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Pause vom Alltag
19.5.2026

Von Frank Albrecht
Sundern. Blauer Himmel, blaue See – nur die besten Voraussetzungen für den traditionellen Emmausgang der Evangelischen Kirchengemeinde Sundern auf See hielten Pfarrer Martin Vogt und sein Team für die Gäste bereit. Eine große Schlange hatte sich vor der MS Sorpesee gebildet - bereit, das schöne Angebot anzunehmen. Noch an Land waren von Mithelfenden des Vorbereitungsteams große Liedzettel an die Besucherinnen und Besucher verteilt worden, pünktlich legte das Schiff zu seiner Gottesdienst-Rundfahrt vom Anleger ab und stach in See.
Während sich die vielen Gäste noch auf ihren Sitzplätzen für die nächste Stunde einrichteten, zeigten sich die Akteure des schwimmenden Emmausgangs bestens gelaunt. Und so war es nur folgerichtig, gleich mit dem ersten Lied „Wir wollen alle fröhlich sein“ das gemeinsame Gefühl zu besingen.
Stammgästen der kirchlichen Schifffahrt sicher schon bekannt, wurde zunächst ohne große Erklärungen eine Alltagsszene auf dem Unterdeck gespielt: Zwei Frauen gerieten in Streit, nachdem die eine die andere unachtsam angerempelt hatte. Lautstarker Protest der Beiden konnte erst durch die Vermittlung einer weiteren Person gestoppt und alles wieder gut werden. Lachen und Applaus des Publikums – der Einstieg in den Gottesdienst mit kleinem Anspiel zum Schwerpunkt „Vergebung“ war gelungen.
Pfarrer Martin Vogt begrüßte die zahlreichen Gäste auf dem ausgebuchten Ausflugsdampfer und erklärte, dass man das Thema Vergebung in diesem Jahr bewusst gewählt habe. Und die Bezüge zur aktuellen Welt-Politik, die vor allem vom jüngsten Konflikt zwischen USA und Iran geprägt sind, ließen nicht lange auf sich warten. „Hier herauszukommen, gibt es kein Patentrezept“, sagte Vogt, aber man könne Impulse geben und schauen, was die Menschen verbinde.
Verschiedene Impulse, wie sich Streit vermeiden oder schlichten lasse, prägten im weiteren Verlauf auch den Inhalt des Gottesdienstes. Tief durchzuatmen und etwas anderes zu sagen oder mit der Reaktion auf ein Ärgernis doch länger zu warten, waren einige Empfehlungen von Pfarrer Vogt an die Anwesenden. Auch könne es helfen, sich einer neutralen Person anzuvertrauen und beim Streit auch mal mit den Augen des Gegenübers zu schauen.
„Die Frage nach der Schuld für einen Streit muss man auch mal auf sich beruhen lassen und nicht immer wieder betonen“, so der Ratschlag des Pfarrers. Das Vertrauen in Gott zu erneuern, könne hier helfen – im Psalm 118 wurde dies gemeinsam mit der Gemeinde verfestigt und das Lied „Wo Menschen sich vergessen“ gesungen.
„Genießen Sie die Pause, für eine Stunde sind Sie jetzt nicht erreichbar“, schmunzelte Pfarrer Vogt, der Gottesdienst sei dafür eine gute Entschuldigung. Kaum zu spüren, so leise und sanft glitt das Elektroschiff über den See und nur wenige bemerkten, dass langsam schon wieder die Rückfahrt eingeleitet wurde. Aus dem Vorbereitungsteam wurde eine Geschichte vom Brückenbauen vorgelesen. „Wir wollen uns auf die Brücken zwischen den Menschen konzentrieren“, so Vogt weiter, Vergebung könne nur über Brückenbauen funktionieren. Dazu sei es hilfreich, sich auf das Angebot des anderen einzulassen, wenn damit eine Brücke gebaut werden könne, sagte Vogt und motivierte, sich über die ausgelegten Karteikarten an der Mitmachaktion zu beteiligen: Die Ideen der Gottesdienstbesuchenden zum Brückenbauen sollen später in der Lukaskirche gezeigt werden.
Als Reaktion auf die von drei Frauen vorgetragene Geschichte im Evangelium verwies Pfarrer Vogt auf den Kern der Aussage: „Jesus ist nicht ungeduldig geworden, und es ist eine Brücke zwischen Jesus und seinen Jüngern entstanden“, so der Pfarrer. Die Ostergeschichte mache daher deutlich, dass Gott stets eine Brücke zu den Menschen schlage und vor Gott alle gleich seien.
Den Fürbitten zum Thema „Versöhnung“, die auch die Machthaber in der Welt miteinschlossen, folgte schon auf dem Weg zur Anlegestelle das Vaterunser und der Segen. Nach 55 Minuten „Pause“ als Gottesdienst erreicht die MS Sorpesee mit einer Punktlandung ihren Ausgangspunkt.

