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Es gibt keine Tabuthemen mehr
8.4.2026
In der Kirchengemeinde Niederbörde kommt alles auf den Prüfstand

Von Josef Holthoff
Welver. Am Pfingstsonntag, 24. Mai, endet nach vier Jahren die Legislaturperiode der gewählten Presbyter in der evangelischen Kirchengemeinde Niederbörde. Bisher wurden dann neue Presbyter eingesetzt, sofern die bisherigen Mitglieder nicht einer weiteren Periode zustimmten. Aber bereits in den vergangenen Wahlperioden konnten nicht alle Stellen besetzt werden, so dass sich eine formale Wahl erübrigte und die kandierenden Personen als Presbyter eingesetzt wurden.
Vor der Zusammenlegung der Kirchspiele Welver, Dinker, Borgeln und Schwefe arbeiteten in jedem Kirchspiel bis zu zwölf Personen in diesem Gremium, nach der Fusion gab es nur noch ein Presbyterium für die vier Kirchspiele.
Nunmehr hat sich die Evangelische Kirchengemeinde Niederbörde vorgenommen, abweichend von der klassischen Form des Presbyteriums, eine alternative Form der Gemeindeleitung zu erproben. Dies soll die Chance bieten, auf aktuelle Herausforderungen wie sich verändernde Gemeindestrukturen zu reagieren. Möglich wurde das durch ein „Erprobungsgesetz“, das den sperrigen Titel „Kirchengemeindeleitungserprobungsgesetz“ (KGLEG) trägt und jetzt von der Landesynode als Modell für flexible Leitungsstrukturen beschlossen wurde.
Die Gemeindeleitung übernimmt dabei die Aufgaben des bisherigen Presbyteriums, ist jedoch in Arbeitsweise und Zusammensetzung deutlich flexibler. Dieses Gremium soll aus mindestens drei Personen bestehen und kann bei Bedarf bis zu zehn Mitglieder haben.
Für die Kirchengemeinde Niederbörde sollen dabei aus jedem Bezirk zwei ehrenamtliche Mitglieder berufen werden, dazu kommen die beiden Mitglieder des interprofessionellen Pastoralteams mit Pfarrerin Elisabeth Pakull und Gemeindepädagogin Margit Karrie-Krause.
Die Erprobungsphase für dieses Modell läuft bis 2032, bis dahin entscheidet die Landessynode, in welcher Form die Leitung der Kirchengemeinden weitergeführt wird.
Am 24. Mai scheiden Irmhild Hansen, Hanneliese Reinecke, Ina Oxenfahrt, Christian Baimann und Friedrich Schulze zur Wiesch aus dem Presbyterium aus. Als Mitglieder der Gemeindeleitung werden dann Tamara Deimann, Wilfried Eickhoff, Birgit Hilger, Gisa Schulze zur Wiesch, Annika Schönfeld und Albert Sommerfeld in ihr neues Amt eingeführt. Zwei weitere Mitglieder sollen noch benannt werden.
Zukunft der Kirchen wird große Aufgabe
Die Zukunft der Kirchen und der Gebäude wird dann eine große Aufgabe für das Leitungsteam werden, wie aus einem Positionspapier hervorgeht. Darin wird die Reduzierung der Gebäude als eine der wichtigsten und herausforderndsten Aufgaben herausgestellt, womit allerdings zum Teil auch schon begonnen wurde.
Die Jakobikirche in Lippborg etwa, die ebenfalls zur Kirchengemeinde Niederbörde gehört, das kleine Küsterhaus an der Kirche in Welver sowie das Pfarrhaus in Welver sind bereits verkauft, der Verkauf des Pfarrhauses in Schwefe steht kurz bevor. In Borgeln wurden schon vor dem Zusammenschluss zur Niederbörde das alte und neue Pfarrhaus sowie das Gemeindehaus verkauft, die „Kinderlehr“ abgerissen und ein neues Gemeindehaus gebaut.
Im weiteren Verlauf will man Lösungen für weitere Gemeindehäuser, aber auch für die vier historischen Kirchen finden. „Auch hier müssen wir uns verkleinern“ heißt es dazu im Gemeindebrief, was deutlich macht, dass die Trennung von einem Kirchgebäude längst kein Tabuthema mehr ist.
Bereits im vergangenen Sommer haben Margit Karrie-Krause und der Vorsitzende des Presbyteriums, Friedrich Schulze zur Wiesch, an einer Exkursion des Kirchenkreis teilgenommen. Dabei wurden Kirchen besucht, in denen durch bauliche Veränderungen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten geschaffen wurden.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, die wirtschaftliche Situation der Kirchen zu verbessern und dadurch gegebenenfalls an anderer Stelle die Gemeinden finanziell zu entlasten. Im Herbst soll mit der Erstellung eines Gemeindekonzepts begonnen werden. Für diesen Steuerung wird noch ein externer Projektleiter gesucht.

