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Schutz vor männlicher Gewalt

19.5.2026

Verantworten das neue Gewaltschutzzentrum in Soest (von links): Leitende Pfarrerin Birgit Reiche, Lena Sauerland (stellvertretende Leitung der Ant-Gewalt-Arbeit) und Maike Schöne, Leiterin des Frauenhauses. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Von Hans-Albert Limbrock

 

Soest. Jetzt ist sogar ein Schild an der Klingel. Darauf steht schlicht: Frauenhaus. Das wäre vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen. Über viele Jahre galt die Adresse des Frauenhauses Soest als ein gutgehütetes Geheimnis, das nur wenige Menschen kennen sollten. SOLLTEN. „Denn eigentlich wusste jeder Taxifahrer am Soester Bahnhof, wo das Frauenhaus war“, erklärt die Leiterin Maike Schöne.

 

Mit dem Versteckspiel ist es nun vorbei. Das Frauenhaus und damit auch die Thematik Gewalt gegen Frauen ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und somit eines, das man auch sehen soll; ja muss. Schöne: „Das Frauenhaus ist nun an einem Ort, der sichtbar ist.“ Vor allem sollen mit diesem offensiven Umgang die Sinne dafür geschärft werden, dass es eben auch in 2026 (und sicherlich darüber hinaus) Frauen gibt, die vor ihren gewalttätigen Partnern Zuflucht suchen müssen.

Schöne: „Der Bedarf ist unverändert da. Niemand muss sich schämen oder verstecken, der diese Hilfe braucht.“ Dem hat man Rechnung getragen und die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze für Frauen in Not von 8 auf 16 Plätze erhöht; hinzu kommen noch Plätze für deren Kinder. Damit bleibt diese bisher einzige Einrichtung im Kreis Soest aber immer noch unter den Vorgaben der „Istanbuler Konvention“, wonach der Kreis aufgrund seiner Einwohnerzahl von über 300.000 eigentlich dreißig Plätze vorhalten müsste.

 

Aber mehr ist aktuell nicht denkbar. Ohnehin haben der Umzug auf das Gelände der Frauenhilfe am Feldmühlenweg und die damit verbundene Renovierung eines kompletten Gebäudetraktes die finanziellen Möglichkeiten der Frauenhilfe enorm strapaziert. „Wir haben uns vergeblich um eine Förderung bemüht, sind aber an einem Bundesverhinderungsprogramm gescheitert. Das hat uns drei Jahre beschäftigt und enorm zurückgeworfen“, erklärt Birgit Reiche, Leitende Pfarrerin der Frauenhilfe. Die zwei Millionen Kredit, die man nun aufgenommen hat, laufen allerdings über einen Zeitraum von dreißig Jahren, sodass die finanzielle Belastung gestemmt werden kann.

 

Und noch etwas ist neu: Das „Gewaltschutzzentrum der Evangelischen Frauenhilfe von Westfalen“ hat mit der (Neu)Eröffnung des Frauenhauses nun seine Arbeit offiziell aufgenommen und seine Kräfte am Standort Feldmühlenweg gebündelt, denn hier befindet sich nun neben dem Frauenhaus auch die „Frauenberatung Soest“, vereint um die Allgemeine Frauenberatungsstelle des Kreises Soest mit der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Komplettiert wird das Zentrum um die Prostituierten- und Ausstiegsberatung „Tamar“.

Lena Sauerwalt, stellvertretende Leitung der Anti-Gewalt-Arbeit in der Frauenhilfe: „Das bedeutet für Betroffene kurze Wege und enge Verzahnung von ambulanter Beratung und geschützter Unterbringung für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder.“ Das Zentrum biete deutlich mehr Platz und habe eine moderne Ausstattung mit Einzelbüro und professioneller Ausstattung.

 

Noch einmal Maike Schöne: „In der alten Einrichtung war der Platz sehr beengt.“ Künftig stehen drei Ein-Raum- und dreizehn Zwei-Raum-Apartments mit eigenem Wohn- und Schlafbereich, Kitchenette und Bad zur Verfügung. Damit haben die Bewohnerinnen auch die Möglichkeit, sich einmal zurückzuziehen, was viele nach oft jahrelangem Martyrium in ihrer Partnerschaft bitter nötig haben.

 

Doch bei all der positiven Rahmenbedingungen, die jüngst geschaffen wurden – in einem sind sich alle Beteiligten einig: Am besten wäre es, Einrichtungen wie Frauenhäuser wären gar nicht notwendig; aber das wird wohl ewiges Wunschdenken bleiben.

Künftig alles unter einem Dach: Frauenhaus, Frauenberatung und Tamar.

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