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Wenn Geigensaiten reißen

28.4.2026

Kulturgruppe serviert mit „Velvet Quartet“ musikalischen Höhepunkt in der Lukaskirche

Voller Dynamik und Spielfreunde – das „Velvet Quartet“ überzeugte bei ihrem Gastauftritt im Rahmen der Veranstaltung „Kulturmärz“ in der Sunderner Lukaskirche die Besucherinnen und Besucher. Fotos: Frank Albrecht

Von Frank Albrecht

 

Sundern. Auf seiner Zielgeraden hatte der „Kulturmärz“ noch einmal in der Evangelischen Lukaskirche Station gemacht. Vor rund 70 Gästen war das „Velvet Quartet“ zu Gast und präsentierte in der Kirche einen musikalischen Leckerbissen: Das Konzert „Mozart vs. Beethoven“ begeisterte das Publikum nicht nur mit einer gelungenen Gegenüberstellung klassischer Meisterwerke – auch die Musikerinnen und der Musiker sorgten mit ihrem Saiten-Spiel für allerfeinste Unterhaltung.

 

Gastgeber und Hausherr Pfarrer Martin Vogt begrüßte die Gäste gut gelaunt und mit seiner bekannt humorvollen Art. „Auf die zu erwartende Musik an diesem Abend habe ich mich sehr vorbereitet“, so Vogt, der erklärte, dass seinem Besuch ein intensives Studium der angekündigten Werke vorausgegangen sei. An das ebenso gespannte Publikum gerichtet dankte er für den Besuch in der Kirche und wies auf den spannenden Titel des Konzertes hin.

 

„Der Besuch des Konzertes ist für Sie allerdings ohne Risiko, denn der Eintritt ist ja frei“, scherzte Pfarrer Vogt. Dafür freue man sich aber gemeinsam mit dem Kulturring Sundern über die Spenden der Anwesenden, wenn diese Gefallen an der Musik gefunden hätten. Das Geld, so Vogt, komme dem Kulturring für seine weiteren Veranstaltungen zugute.

 

Ihren Dank für die abermals gelungene Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Sundern drückte die Vorsitzende des Kulturrings Sundern, Andrea Schulte, aus. Mitten im Kulturmärz könne man das Konzert mit dem Streicherquartett als Highlight des Kulturrings präsentieren. „Wir freuen uns, wenn die Kirchengemeinde weiter aktiv den Kulturbetrieb in Sundern unterstützen möchte“, so Schulte zum Publikum. Sie beschrieb das „Velvet Quartet“, das im Jahr 2020 gegründet wurde und mit Musikerinnen und Musikern aus Berlin und Essen junge Künstler aus der Türkei, Lettland, Spanien und Deutschland gelungen vereint habe.

 

Der Cellist Frederick Winterson stellte daraufhin dem Publikum das Werk von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Titel „Dissonanzen-Quartett“ C-Dur KV 465 vor. Der Musiker erklärte, dass das Stück von Mozart seinem Zeitgenossen Georg Friedrich Händel gewidmet worden sei, dem Mozart damit seine Fähigkeit zu Komponieren habe zeigen wollen. Und bei dem nun folgenden Stück hat wohl niemand diese Fähigkeiten angezweifelt.

 

Die vier Musizierenden veredelten die Vorlage Mozarts mit einem brillanten Auftritt und spielten mit vollem Körpereinsatz. Nach einem noch ruhigen Beginn steigerte sich die Vorstellung schnell und trug über vier Sätze die musikalische Leichtigkeit des Komponisten direkt in die Lukaskirche. Schon zur Pause feierte das Publikum den Konzertvortrag mit starkem Applaus und strahlenden Gesichtern.

 

In der Pause stieg die Spannung des Publikums, und zur Fortsetzung ergriff erneut der Cellist Frederic Winterson das Wort und beschrieb zum zweiten Stück des Abends, das dessen Komponist Ludwig van Beethoven bei der Entstehung des Werkes bereits von Gehörlosigkeit geplagt gewesen sei. Entsprechend schwermütig war auch der musikalische Eindruck, den die vier Streicher:innen perfekt gespielt in die Lukaskirche trugen. Beim Aufeinandertreffen der zwei klassischen Musikstile erklärte sich der Titel des Abends – Mozart vs. Beethoven – von ganz allein.

 

Doch noch bevor das Streichquartett „a-Moll op. 132“ so richtig Fahrt aufnehmen konnte, sorgte eine gerissene Saite am Instrument der ersten Geige für eine kleine Zwangspause. Diese vortrefflich zu überbrücken, bekundete Pfarrer Vogt, dass es wieder ein Interesse an der gerissenen Saite gebe. „Schon vor einem Jahr ist die Saite an einer Bratsche gerissen“, zwinkerte Vogt, und diese Saite hänge nun als Erinnerung an den schönen Abend in der Kirche. „Diese Tradition wollen wir heute gerne fortsetzen“, so Vogt zum Schmunzeln der Anwesenden.

 

Nach wenigen Minuten kehrten die Musiker:innen mit „reparierter“ Geige zurück und setzten das Konzert fort, als wäre nichts gewesen. Während die Musik von Beethoven von der Verzweiflung über den Verlust des Gehörs geprägt war, überzeugte das Quartett sein Publikum mit einem vollends engagierten Zusammenspiel, das mit besonderer Impulsivität dafür sorgte, dass auch die Geigenbögen „Federn lassen“ mussten.

 

Nach deutlich über zwei Stunden Konzert feierte ein sehr zufriedenes Publikum das „Velvet Quartet“ mit stehenden Ovationen, die noch für eine Zugabe sorgten: Mit einem Tango verabschiedete sich das Quartett in den Abend und konnte dabei noch einmal die gesamte Bandbreite ihrer musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

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