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Schnelle Mode im Visier
28.4.2026
Neheimer Frauenplausch beschäftigt sich mit einem Phänomen

Von Frank Albrecht
Neheim. Die Damen vom „Frauenplausch“ der Evangelischen Kirchengemeinde Neheim treffen sich seit Jahren regelmäßig. Neben den sozialen Kontakten sind für die Organisatorinnen Sybille Niehoff, Renate Lintzen und Gerlinde Faber aber auch stets die Themen wichtig. Es geht um Religiöses und Weltliches, und nur zu oft sind die Bereiche nicht mal voneinander zu trennen.
So wie auch bei einem der letzten, in der Regel einmal monatlich stattfindenden Treffen. Zum Frauenplausch war Irene Matimbwi, die Referentin für Jugend und Ökumene im Evangelischen Kirchenkreis Soest-Arnsberg eingeladen. Neben ihrer Tochter und „Assistentin“ hatte sie das Thema „Exit Fast Fashion“ – also: weg von schneller Mode – mit zu den Frauen gebracht.
„Das Projekt Exit Fast Fashion ist seit dem Jahr 2022 eines meiner Themen“, stellte sich Matimbwi den Frauen vor. Und bei der Vorstellungrunde mit den Anwesenden wurden nicht nur die Namen, sondern auch das Lieblingskleidungsstück erfragt. Kein Wunder, dass neben Pullover, Kleid oder Sporthose vor allem die Jeans genannt wurde.
„Habt ihr schon mal etwas von fast fashion gehört“, wollte die Referentin wissen – und nicht wenige der Frauen konnten bejahen. Das damit Kleidung gemeint ist, die nicht nur billig hergestellt, sondern auch noch in einer rasanten Geschwindigkeit produziert wird, machte Matimbwi klar. „Oft gibt es dabei jede Woche eine neue Kollektion, und der Trend geht zu einer noch engeren Taktung“, so die Referentin.
Welche Folgen Fast Fashion für die Menschen hat, die sie produzieren und wie die Auswirkungen auf die Welt sind, zeigte gleich die erste Aktion der Runde. Ein Puzzlespiel mit Ländern der ganzen Welt verdeutlichte die vielen Stationen der langen Reise einer Jeans, die über die gepflückte Baumwolle in Afrika und Spinnereien des Garns in der Türkei sowie dem Färben der Fasern in China bis zur Produktion eines Stückes in Bangladesch reicht.
Wird das Teil überhaupt gebraucht?
Und damit nicht genug – nach dem Zusammennähen des Stoffs muss das fertige Kleidungsstück auch noch in die Verkaufsländer verschifft werden. „Die Näherinnen verdienen wenig Geld, das Färben der Stoffe ist eine Belastung für die Menschen und schließlich ist oft auch die Qualität der Stoffe schlecht und das Stück nicht für den Weiterverkauf über Second Hand geeignet“, beschrieb Matimbwi eindrucksvoll.
Auf Fotos, die im Kreis herumgereicht wurden, waren u.a. die Müllberge mit ausgedienten Kleidungsstücken zu sehen – allesamt der Fast Fashion geschuldet. Nach welchen Kriterien Kleidung z.B. von den Anwesenden gekauft wird und was beim Kauf wichtig ist, zeigten die Frauen des Treffens bei einem Mitmachspiel.
Mit einer auf dem Boden ausgebreiteten Jeans konnten zudem alle Frauen ihre Einschätzung zu den Kostenanteilen für Herstellung und Verkauf des Lieblingsstücks geben. Und groß war die Überraschung aller, dass die Näherinnen des Stücks nur 0,4 Prozent des letztendlichen Verkaufspreises als Lohn erhalten. Entsprechende Wirkung zeigte das Foto einer Aktivistin, auf dem „T-Shirt genäht von Anja für 18 Cent“ zu lesen war.
Von den Lebensbedingungen vieler Näherinnen, die während ihrer Arbeit wie in einem Gefängnis untergebracht sind, bis zu den Themen Recycling und Second Hand informierte ein Wimmelbild, das Irene Matimbwi den Anwesenden zur Betrachtung vorlegte. Und mit Fragen zum persönlichen Umgang mit gebrauchter Kleidung und den Erlebnissen sorgte auch ein abschließendes Quiz der Damen für noch mehr Aufklärung zum Thema: Kaum jemand hatte schon realisiert, dass jährlich bis zu 60 neue Kleidungsstücke gekauft werden und dass von fünf gekauften Teilen mindestens eines ungetragen im Kleiderschrank hängt. Besonders beeindruckend und erschreckend zugleich war auch die Zahl von 18 Kilogramm Kleider-Müll, der allein in Deutschland von jedem dort Lebenden im Jahr produziert wird, sowie die 2.700 Liter Wasser, die nur für die Herstellung eines (!) T-Shirts benötigt werden.
Und wie kann der Ausstieg aus „schneller Mode“ nun gelingen? „Die wichtigste Frage, die wir uns vor jedem Neukauf stellen sollten, ist: Wird das Teil überhaupt gebraucht“, zwinkerte Matimbwi. Und neben dem längeren Tragen von gekaufter Kleidung sowie dem Verkauf auf Gebraucht-Plattformen oder der Weitergabe auf Kleidertausch-Partys wie sie in Arnsberg von der städtischen Engagementförderung bei der „SWAP-Party“ ermöglicht wird, sei vor allem die Bewusstmachung des Themas wichtig.
Dass es – auch beim Kauf teurer Markenkleidung – schwierig sei, den niedrigen Lohn der Näherinnen zu verbessern, hinterließ bei allen teilnehmenden Frauen eine gewisse Betroffenheit, aber auch die bestimmte Gewissheit, sich intensiv und sicherlich auch nachhaltig mit dem Thema beschäftigt zu haben.
„Exit Fast Fashion“ – das sind auch Postkartenaktionen mit Fragen an bekannte Modeketten oder Hinweise zur Kampagne für „saubere Kleidung“. Mit einem Applaus sowie einem kleinen Geschenk für den Besuch und die Informationen wurde Irene Matimbwi schließlich verabschiedet. Die nächsten Themen für den Frauenplausch bis in den Monat Juni sind schon anberaumt, und bringen wieder ernste Themen und lockeren Austausch. Informationen zum Angebot gibt es z.B. im Gemeindebüro der Evangelischen Kirche Neheim auf der Burgstraße oder als Infoflyer in der Christuskirche.

