch das Foyer auch am Stand der „Do Vira Help Foundation e.V.“ aus der Ukraine vorbei. Der „Gemeinnützige Verein zur humanitären Unterstützung von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten“ – wie er sich selbst beschreibt – zeigte sein Aufgabengebiet. Und während hier und da schon zusammengepackt wurde, präsentierten Natalya Franz und Ola Medvid-Terletska ein ukrainisch-deutsches Kinderbuch, das schon bald den Weg in alle öffentlichen Bibliotheken des Kreises finden soll.

 

Eva Keiter, die Leiterin des KI im HSK, zog eine positive Bilanz des ersten Treffens der Migrant:innen-Selbstorganisation. „Wir wollten die migrantischen Vereine im MSO miteinander in Kontakt bringen und gemeinsam Spaß haben“, so Keiter, das sei gelungen, auch wenn nicht alle der angesprochenen Vereine der Einladung gefolgt waren. „Mit der Veranstaltung als ein erster Testlauf bin ich aber sehr zufrieden, das Angebot wurde gut angenommen“, freute sie sich und der Aufwand der Vorbereitung über den Arbeitskreis MSO habe sich gelohnt. Schließlich, so Keiter, seien das gesamte Team des Kommunalen Integrationszentrums HSK sowie Akteure vom Jobcenter an der Vorbereitung beteiligt gewesen. „Die Messe ist ein guter Einstieg, um die Zusammenarbeit weiterzuentwickeln“, resümierte Eva Keiter zufrieden.

 

„Do Vira Help Foundation“ nennt sich die Initiative, die sich die Unterstützung von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten sowie die Teilnahme an der deutschen Kultur auf die Fahnen geschrieben hat.

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