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Ein wahres Multitalent

25.6.2026

Organisten loben die Orgel der Neuengeseker Kirche

Orgelbauer Friedrich Kampherm erlebte die Neuengeseker Orgel nun zum ersten Mal in Aktion, gespielt vom Organisten-Ehepaar Babette Freitag und Heiko Held (sitzend) und in Begleitung des Cellisten Oliver Christ und des Schlagzeugers Thorsten Krudewig. Foto: Klaus Bunte

Von Klaus Bunte

 

Neuengeseke. Für Friedrich Kampherm ist es das erste Mal, dass er die Orgel nun in voller Aktion erlebt – dabei hat er sie selber gebaut. „Aber bei der Einweihung vor einem Jahr, da war mein Urlaub schon längst gebucht, daher wurde ich von Mitarbeitern vertreten.“ Doch diesen ersten Geburtstag lässt der Orgelbauer aus Verl sich jetzt nicht entgehen.

 

Für ihn ist dieses Konzert zum ersten Geburtstag der Orgel, mit Organisten in einem vollen Kirchenschiff, eine echte Premiere. „Sie ist jetzt einfach präsenter, manche meinen, sie sei laut“, aber das sei zwei Faktoren zu verdanken, erläutert Kampherm. Die Orgel ist bekanntlich ein Umbau der früheren „Serienorgel“, also einem nach standardisierten Bauplänen industriell oder halbindustriell hergestellten Instrument – also quasi einem von der Stange, das somit gar nicht der Akustik des Raums, in dem sie zum Einsatz kommen soll, angepasst werden konnte. „Das ist heute quasi ein technischer Neubau mit Bestandteilen der alten Orgel.

 

„Die Tasten zum Beispiel sind noch die alten, das Gehäuse ist neu. In ihrer ursprünglichen Form stand sie dort hinten“, zeigt Kampherm auf das „Turmzimmer“, ein kleines, Chorraum-ähnliches Gewölbe unter dem Westturm. „Das wurde restauriert, danach passte die Orgel dort nicht mehr hinein.“ Beim Umbau musste er beachten, dass sie an ihrem neuen Standort im Mittelschiff, gegenüber dem Eingang, die Fenster nicht verdeckt.

 

Bei einer Serienorgel wird man keinen individuellen Charakter vermuten. Den aber habe sie nun, zu dem Schluss kommt Heiko Held. Der Organist aus Hamm bestritt gemeinsam mit seiner Frau Babette Freitag, ebenfalls Organistin, beide langjährige Freunde von Pfarrerin Jutta Pothmann, das Konzert, ergänzt durch Oliver Christ am Cello sowie Thorsten Krudewig am Schlagzeug bei einer Improvisation Freitags.

 

Held: „Und dieser Charakter liegt in der Kraft, die sie in ihrem jeweiligen Raum entfaltet. Und die ist wichtig, weil sie die Gemeinde ja im Gesang unterstützen soll. Und, das hat man heute gehört, denn zeitweise sollte ja mitgesungen werden, wie kräftig die Besucher das taten – eben, weil die Orgel so eine tolle Stütze ist. Ich glaube, das zeichnet dieses Instrument besonders aus. Sie fügt sich wunderbar ein in diese alte Kirche, auch der moderne Prospekt. Das ist das Geniale an Friedrich Kampfherms Arbeit.“

 

Babette Freitag erfreute sich zunächst eines ganz pragmatischen Vorteils der Orgel: „Ich bin 1,57 Meter groß und kann dennoch problemlos spielen. Die Orgelbank ist hervorragend. Ich war total glücklich, dass ich gut sitzen kann, das macht so viel aus für das Spielgefühl. Wenn ich gut sitze, kann ich auch gut spielen.“ Größere Organisten können die Bank hochkurbeln.

 

„Die gebrauchte Holz-Tastatur ist griffig, auch bei solchen Temperaturen lässt sie sich gut spielen. Und wenn man sich so wohlfühlt an einem Instrument, kann man ganz frei interpretieren und improvisieren. Und die Orgel hat so viele Klangfarben und Möglichkeiten. Sie eignet sich sehr gut zum solistischen Spiel, aber auch hervorragend für Kammermusik, also mit anderen Instrumenten zusammen. Mit neunzehn klingenden Registern ist sie eine mittelgroße Orgel ohne Schwellwerk, weil der Raum dies nicht erforderlich macht. Orgeln brauchen Raum, um zu klingen. Und die Standortfrage hat Friedrich Kampfherms wirklich toll gelöst.“

 

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